Zehnwortgeschichte mit Westendstories – Zerberus auf Glibberzeug

Westendstories lädt ein weiteres Mal zum gemeinsamen Schreiben ein. Ich habe mir gestattet eine kleine Verbindung herzustellen, zu einem anderen Schreibprojekt. Wer schon länger mit liest kommt vielleicht drauf. Wer nicht klickt den Link am Ende der Story. Es geht los:

Ein Blick auf den Kalender zeigte ihr, es war nicht mehr lang,
bis sie ihren Liebsten wieder sehen würde.
Diesmal gab es sogar eine Rückfahrkarte.
Inzwischen hatte sie heraus gefunden, dass ihre Verwandlungen
mit ihren Chromosomen zusammen hingen.
Angeblich sollte eine Mixtur aus Schnittlauch und Schneckengift
dem Zerberus in ihrem Blut entgegen wirken.
Beides rührte sie in einer Radkappe zusammen. Ihr
Geschirr wollte sie mit dem Glibberzeug nicht besudeln.
Sie konnten nur gewinnen.
Auf die Gefahr hin, fürchterlich in die Ecke kübeln zu müssen
schluckte sie den Schmodder hinunter und wartete auf das Elend.
Das jedoch blieb aus.
Stattdessen dachte sie voll Zärtlichkeit an Peter, der ihr Schicksal teilte.
Sie füllte den Rest der Mixtur in ein goldenes Fläschchen und packte es in
ihren Koffer. Nur noch ein paar Stunden. Dann würden sie sich wieder sehen.

Na, habt Ihr’s?

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Awake – Loslassgeschichtenlawinen Teil 9

Jetzt hat es mich gepackt und ich erdreiste mich, auch noch Teil 9 zu schreiben. Die Zerberus begehrt gesehen zu werden.

Was bisher geschah ist nachzulesen bei Bittemito (Teil 1)Frau Ahnungslos(Teil 2), Marga Auwald (Teil 3), Silvia Meerbothe (Teil 4), Madame Lila (Teil 5)und Frau Ella (Teil 6), Wieder Bittemito (Teil 7), Silvia Meerbothe (Teil 8) und nochmals Silvia Meerbothe aka Frau Zerberus (Teil 9). Hier  bei Ben steht alles über den Ablauf. Ich würde mich heftigst freuen, wenn sich jemand fände, der sich uns anschließt und bewahrt vor einem offenen Ende 😉 

