What a day

Um halb sieben starte ich das Aggregat des Maschit, rolle aus meiner Sackgasse, auf die Hauptstraße. Ich bin gut in der Zeit. Stressfreier Morgen. Die erste Kreuzung. Ich biege ab, wundere mich über das schwammige Fahrverhalten der Sternkarosse. Der Luftverlusst im rechten Vorderrad, einige Tage zuvor, kommt mir in den Sinn. In der nächsten Kurve bin ich sicher: Plattfuß. Aber richtig platt. Keine Abstellmöglichkeit. Ich tue schweren Herzens, was ich lieber vermeiden würde: Ich fahre vorsichtig weiter. Auf Alufelgen und plattem Gummi. Ich hoffe die Felge überlebt das. Das Auto auf dem rettenden Parkplatz abgestellt, gerate ich in Hektik. Von wegen Stressfreier Morgen.
Die Zentrale anrufen, für mich ein Taxi bestellen, das mich zur Ablösung bringt. Das dauert eine gefühlte Ewigkeit.
Der junge Kollege erkennt die Dringlichkeit und lässt den Pferden des Zwozwölfers die Zügel lang. Wir sausen durch das noch dunkle Bonn, Richtung Südbrücke, während ich die Eltern der Kinder anrufe, die ich gleich fahren soll. Sie müssen wissen, dass ich mich verspäten werde.
Unter der Brücke angekommen, will der Jungkutscher nur fünfzehn Euronen sehen. Schon auf der Brücke hatte er das Taxameter ausgeschaltet. Netter Zug. Le Mans-gleich haste ich zu meinem Achtsitzer, starte schon während des Türeschließens den Diesel und rausche los, auf die Bahn. Nun Richtung Nordbrücke. Ich gebe der alten Maschine die Sporen. Mein Gasfuß begreift nicht, dass ich keinen Druck mehr im Nacken habe. Russwolken gen Himmel blasend, fliege ich über das Asphaltband.
So geschieht das Unfassbare. Ich hebele die Zeit aus. Lediglich zwei Minuten zu spät erreiche ich die erste Adresse, schaue ungläubig auf die Uhr. Wie hab ich das gemacht? Ehrlich, ich habe keine Ahnung.

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Erste Station

Dublin. Swords. Mit dem Taxi fahre ich dort hin. Im Radio läuft Adele – Set fire to the rain. Großartig.
Der Fahrer ist cool. Woher ich komme, fragt er. In die Antwort, Bonn, lasse ich den Beruf mit einfließen. Jetzt haben wir ein Gesprächsthema:
Klar reden wir über den fucking Job. Über Wartezeiten die zu lang und Fahrten die zu kurz sind. So, wie meine. Fuck! Ich verstehe ihn. Taxifahrer haben alle den gleichen Text 😉 Weil er trotzdem freundlich ist, bekommt er ordentlich Tip (Trinkgeld). Zum Abschied hupen, freundliches Winken.
Mein B&B ist nur vier Kilometer vom Flughafen entfernt. Andrew nimmt mich in Empfang. Das Zimmer ist klein, das Bett eine gemütliche Wolke.
Doch bevor ich mich betten darf, zeigt mir Andrew den Dining Room. Wie ein Wohnzimmer. Ich fühle mich zu Hause, was durch die Kekse, die ich zur späten Stunde zum Tee gereicht bekomme, noch verstärkt wird.
Danach endlich Ruhe.
Beim Auspacken der nötigsten Utensilien stelle ich fest, ich hab die Zahncreme vergessen. Dann eben Bürste pur. Andernorts kauen sie Äste, um die Zähne zu reinigen. Ich hab wenigstens Borsten. In der Tasche finde ich Zahnpflege Kaugummi. Er vermittelt die Illusion, ich hätte Zahnpasta gehabt 🙂
Die Recherche im Netz ergibt, dass es in vierhundert Metern ein Einkaufszentrum gibt. Da werde ich mich morgen komplettieren.
Ab morgen Abend wird dann auch hier, im Blog, Ruhe einkehren. In Beara. Ohne großartige Netzverbindung. Dafür Verbindung mit der Natur. Pur. Bei Roland in der irischen Wildnis. Doch erst mal führt die Reise nach Killarney.

