Immer so?

Fühlt sich das immer so an? So ein Neustart mein ich. Mietvertrag unterschrieben zurück geschickt. Danach zwei ,drei Stunden euphorisch sein, um dann in Tränen aus zu brechen?

Als ich Herrn Faun gesagt habe, dass das mit uns nichts mehr bringt, war es ähnlich. Erst totale Erleichterung, dann heulen.

Auf dem Weg, heute in den Spessart, wegen des Symposiums, fahre ich bis Frankfurt. Bis dahin ist alles gut. Die „Apolcalyptischen Reiter“ begleiten mich. Ich singe laut mit. Dann weine ich. Und wie! Wie aus einem Brunnen laufen die Tränen über mein Gesicht. Und ich schreie die Windschutzscheibe an. Danach geht es besser.

Nun bin ich also frei von allem. Eben habe ich die Kaution für meine neue Wohnung überwiesen. Wo isse denn, die Freude? Nun sitze ich hier, schreibe, weil ich nicht schlafen kann. Um acht Uhr dreißig ist Treffpunkt vor der Ayurveda Akademie und ich werde wahrscheinlich aussehen wie eine Leiche. Guter Werbeträger für ein Ayurveda Resort. So möchte bestimmt jeder aussehen. Ich habe vier Wochen Urlaub und könnte einfach, ja was….?

Wenigstens der schwarze Humor scheint erhalten geblieben. Ist also noch nicht alles verloren.

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Ein klein wenig weh

Nun ist es amtlich. Mr. Freeze wird uns verlassen. Wenn ich bedenke, dass ich eine Zeit mein Herz an ihn verloren hatte, habe ich es gut aufgenommen. Traurig bin ich trotzdem.
Als ich mich selbst verloren hatte, war er mein Leuchtfeuer. Mein Vorbild. Eine Weile war der Kontakt intensiv, was mehr an mir, als an ihm lag. Er hat mir geraten. Und, meine Anwürfe ausgehalten.
In der Zeit habe ich eine Menge gelernt. Akzeptanz. Distanz. Schlachten ohne Kampf gewinnen. Aushalten. Meine eigene Messlatte zu sein. Loslassen. Distanziert verbunden sein. Mich selbst annehmen.
Oft, wenn ich mich an ihm wund gerieben hatte, kam eine neue, alte, schlecht verheilte Wunde zum Vorschein. Das war interessant und verwirrend, ja überraschend. Und hilfreich, um endlich meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei war er nur da. Nicht im Sinne von für mich da, sondern einfach da. Mit bestechender Regelmäßigkeit.

Nun habe ich mich wieder gefunden. Bin mein eigenes Licht. Mein eigener Mittelpunkt. Ein Vorbild brauche ich nicht mehr. Kann mir selbst vertrauen. Habe meinen Weg gefunden. Stehe auf. Stelle mich gegen Ätzer. Bin stark.

Er kam, kurz bevor mein Zusammenbruch kam und er geht. Jetzt, wo ich mich gewappnet fühle.

Es gibt etwas woran ich fest glaube: Das Schicksal schickt uns immer jemanden, der uns hilft zu lernen. Manche bleiben länger, andere kürzer. Eben genauso lange, wie wir diese Person nötig haben. Manche verschwinden danach ganz, andere tauchen als kurze Besucher noch mal auf. In seltenen Fällen bleiben sie uns als Freunde erhalten. Das ist dann schön. Für jeden bin ich dankbar. Halt ebenso für Mr. Freeze. Ich werd den alten Punkrocker vermissen.
Und jetzt gönne ich mir ein paar Tränen.

Eifel – Kindheit – sich erden

Inzwischen bin ich durch die herbstliche, verregnete Eifel nach Schwerfen gefahren. Hier ist mein Vater bei seiner Tante aufgewachsen und hier haben wir manches Wochenende verbracht, bevor meine Welt aus den Fugen geriet. Es regent immer noch. Trotzdem werde ich gleich einen Spaziergang am Roten Bach machen, meinen Kopf abkühlen.
Danach bin ich klarer.
Die Tränen sind jedenfalls schon versiegt. Und der dunkelgraue Himmel ist jetzt hellgrau. Besserung ist in Sicht.

Heiter bis wolkig

Oder anders herum.
Irgendwie bricht sich alles Bahn. Mich nervt einfach alles. Alles ist mir zu viel. Das erste mal muss ich heute Morgen Druck ablassen. Nach den Dialysefahrten will ich Brötchen holen. Vorm Edeka, im Taxi sitzend, öffnen sich die Schleusen. Wieder mal heulen. „Was denn jetzt“ , denkt es in mir. Ich wünsche mir so sehr Entspannung und Erleichterung. Würde am liebsten einfach alles hinter mir lassen.
Während ich das so denke, erinnere ich mich, wie es ist, erleichtert und entspannt zu sein.
Das zeigt Wirkung. Sogar meine Nackenmuskulatur wird locker. Super!
Mit dicken Augen gehe ich Brötchen holen. Mir doch egal, was die denken.

Mittags geht’s in die Waldau. Ich will laufen. Schon auf dem Weg dort hin, geht’s schon wieder los. Auf dem Parkplatz lass ich wieder laufen. Simse mit der Dame; sie ist beim Imkerkurs, bietet an nachher vorbei zu kommen, mit einer großen Tüte Empathie. Allein das Wissen, eine so gute Freundin zu haben, tut gut.
Ich weine noch ein wenig vor mich hin. Dann erinnere ich mich an meine Metta Meditation App (ihr dürft lachen, aber die ist echt gut). Die Kontemplation für heute:

Möge ich erkennen, wie sich alles entwickelt, egal, ob ich das Gefühl der Kontrolle über die Situation habe oder nicht.

Als ich das lese, muss ich laut lachen. Das trifft den Nagel ja so ziemlich auf den Kopf.
Mit diesem Satz im Kopf, laufe ich schließlich los.
Ich laufe so locker, wie ewig nicht; der Puls ist so niedrig wie lange nicht; ich laufe weiter, als die letzten Wochen und als ich wieder Richtung Parkplatz komme, bricht die Sonne durch die Wolken um helle Kleckse auf den Waldboden zu streuen.

Jetzt fühle ich mich wieder leicht. Und es geht sogar ein Stück in Richtung Glück.
Die Sonne malt halt auch helle Flecken auf meine Seele. 🙂