Teil 9

Alte Lappen, gefunden im Kofferraum des Audi, über die blutverschmierten Sitze gebreitet, ging es erst mal Richtung Süden, raus aus der Stadt. Sie waren zuerst auf diesem Kirchenfest, bei St. Michel gewesen. Die Beiden fuhren schweigend, Bea immer wieder zu Paula blickend, die krampfhaft versuchte, die Erinnerungsfetzen zu einem Ganzen zu fügen. Sinnlos. Sie schloss die Augen und lehnte den Kopf ans kühle Fensterglas.
„Paula. Paula, wir sind da.“ Paula öffnete die Augen, sie war wohl kurz eingeschlafen.
„Gut, erst mal zum Pfarrsaal. Wir waren ja zusammen hier. Ich erinnere mich, dass der Pfaffe mit Feuereifer gepredigt hat und dann?“
„Keine Ahnung, Paula. Ich bin raus, weil es so heiß war. Als ich wieder kam, warst Du weg und alle taten, als wüssten sie nicht, von wem ich spreche.“
Paula war frustriert, ließ sich mit hängendem Kopf auf einen der Stühle fallen.
Wieder Erinnerungsfetzen, sich zu einem Zusammenhang fügend: Ein Vorhang, der zur Seite geschoben wird. Der nackte Typ, an einen Stuhl gefesselt, eine Krawatte um den Hals. Und der Pfaffe mit seinem Weihwasser Fläschchen. Mit wildem Blick Gebete rezitierend, von einem Zerberus sprechend. Auch von Exorzismus war die Rede. Der Schmerz in ihrem Auge, als ein Tropfen des heiligen Nass es traf. Eine Lücke in der Erinnerung, dann sie mit dem Nackten zum Auto hastend. Die Welt die sich langsam blau färbte, ein untrügliches Zeichen, für die einsetzende Verwandlung. Wieder eine Lücke. Das Erwachen im Audi. Die Erinnerung an die Erinnerungslücke, ein Name: Peter. Die Fabrik Ruine. Die Orgie, in die sie geraten waren. Peter, oder das Wesen, das Peter gewesen war. Das Gefühl der eigenen Verwandlung, was sie solange nicht mehr erfahren hatte. Wie sie gewütet hatten unter den in extase sich wiegenden Tänzern.
„Bea, ich weiß, wo die Ruine ist. Komm.“
Paula fuhr selbst. Fand den Weg zu der alten Fabrik. Sie hatte Angst, vor dem, was sie vorfinden würde. „Bea, bleib bitte im Auto.“
„Was? Wieso denn? Erst soll ich dich begleiten und jetzt?“ „Bitte Bea!“
„Ok, OK, pass ich halt auf den alten Hobel auf. Sei aber vorsichtig.“ Wenn Bea ehrlich war ging ihr sowieso der Arsch auf Grundeis, ihr war es ganz recht zu warten.
Paula ging langsam auf die Ruine zu, ihr Gesichtsfeld begann sich blau zu färben. Es war tatsächlich wahr. Ihre Zerberusseele war wieder erwacht. Nach so langer Zeit. Verdammte Weihwasserplörre. Glassplitter knirschten unter ihren Füßen. Kaum trat sie in die kühlen Hallen der Fabrik, ließ sie die Verwandlung geschehen. Sie war größer jetzt. Fast zwei Meter. Krallenbewerte Klauen, lange Fangzähne und ein muskulöser behaarter Körper, ließen nichts erkennen, von der hübschen, zierlichen Frau, die sie eben noch gewesen war. Gelbglühende Augen erfassten die Halle. Nichts. Weiter hinten eine breite Metalltreppe. Ja, sie erinnerte sich, die war sie mit Peter hinauf gestiegen. Auf dem Weg nach oben witterte sie. Nahm einen Duft wahr. Und den metallischen Geruch von Blut. Viel Blut. Sie leckte sich über die Lefzen. Beim Betreten der oberen Halle, eröffnete sich das Ausmaß dessen, was sie befürchtet hatte.
Hinter sich vernahm sie ein Geräusch und da war wieder dieser Duft. Bekannt, fast vertraut. Sie wandte den Blick. Da stand er. Größer noch als sie. Ein stattliches Zerberus Männchen. Sie nahm ihre Verwandlung ein Stück zurück, er tat es ihr gleich. „Peter“. „Paula“. „Hat das jemand überlebt?“, fragte sie. „Wir hatten uns wohl beide zu lange unser wahres Dasein untersagt. Wir hatten Hunger.“
„Mit anderen Worten, nein?“ Er nickte. Sie waren sich schnell einig, dass sie „aufräumen“ mussten. Und verschwinden. All das Blut, die Fetzen von Körpern die über die Halle verteilt waren. Es gab nur eine Möglichkeit, das verschwinden zu lassen.

Bea, wartete immer noch am Auto. Fragte sich, was Paula so lange trieb. Doch sie war nie besonders abenteuerlustig gewesen. Sie hatte nicht vor das zu ändern. Am liebsten wäre sie gar nicht hier. Wer wusste schon, was Paula wieder verbockt hatte.
Ein ohrenbetäubendener Knall. Panisch ließ Bea sich hinter das Auto sinken. Eine Druckwelle folgte dem Getöse. Glassplitter und Mauerstücke flogen durch die Luft, zerschlugen die Fenster des Audi. Augen und Ohren zuhaltend wartete Bea ab, bis es aufhörte Gebäudeteile zu regnen. Langsam erhob sie sich, den Blick Richtung Fabrik. Da war nur ein Trümmerberg in einer Staubwolke zu sehen.
„Paula? Paaaaauuuulaaaaa!!!!

