Getroffen

Shit happens. Auf dem Weg zur Dialyse ein Auffahrunfall. Ich bin schuld. Kotflügel verbeult, Stoßstange ebenfalls und der Scheinwerfer im Eimer. Doch ein freundlicher Unfall“gegner“. Wir sind cool. Beide Vielfahrer. Er ist Verkaufsleiter einer großen amerikanischen Süsswarenvertiebsfirma. Ich regele gleich vor Ort, telefonisch die Formalitäten mit der Versicherung. Er entschuldigt sich, dass er die Polizei rufen muss. Leasing und Firmenfahrzeug. „Weisung von oben.“ Ich hab Verständnis. Wir warten. Wir warten sogar lange. Es ist kalt. Wir kommen ins Gespräch, ich frage, was er genau macht. Er erzählt und holt aus seinem Auto zwei lila Tüten. Zarte Marzipankugeln und kleine Genuss Kugeln. Beide Tüten drückt er mir in die Hand. „Kleines Trostpflaster“, meint er. Das finde ich nett und bemerke, dass ich noch nie mit Schokolade belohnt wurde, weil ich was kaputt gemacht hab. Süß.
Nach eineinhalb Stunden kommt endlich die Polizei. Als der Unfall aufgenommen ist, schütteln wir uns die Hände und fahren, immer noch entspannt, beide unserer Wege.
Inzwischen sitze ich im Büro der Werkstatt. Hier ist es mindestens so kalt, wie an der Straßenecke eine Stunde zuvor. Man hat mir eine rosa Decke mit Ölflecken gegeben. Unter der sitze ich jetzt und tippe den Beitrag.
Eigentlich wollte ich heute noch mal dick Geld verdienen. Naja, ich hab meine Buchführung dabei. Und die mache ich genau jetzt.

Boxernase II

Tja, wie es aussieht, ist der Kater auf einen Schlag konditioniert (wie gut die Wortwahl passt) worden.
Das arme Tier!
Öffne ich jetzt die Terrassentür und gehe in Richtung Treppe, rennt er sofort in den Keller.
Ein anderes Mal versuche ich, ihn die Treppe hinauf zu tragen. Mit dem Erfolg, dass er sich frei strampelt und den Garten hoch rast, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.
Wie’s scheint gilt meine Rehabilitation nur bis zur Terrassentür.
Ich lasse den Dingen jetzt einfach Ihren Lauf und hoffe, er kriegt sich wieder ein.

Boxernase

Während Makrisa in München weilt, bin ich die Vogelbeauftragte. Will sagen: Ich habe das Vogelhaus zu befüllen.
Ich öffne die Terrassentür, nehme die Treppe hinauf, in den Garten. Unser Kater will mich begleiten, rast die Treppe hinauf, rutscht auf halber Strecke aus und kracht, die Nase voran, frontal gegen die nächste Stufe (Beton).
Das Geräusch klingt, als würde ein Mensch, mit dem Kopf auf Asphalt schlagen. Gruselig.
Er macht sofort kehrt und läuft unter lautem Gezeter ins Schlafzimmer, unter das Bett.
Ich hinterher. Er hat sich bestimmt verletzt. Als er mich hört, schimpft er wieder, läuft wieder weg; diesmal in meinen Meditationsraum. Auch hier unter das Bett.
Da pass ich aber drunter. Ich krieche zu ihm, sehe, er ist total verstört. Auf den ersten Blick sehe ich keine Verletzung. Noch ein wenn kraulen, dann lass ich ihn in Ruhe.
Als ich wieder in der Küche bin, flitzt er runter, in den Keller. Unter die Badewanne. Das ist der Ort, an den er sich verkrümelt, wenn es ganz schlimm ist (Tierarzt, Dresche von Nachbar’s Kater…).
Als ich von der Lesung heim komme, nimmt er wieder reiß aus.
Das glaub ich jetzt nicht. Er ist scheinbar der Ansicht, ich hätte ihm auf die Nase gehauen. Wir waren auf gleicher Höhe der Treppe, als es passierte.
Letztlich kommt er doch unter meine Decke gekrochen, kuschelt sich ganz fest an mich.
Ich scheine rehabilitiert.
Heute Morgen, sehe ich mir die Nase an. Sie sieht ein klein wenig geschwollen aus (Boxernase), scheint aber, bis auf die Schwellung und ein paar Kratzer, keinen weiteren Schaden genommen zu haben.
Sachen gibt’s.
Vielleicht nenne ich ihn ab heute Henri (Maske).

Thorsten…

schlägt bei mir ein, wie eine Bombe, als ich, mit Frau Fahrgast, die Kreuzstraße befahre.
Ohne Andeutung schlägt er den Lenker links ein und schneidet mit seinem Fahrrad meine Spur; ich versuche auszuweichen; keine Chance.
Es kracht, der Spiegel klappt ein, das Glas ist weg.
Fast augenblicklich stehe ich, Warnblinkanlage und hin zu ihm. Er sitzt neben seinem Rad; ein Freak, wie ich sie mag.
Ich frage, ob ihm was fehlt. Er versichert, ihm ginge es gut. Um mich zu überzeugen, hüpft er auf der Stelle rum. Süß.
Dann geht er zum Auto, um Frau Fahrgast zu beruhigen.
Ich kann nicht anders, ich muss ihn einfach mal drücken.
Wir stellen uns namentlich vor, als wären wir auf einer Party. Irgendwie nett, die Situation.
Er meint, er hätte nur ausgeholt, um rechts in die Brotfabrik abzubiegen.
Er macht sich Sorgen, wegen meinem Lack und meinem Spiegel.
Interessiert mich nur zweitrangig. Ihn schon mehr. Weil er arm ist, wie er erklärt.
Ich bin froh, dass er heil geblieben ist.
Wir verabschieden uns, winken zum Abschied.
Meinen Spiegel hab ich auch schnell wieder zusammen gebaut.
Thorsten gut, alles gut.
Wäre ich alleine gewesen, ich hätte ihn auf einen Kaffee eingeladen.
War eine gute Seele der Typ.