Ein Freund geht

Den Duft von
Kuhstall und Ziege
im Fell.
Die drei ersten Tage
gemeinsam im Keller,
bis die kleine Tatze
das erste Mal nach meinem
Finger angelte.
Oft besorgt, dass wir
verhungern könnten,
hast Du uns oft leckere
Braten aus dem Garten
kredenzt. Fangfrisch.
Im Gegenzug haben
wir Dich häufig
wieder zusammen
flicken lassen.
Bedingungslos, Deine
Zuneigung. Hauptsache,
die Futter Dosen wurden
geöffnet.
Kuscheliges Wärmekissen.
Schnurriger Seelen Tröster.
Fellnase.
Prinz Katz.
Zäh, so ein Katzenleben.
Dementsprechend langsam
macht er sich auf, zu gehen.
Zeit, sich zu verabschieden.

Fünfzehn Jahre.

Verdammt, bin ich traurig.

Das Sterben des Einzelhandels

Geht’s ums Besteck, geh zu Rischelweck. Hier gab es Keramikfrisörscheren und alles was man sonst an Besteck brauchte. Hier kaufte ich eine Eisenschere, mit der man drei Millimeter dicke Pappe schneiden kann (ich hab sie immer noch), ich brauchte sie für ein Dekorationsseminar bei der Firma Pelikan in Hannover. Der Laden schließt, als ich gerade mit der Ausbildung fertig bin.
Gebrüder Haak schließt einige Jahre später. Hier konnte man von der Waschmaschine bis zur einzelnen Schraube alles kaufen. Der Herr Gemahl hat den Laden geliebt, weil es auch Schrauben gab, die man im Baumarkt nicht bekam.
Strömer und Emons, Mitbewerber meines Ausbildungsbetriebs kann sich auch nicht halten, spezialisiert auf technisches Zeichnen. Auch die Lage direkt gegenüber der Uni kann sie nicht retten.
Riesenkönig, ebenfalls ein Mitbewerber wird erst von meinem Ausbildungsbetrieb übernommen, bevor ein paar Jahre später auch hier der Vorhang fällt.
Und jetzt?
Jetzt hat es auch J.F.Carthaus erwischt. Meinen Ausbildungsbetrieb (ich nenne ihn das Haus der schönen Dinge) gibt es seit 1875. Ende Juni ist Schluss. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so trifft. Ich bin traurig. Und es tut mir leid für die 70 Angestellten, die dort arbeiten.
Hier habe ich alles über Papier und Schreibgeräte gelernt. Mont Blanc Füllhalter an Menschen verkauft, die was Besonderes für den Enkel, der promovierte, oder zur Kommunion haben wollten und I-Dötzchen Schulfüller in die Hand gedrückt, damit sie testen konnten, welcher gut passt, sprich gut in der Hand liegt; in der Abteilung Schulbedarf mit den Eltern und den Kids vom Ranzen bis zum Schulheft die Sachen zusammen gesucht, die auf der Liste standen, welche von der Schule ausgegeben wurde.
Meine Abteilungen waren Schul- und Künstlerbedarf.
Ein wirklich schöner Laden stirbt und nimmt einen Teil meines Lebens mit.
In solchen Momenten verfluche ich das Internet. Das und all die großen Läden töten den Einzelhandel, der an Produkttiefe und Fachkunde nicht zu übertreffen ist. Aber, Geiz ist halt geil, gelle?
Sehr, sehr traurig.