Na, Ende oder hat jemand Lust, die Fortsetzung zu schreiben?

Weißer

Freude. Die Straße ist weiß(er). In der Nacht hatte es minus vier, jetzt nur noch null Komma acht Grad und es schneit. Gute Voraussetzungen für ein weißes Bonn.
Während ich schreibe, wird der Schneefall kräftiger. Das heißt, ich muss mich kurz fassen. Ich kann nicht ganz so schnell durch den dunklen Morgen Rauschen, wie das sonst der Fall ist.
Gestern hat sich der Reißverschluss an meinem Mantel verabschiedet. Genau richtig, zum Wintereinbruch. Jetzt steh ich ohne Winterjacke da, werde einfach mehr von den Sachen im Schrank übereinander ziehen, bis er repariert ist.
Aus Zerberus wird Zwiebelus. Fast, wie Saulus und Paulus, nur ganz anders.

Inspired by Salva – oder Zerberus goes Asia

Inspiriert durch den Artikel des werten Herrn SalvaVenia und die anschließenden Kommentare:

Zerberus in Asien

„Nein, nein!“
Trotz der Verlustigkeit seines wertvollen Lebenssaftes hatte er noch die Kraft, sich zu wehren. Er hatte promoviert! Er wusste Bescheid!
Nun lag er hier in diesem asiatischen Krankenhaus und die kamen mit dieser ganz bestimmt HIV infizierten Tüte rotem Saft angelaufen. Er war vorsichtig. Niemals würde er sich hier eine Transfusion verabreichen lassen. 1:400 lag die Chance sich zu infizieren. Das galt es zu vermeiden.
„Nein, nein… 1:400! Nein, nein… lassen sie das sein…. Nein, nein, nicht die infizierte Tüte… O…. K… viel-leicht… in.. fi.. zier… “ Piiiiiiiiiiieeeep. Flatline. Schade. Hätte er mal die Tüte genommen, der Depp.
Mit einem leichten Lächeln nahm die Schwester die Blutkonserve an sich, schlug erst die Richtung zum Labor ein, um dann aber durch eine Seitentür, in die Nacht zu treten.
Kurz der Kunststoffhaut einen kleinen Schnitt verpassend, den vorgewärmten Lebenssaft auf der Zunge genießend, gab Frau Zerberus ein zufriedenes Gurgeln von sich. Eins A Blut. Sie würde sich in dieser Nacht nicht verwandeln müssen.
„Danke, Doktor Vorurteil.“

Christoph ist verschwunden – Im Zug mit Frau Zerberus

Jutta bittet um literarische Hinweise.

Ich habe Christoph im Zug getroffen.
Er war mit einer wunderschönen Frau unterwegs zum Flughafen, wollte mit ihr gemeinsam nach Tanger. Es dauerte eine Weile, bis mir einfiel, wer sie ist und dass sie mal in einem Nachtclub gearbeitet hatte. Sie war damals plötzlich verschwunden. Das war zu der Zeit, als vermehrt Senioren verschwunden waren, die diesen Nachtclub aufgesucht hatten. Jetzt fällt mir auch ihr Name wieder ein: Natalie. Natalie Zerberus.

Westendstories Zehnwortgeschichte Part 8 – Zerberus, back to hell?

Zerberus, back to hell?

Er beherrschte das.
Toleranz und Diplomatie; war alles andere als Mainstream.
Auch lies er sich von diesem nicht beeinflussen. Er hatte seinen ganz eigenen Kopf.
Er, der so schön und eloquent war fühlte sich, so schien es, immer hervorragend.
Und sie?
Sie wusste nicht mehr was richtig oder falsch war.
Sie litt unsagbaren Seelenschmerz. Wenn dieser aufflammte blähte sie die Nüstern, sog tief die Luft ein um sie in einem lauten Schrei in die Nacht zu entlassen.
Und sie spürte, wie er zurück kehrte:
Der Hunger auf Menschenfleisch.