Geprügelter Hund

Ich stehe am Posttower, an der Cafe Bude. Der ehemalige Käufer kommt angefahren. Steigt jedoch nicht aus.
Als er sich endlich entschließt, doch das Taxi zu verlassen, um sich ebenfalls einen Kaffee zu holen, huscht er schnell mit einem „Hallo zusammen“ an mir vorbei. Steht da, die Kapuze seines Kapuzenpullovers über dem Kopf, schaut mich nicht an. Klar, ich mache keinen Freudentanz, dass der Verkauf geplatzt ist, aber sich wie ein geprügelter Hund zu geben, ist übertrieben.
Fast denke ich, er ist enttäuschter als ich. Er hat sich schon als unabhängigen Unternehmer, losgelöst vom väterlichen Betrieb gesehen. Da tut es weh, wenn das nicht klappt.
Doch ich werde nicht hingehen und Händchen halten.
Er muss von selbst drauf kommen, dass das zwar ein Rückschlag, doch keine Abwertung seiner Person darstellt.
Und, dass Vater und Sohn wegen dieser Geschichte nicht mehr miteinander sprechen, naja. Da enthalte ich mich eines Kommentars.

Nur kurz

Der Tag war lang, die Nacht wird kurz. Um halb vier wird der Wecker klingeln.
Der Tag:
Als ich aufwache merke ich gleich, ich bin anders. Ich habe mich von einem Mitglied des inneren Stabs getrennt. Der um Zuwendung bettelnden Kriecherin. Sicher wird sie früher einmal nützlich gewesen sein, doch nun ist es Zeit für sie, in Rente zu gehen.
Taxi fahren ist heute nicht ertragreich, war auch nicht zu erwarten. Der dritte Teil des Hobbits wird nur wegen des Wohlwollens dem Autor und dem Regisseur gegenüber für gut befunden. Nun hab ich ihn gesehen. Fertig.
Lieber seh ich mir noch mal die Trilogie Herr der Ringe an. Die sind einfach besser.
Das Training läuft wiederholt zufriedenstellend, trotz sich anbahnender Erkältung.
Die Keks Session mit Dame bildet den krönenden Abschluss.
Nun ist die Nase dicht. Ein Curcuma Tee soll’s rausreißen. Morgen Mittag Hühnersuppe, dann bis zum Abend schlafen.
Hoffe, das Ruder bis Samstag noch rum zu reißen.
Wir werden sehen.
Nun ist der Beitrag doch was länger. Macht nix.
Gute Nacht! Der Curcuma Tee ruft.

Call it – Arbeitsverweigerung –

Oder wie soll ich das nennen, wenn ich während des Lokführer Streiks zum Hansaplatz (Nachrückplatz am Hauptbahnhof) fahre, an der Kaffeebude meinen obligatorischen Cappuccino trinke und danach nicht woanders hinfahre, wo vielleicht eher die Chance auf willige Fahrgäste besteht, als an einem nicht bedienten Hauptbahnhof?
Nun sitze ich hier, blogge fröhlich vor mich hin und werde in wenigen Minuten den Weg in Richtung Dialyse antreten.
Was soll’s… Der Cappuccino war lecker, das Frühstück nahrhaft, ich bin informiert, was in Bloggistan so los ist.
Los geht’s.

Ich, die Provokateurin

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Immer wieder lustig.
Mit meinem provokanten See U in Hell Aufkleber, nebst BN-SI 666 fahre ich bei der Katholischen Presseagentur vor.
Meinem Fahrgast bleibt, eben noch mit seiner Begleitung über den Papst lästernd („der Papst ist zu zahm“… Weshalb er das meint, erfahre ich nicht), beim Anblick meines schön verzierten Kofferraumdeckels, der Rest des Satzes im Halse stecken.
Das ging schnell was?
Noch nicht zu Ende gelästert, schon steht das Auto zum Schafott vor der Tür 😀
Ich merke, wenn Menschen darauf anspringen. Auch mein Fahrgast möchte gerne fragen, was es mit dem Aufkleber und meinem Nummernschild auf sich hat, lässt es dann aber sein.
Es gibt darauf eh immer die gleiche Antwort.
Ich provoziere gerne.
Und ebenso, wie die Haftnotiz, mit der Aufschrift Lächeln sorgt auch mein Taxi zum Schafott häufig für Gespräche, die fast immer nett verlaufen.
Manchmal, so wie heute, verfallen die Leute aber auch in Schweigen.
Ein andermal wollen sie mir am nächsten Tag gleich mit dem neuen Testament zu Leibe rücken.

Schon interessant, was ein paar aneinander gereihte Buchstaben und Zahlen für Reaktionen auslösen.

