Am Ende des Tages

Der Film The Imitationgame ist, obwohl man den Ausgang kennt, fesselnd.
Tja, und weil er von einer wahren Begebenheit handelt, hat er einerseits ein Happy End, in Form des beendeten Weltkriegs, doch wird dieses getrübt, durch das Ende von Mr.Turing. Ich bin nah am Wasser gebaut und habe geweint, wegen des ihm widerfahrenen Leids, und seines Selbstmordes. Fällt ja nicht auf im dunklen Kino.
Was Menschen Menschen angetan haben, weil sie anders waren, in diesem Fall homosexuell, und weiterhin antun, wegen welcher Andersartigkleit auch immer, lässt mich immer wieder kopfschüttelnd dasitzen. Nachdenklich und still ist der Heimweg. Ich wünsche mir mehr Offenheit und weniger Angst auf dieser Welt.

Das Monster

Das mit dem Sport funktioniert nur mäßig.
Nicht mal die Hälfte meiner sonstigen Energie kann ich abrufen. Das sorgt für zusätzlichen Frust. Ist auch nicht verwunderlich, nachdem ich den ganzen Tag geheult, kaum getrunken und gegessen habe. Wo soll’s der Körper her nehmen?
Herrlich! Ich könnte Knochen kotzen.
Im Dampfbad fragt dir Kriegerin wie es mir geht. Ich sei ja heute nicht besonders fit.
„Redest Du nicht mehr mit mir?“, fragt sie, als ich nicht antworte.
Ich erkläre, ich dass ich nicht aufgelegt bin, zu reden.
Sie erzählt trotzdem. Ist auch Ok, nur kann ich es nicht ertragen, verlasse die Sauna.
In der Umkleide treffe ich auf Martina. Wir waren zusammen im Kalamashila Institut.
Sie erkennt sofort meine Lage. Nicht schwer, ich weine wieder.
Ob es einen Auslöser gäbe. Ich erzähle.
Sie blickt mir tief in die Augen. Verständnisvoll:
„Mädchen, an den Umständen kannst Du nichts ändern, aber daran was das mit Dir macht, daran kannst Du arbeiten.“
Sie streichelt mir mütterlich über die Wange und ich weiß, dass sie recht hat. Zwar heule ich jetzt auch wieder, während ich schreibe, aber die Furcht vor dem Monster Depression hat sich verringert.
Ich bin stark genug. Und ich weiß, dass es kein Monster, sondern eher eine grausame Freundin ist.
Sie zeigt mir, den Punkt, den ich noch nicht repariert habe.
Also, an dir Arbeit, Frau Zerberus.

Schönen, Guten Tag…

Du doofes Tief.
Ja, wenn man ein Tief hat, soll man hinhören. Hinschauen.
Zwischen Überweisungen und Kassenbuch habe ich es versucht. Und geweint. Weshalb weiß ich immer noch nicht.
Aber, die Überweisungen sind erledigt.
Ebenso wie das ungeliebte Kassenbuch.
Einen Tag vor London eine solche Stimmung. Doof. Eigentlich sollte ich freudig erregt sein.

Naja, es ist noch etwas Zeit bis Makrisa nach Hause kommt. Der werde ich nutzen, um in mich zu gehen. Mal sehen was ich finde.
Draußen geht gerade ein Gewitter los. Das passt.

Und doch habe ich, trotzig, wie ich bin, einen Tisch für Zwei bestellt. In der L’Osteria, Oberkassel. Direkt am Rhein.
Vielleicht wirkt ja ein nettes Abendessen, mit dem Gemahl gegen mein Tief.

Und wenn nicht, habe ich wenigstens lecker gespeist.

Schilddrüse, oder einfach nur sentimental?

Das ist eine gute Frage.
Ich fahre in die Bosch Werkstatt, für die Abgas Untersuchung. Der Chef ist ein wenig jünger als ich; erzählt, sein Junior hat heute morgen sein erstes Wort gesprochen.
Als ich die Werkstatt wieder verlasse, wird mir klar, wir sind die nächste Generation.
Mein Vater war Kunde seines Vaters. Jetzt bin ich seine Kundin und selber Chefin des Unternehmens, das vorher meinem Vater gehörte.
Ebenso verhält es sich mit meinem Mechaniker.
Ich kenne alle ihre Väter und sie alle kannten den meinen.
Irgendwie muss ich weinen, seit dem Augenblick, da ich das dachte.
Es ist auch völlig Ok, sentimental zu sein. Nur bin ich mir in meinem Fall nicht sicher;
Bin ich wirklich sentimental oder macht meine Schilddrüse gerade Spirenzchen?
Das ist es, was mich stört. Ich wage nicht traurig zu sein, weil ich fürchte, die Kränke ist schuld.
Aber ist das nicht eigentlich scheißegal?!
Ich lass einfach mal laufen.