Westendstories Zehnwortgeschichte Part VII – Frau Zerberus loves Writing

Nun ist mir wochenlang nichts eingefallen, und dann? Ich werde wach und noch bevor meine Augen sich öffnen, formuliere ich Sätze, die auch sofort raus müssen:-)
Los geht’s, ich hoffe Ihr habt Freude beim Lesen.

Frau Zerberus loves Writing

Sie hatte sich verliebt. In die Schönheit seiner Sprache.
Sein Schreiben fand ihre höchste Anerkennung. Las sie seine Texte herrschte Frieden in ihrer Zerberus Seele. Ja, auch ein Zerberus hat eine Seele.
Sie hatte seine Texte immer bewundert.
Vor zwei Jahren im Spätsommer hatte es begonnen. Sie las,  bei Tee und Kerzenschein.
In kühlen Nächten unter einer Häckeldecke.
War länger keine Zeit, sich seinen Geschichten hinzugeben, wurde sie traurig.
Ging es auf das Weiterlesen zu, erfasste sie unbändige Wiedersehensfreude, als träfe sie einen guten, alten, lange vermissten Freund.
Sein Schreiben verebbte.
Wurde zu Rinnsalen, bis es fast gänzlich zum Erliegen kam.
Zurück blieben die alten Texte, Erinnerungen in einer Wollkiste.
Und in ihr eine tiefe Traurigkeit.

Schreibprojekt von Westendstories, Part II

Gehetzt betrat sie den Supermarkt.
Sie brauchte dringend ein Geschirrhandtuch, oder besser zehn davon. Außerdem einen Wäschekorb. Auf dem Weg zur Kasse, ergatterte sie noch Gummistiefel aus dem Sonderangebot. Die fielen bestimmt nicht durch.
Sie musste wirklich lernen, sich zu beherrschen. So ging es nicht weiter.

Als sie mit ihrem Einkauf die Wohnung betrat, schlug ihr der metallische Geruch von Blut in die Nase und der Zerberus in ihr begann gierig zu knurren. Sie betrat das Wohnzimmer und sah die Sauerei, die ihr wahres Ich hinterlassen hatte.
Das Blut stand bis zur Tapetenabschlusskante und mitten im Raum lag alles, was von ihrem Raubzug übrig war. Ein Zebrafell. Sie war also wieder nachts im Zoo gewesen, um den Zerberus in sich zu befriedigen. Nicht lange und sie musste wieder mal umziehen.

Zur Musik der Ramones begann sie, die Gummistiefel an den Füßen, die Spuren des Schlachtens zu beseitigen. Immer wieder warf sie die Geschirrtücher ins Blut, wusch sie in der Badewanne aus, um wieder und wieder das Blut damit aufzunehmen. Es war schon dabei zu gerinnen, so mochte der Zerberus es nicht mehr.

Als sie gegen Abend endlich fertig war, warf sie die Geschirrtücher und das Zebrafell in den Wäschekorb und wartete auf die Dunkelheit.

Auf dem Fensterbrett saß ein Eichhörnchen. Sie spürte, sie musste dem Zerberus nachgeben. Blitzschnell griff sie das putzige Tierchen, riss ihm den Kopf ab und ließ das warme Blut in eine Kaffeetasse laufen.
Das ganze garnierte sie mit etwas geraspelter Schokolade.

„Als Belohnung, für die erledigte Arbeit“, knurrte der Zerberus in ihr, und stürzte die seltsame Mischung hinunter.
Würde sie jemand beobachten, er sähe eine zarte Frau, die Abends ihren Tee trinkt.

Sie wusste, das musste irgendwann ein Ende haben, wollte sie ein echter Mensch werden.

Mit dem Wäschekorb, beladen mit den Geschirrtüchern und dem Zebrafell (nicht mal die Knochen waren übrig geblieben), schlich sie, immer noch die Gummistiefel tragend, in den Garten. Sie griff sich noch die Schaufel aus dem Keller und vergrub alles fein säuberlich unter der alten Buche.

Nur gut, dass sie alleine auf dem großen Anwesen wohnte…