Ich will doch nur spielen 😉

New Life

Ein neues Leben bahnt sich an.
Es hat lange gedauert, ich habe den Gedanken immer wieder beiseite geschoben, wollte nicht sehen, dass es nicht mehr geht, habe ein totes Pferd geritten.

Ich verkaufe mein Taxi.

Gestern traf ich einen ehemaligen Kollegen und Freund meines Vaters, auf dem Konzert.
Er will mir helfen, das über die Bühne zu bringen.
Gestern habe ich noch gesagt, ich müsse darüber nachdenken. Das war ungenau ausgedrückt.
Nachdenken, das mache ich schon seit vier Jahren, sprich seit der ersten Panikattacke.
Schon damals ahnte ich, dass diese mit den Existenzängsten zu tun hatte, die mich, den Betrieb betreffend, schon lange plagen.

Wie sagte der Radiologe?
„Man muss nicht zwingend Stress wegen der Schilddrüse haben, manche haben auch Schilddrüse wegen Stress.“ Hashimoto hausgemacht?
Ich werde es wohl nie erfahren.

Eine Entscheidung war fällig. Alles in mir schrie danach. Alle meine Silvias im Chor. „Entscheide Dich endlich, weg damit!“

Vor vier Jahren wollte ich schon mal verkaufen, habe aber einen Rückzieher gemacht.
Ich war noch ein mentaler Krüppel, der nicht an sich glaubte.
Heute ist das anders.

Ich werde einfach froh sein, diese Scheiße von Schuh zu haben.
In dieser Geschichte kann ich nur gewinnen. Ich bin voller Zuversicht.
Ein kleiner Reset schadet nicht.

Mal richtig kräftig durchatmen.
JA! LOSLASSEN. FALLEN LASSEN. WIE COOL, FREIER FALL.

Aufräumen Stufe II

Da ich arbeiten muss, verschiebe ich die weitere Entrümpelung des Hauses auf Freitag. Da kann ich Mittags Feierabend machen und mich dem weiter widmen.

Heute morgen packe ich einen weiteren Müllsack in meinen Kofferraum, um ihn zur MVA zu bringen; und vergesse ihn prompt.
Als am HBF eine Dame einsteigt, deren Koffer ich einlade, lächelt mich die blaue Tüte an.

Als ich die Dame wieder abgesetzt habe, sehe ich mich in meinem Taxi um.
Gerümpel; Durcheinander.
Da ich eh den Müllsack entsorgen will, fahre ich erst zur MVA und direkt weiter zur Waschstraße.
Durch die fahre ich gerade. Erst von außen reinigen.
Und gleich werde ich die Abfalleimer hier mit meinem Prüll füttern.

Ich freu mich schon drauf, wenn ich fertig bin:-)

Erweckend

Ich werde wach. Wohl weil es zu warm wird im Taxi. Ich stehe ja in der Sonne.
Kollege Kenan kommt und fragt nach der Reihenfolge am Platz.
Ich fühle mich, wie betrunken. Ich sehe auf die Uhr und sehe, dass aus dem geplanten 20 Minuten Nickerchen 40 Minuten geworden sind. Ich kaum einen Satz formulieren, so matschig bin ich.
Aha, deshalb. Zu lange geschlafen, Kreislauf im Keller.
Kenan hat die zündende Idee:
Benommen wanke ich zur DHL Kantine.
Zwei kleine Flaschen Tomatensaft sind schnell präpariert, mit Salz, Pfeffer und Tabasco (und davon reichlich).
Kräftig schütteln, fertig ist der Augenöffner.
Kurz mit Kenan angestoßen und runter damit.
Jetzt geht’s wieder, Tabasco sei dank.

Der Tag danach – entspannt

Glücklich.
Das beschreibt meinen Zustand in genau diesem Augenblick am besten.
Auf dem Weg von der Dialyse zum Kameha, darf ich erst das Licht der aufgehenden Sonne, im Nebel über den Wiesen der Rheinaue bestaunen, bevor mein Blick auf den Posttower fällt, auf den ich zufahre, und in dem sich die gleiche aufgehende Sonne golden spiegelt.
Weiter geht es über die Südbrücke, der Rhein dampft und über dem nebelverhangenen Siebengebirge steht  in Rot-Gold der aufgehende Stern.
Was für eine Stimmung! Atemberaubend.

Ich liebe diese frühen Morgenstunden im Spätsommer.
Dazu der Gedanke, dass jetzt entspanntere Tage an der Reihe sind.
Ja, ich bleibe dabei:
In diesem Augenblick passt alles. Ich bin glücklich.

Ich wünsche uns allen einen wundervollen Tag.