Für mich – gegen mich

Ich persönlich finde lange Beiträge häufig ermüdend.
Doch, wenn es Menschen gibt, die an ähnlicher Problematik leiden seht: So kann’s gehen.

Essen in der Deutschen Welle . Nachdenken. Über das Kleben. Haften bleiben an Menschen.
Da kommt sie mit dem ollen Thema um die Ecke, wird manch einer denken.

Ich tat einen Blick in die Vergangenheit. Intensiv schaute ich ich hin. Sah, was geschah. Weiß, das Klammern, Festkleben rührt nicht (nur) aus der Angst vor Verlust. Es wurde vorgelebt:
Ich sehe meine Mutter an Personen klammern, ihren Fokus auf einen Menschen ausrichten. Die ins Dasein getretene Person mit Zuwendung erdrücken. Jeden bereits im Leben Anwesenden, zurückstellend. Weil die neue Freundschaft jetzt alle Aufmerksamkeit bekommen muss, der Andere – verschwinden könnte. Sie – meine Mutter – vergessen wird.

Das dem Vater hinterher telefonieren, kam er mittags zu spät zum Essen. Die Streitereien, war er endlich da. Die Vorwürfe, WIR seien nicht wert gemeinsam zu essen, sonst hätte er sich wenigstens gemeldet. Meine Wahrnehmung: Keine Nachricht = wertlos.

Oben drauf kommt die Verlustangst, die mich seit früher Kindheit verfolgt.
Vielmals verharrte klein Silvia, sehr wohl in der Lage, die Uhr zu lesen, darauf abgeholt zu werden. Die Frau Mutter kam seltenst pünktlich, eher zwei Stunden zu spät.
Wir erinnern uns, ich hatte gelernt: Nicht pünktlich kommen, keine Nachricht = wertlos.
Plus, die Abende allein zu Haus, an denen ich mit meiner Freundin (Stunden) telefonierte, um ,aus der Ferne, Nähe zu erfahren.

Daher das krankhafte Nachrichten schreiben, daher das schreckliche Gefühl, wenn Blogistan schweigt: Kontrollzwang. Kontrollieren, dass der andere an mich denkt. Nähe erzeugen, wenn auch künstlich. Damit schlägt man erfolgreich jeden in die Flucht. Und mag er einen noch so sehr. Der Selbsterhaltungstrieb des Gegenübers setzt ein. Flucht. Ich kann es verstehen. Ich schätze, ein Gefühl der Unfreiheit stellt sich ein.
Interssant: Auch bei mir erzeugt es Unfreiheit, ich spüre meine Abhängigkeit. Kein unabhängiges Individuum, lässt zu, dass man sich von ihm abhängig macht.

Es ging wieder los: Das Anhaften. Alsbald das Leiden. Das Abhängigkeitssyndrom.
Ich sah es kommen. Ließ es zu. Beobachtete genau, was ablief.
Jetzt regt sich endlich Widerstand in mir. Trotz gegen mich. Besser gesagt: Gegen diese Angewohnheit. Auf dem Weg aus der Kantine. Ich gehe mit durch gedrücktem Rücken. Spüre meinen Kampfgeist erwachen. Nicht jemand anderem muss ich meine Unabhängigkeit beweisen. Nur mir selbst. Das gelingt nur, wenn ich mich selbst daraus befreie. Es mir erarbeite.

Die Woche Blogpause hat mir geholfen, all das zu erkennen. Kein Blog, ich lebe. Herr! Ein Wunder!
Mich mitteilen, um etwas zu sagen. Nicht, um Resonanz zu erhalten, zu sehen, dass ich geschätzt bin.
Das übe ich jetzt. Rückschläge kalkuliere ich mit ein. Ich bin positiv gestimmt. Hat man einen Mechanismus erkannt, fällt Selbstverarschung schwer. Sogar der Auslöser ist gefunden.
Ich besitze alles, um den ausgetretenen Pfad zu verlassen.
Ich gehe einen anderen Weg. Bin gespannt, wo er hinführt.

Alles eine Sache des Vertrauens. In meine Person, in meine Fähigkeiten, in meine Umwelt.
Mir selbst genügen. Mir selbst Halt geben.
Was das Pflegen von Freundschaften beziehungsweise Bekanntschaften angeht, ist endlich angekommen: Less is more.
Will ich einen Garten pflegen, tut überdüngen auch nicht gut.

Amen

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