Ein gutes Ende – und plötzlich ging alles ganz schnell

Als ich mich ein letztes Mal umschaue, sehe, was ich zurück lasse, kommt kurz ein bisschen Wehmut auf. Doch, dann sehe ich wieder nach vorn, lächle und schreite zügig voran. Frei. Frei von der Last. Frei von Ärger. Frei von Sorgen. Frei.
Ich habe meine Sachen raus geholt. Viel war es nicht. Besenrein hinterlasse ich mein altes Habitat. Ein kleiner Tod, wie alles was endet.
Vor einer Stunde haben wir unterschrieben. Der Taxibetrieb Silvia Meerbothe ist Geschichte.
Eine halbe Stunde nachdem der Käufer mitteilt, alle Unterlagen seien da, gehören die Rückenschmerzen ebenfalls der Vergangenheit an. Ebenso die Hüftschmerzen.
Nun bin ich seit zwanzig Jahren das erste mal erwerbslos. In sechs Wochen fange ich in der anderen Firma an. Klar, ich bleibe meiner Passion treu. Ich fahre Taxi. Fahren und gut. Keine Buchführung, keine fiese Post mehr vom Finanzamt. Ok, bis zum Geschäftsabschluss am Jahresende vielleicht noch ein bisschen.
Bin ich froh? Yesss, ich bin froh.

Ich brauch Dich

Schon cool, wenn das einer sagt. Doof, nicht konkret zusagen zu können, weil man die Konzession immer noch nicht los ist.
Worum es geht? Um meinen potenziellen, zukünftigen Chef. Er rief an, fragte, wie lange es bei mir noch dauern würde, er brauche dringend Fahrer.
Das lässt mich gerade ein wenig ungehalten sein. Also, nicht, dass man sagt, man brauche mich.
Sondern, immer noch nicht zu wissen, was jetzt ist.
Ich würde diesem kleinen Gernegroß von Exäufer, gerne die Ohren lang ziehen.
Gut, dass ich heute noch einen Kollegen getroffen habe, der mir versichert hat, noch mehr Käufer an der Hand zu haben und ebenfalls zu helfen,
wenn der Vater des Käufers morgen ebenfalls vermeldet keine Kohle zu bekommen. Auch, wenn er sich morgen nicht meldet. Ich suche mir sofort jemanden, der die Kohle direkt abrufen kann. Ich bin’s leid.
Aus Erfahrung wird man klug. Ich habe wieder Rücksicht genommen auf andere, und nun hab ich einen Job in Aussicht, den ich erstmal nicht antreten kann, weil es nicht voran geht. Ich könnte jetzt gepflegt in die Ecke kotzen.

Vom Streuben

Um halb zwei steige ich endlich in die Droschke. Doch wer denkt, ich brause los, Geld zu verdienen, der liegt falsch. Erst mal fahre ich zur Post. Die Bewerbung wird auf die Reise geschickt. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Danach fahre ich in die Stadt. Das Schuhhaus „Gut zu Fuß“ hat angerufen, meine bestellten Schuhe sind angekommen. Ich hole sie ab, bin begeistert, wie hübsch inzwischen Gesundheitstreter aussehen. Der blaue Himmel vom Morgen hat sich gewandelt, so streife ich durch die inzwischen nassgraue Stadt. Och, so was! Noch ein Schuhladen. Und, was für ein Zufall, noch ein Paar Schuhe, das mir gefällt. Reduziert. Gekauft. Zwei Paar Schuhe an einem Tag. Das gab es bei mir noch nie. Ich wage zu behaupten, eine der Schuhärmsten Frauen überhaupt zu sein. Kaufe ich doch sonst nur Schuhe, wenn unbedingt notwendig. Es gibt nur eine Erklärung, für dieses Geldausgeben obwohl kein neues rankommt. Ablenkung.
Es geht mir sowas von auf den Zwirn, dass ich immer noch diese Konzession an den Hacken hab. Dass ich mich immer noch mit dem ganzen Brimborium drum herum befassen muss. Dieses in der Luft hängen, nicht wissen, wann ich endlich kräftig ausatmen darf und sagen:Endlich Schluss. Der Vater des Käufers ist jetzt im Rennen. Er hat versprochen, mir Mittwoch eine konkrete Antwort geben zu können, ob es Geld von der Bank gibt oder nicht. Er sollte sich eilen. Die Aktivierung von Papas Kumpel werde ich nicht zurücknehmen. Legt morgen einer Geld auf den Tisch, ist die Konzession weg. Ich hab die Faxen dicke. Warum soll ich immer auf andere warten?

Geplatzt

Als hätte ich es gerochen. Eben habe ich mit dem Käufer telefoniert. Der Deal ist geplatzt. Nun habe ich den Kumpel meines Vaters angerufen, der mit Autoteilen handelt. Er darf die Trommel rühren, dass der Betrieb noch zu haben ist. Und auch sonst wird er mir beim Verkauf zur Seite stehen. Witzig: So war es ursprünglich geplant. Bin ich enttäuscht? Sauer? Es ist, wie es ist. Emotionen sind hier fehl am Platz, neu orientieren die Devise.
Und wieder bestätigt sich die alte Weisheit. Mit Freunden und Bekannten macht man besser keine Geschäfte. Außer vielleicht, man handelt mit Kunst. Das ist was anderes 😉