Werbung

Noch was von gestern:
Die Firma, welche die Werbung auf unseren Taxis anbringt, ist nicht das erste mal da.
Vor eineinhalb Jahren hatte ich schon mal das Vergnügen.
Damals habe ich, wie diesmal auch, einen Vertrag abgeschlossen. Darin enthalten wohl auch mein Geburtstag.
Mit dem zuständigen Herrn tauschte ich die Telefonnummer, wegen weiterer Akquise. Es kam dann zu meinem Geburtstag, zu einem heiteren, aber kurzen SMS Kontakt.
Als ich gestern in die Werkstatt komme ist er auch da, nebst einiger Kolleginnen, die ebenfalls folieren.
„Ah, das ist doch die Frau Meerbothe, die Silvia, richtig?!“ Da hat er recht. „Genau die“, gebe ich zurück. Seine Kollegin meint:“Ach, die Dame, wegen der ich zwei Wochen eine Eifersuchtsszene gemacht hab?“
Ich seh sie an, grinse:“Kann ich gut verstehen.“ Er bezieht das auf sich, doch sie versteht genau und sagt zu ihm:“Du verstehst das nicht, sie bezieht das auf sich.“
Ich muss lachen:“Ich sehe, wir Frauen verstehen uns.“
Denn genau so war es gemeint.

Gewachsen

Mir ist wieder etwas bewusst geworden, die letzten zwei Tage. Ich bin gewachsen. Oder besser, mein intrinsischer Wert ist gewachsen. Anders, mein Bewusstsein dafür. Das ist wirklich mal eine schöne Einsicht.

Gestern habe ich einen Anruf getätigt, den ich vor einem Jahr noch nicht getätigt hätte. Ich hätte es deswegen nicht getan, weil ich Angst gehabt hätte, mich zu blamieren, obwohl es um sehr viel ging.
Damals hätte ich gedacht: Die nehmen mich kleines Würstchen doch eh nicht ernst, lass jemand wichtiges anrufen.

Auf so einen Gedanken bin ich gestern nicht gekommen und das hat mir gezeigt, wie weit ich seit dem Termin in der Moulagen Ausstellung der Uni Klinik Bonn gekommen bin.
Die Ausstellung ist unter Verschluss, müsst Ihr wissen. Ich habe damals von einem Bekannten davon erfahren und musste im Vorzimmer des Dekans, der Dermatologie vorsprechen, um sie mir bei Gelegenheit ansehen zu dürfen.
Damals kam ich mir noch so wertlos vor, dass ich dachte ich müsste im Erdboden versinken, als ich das Büro betrat. Ein Gefühl, als wäre ich zum Rektor beordert worden, um mir einen abzuholen, nicht um etwas zu fragen, was mich brennend interessiert.

Ich durfte sie mir dann tatsächlich ansehen, aber auch hier fühlte ich mich minderwertig, unter all den Akademikerinnen/Akademikern. Als hätte ich ein Etikett am Kopf, wo drauf steht: Hauptschule, deshalb minderwertig.
Heute würde ich da anders reingehen.
Weil ich weiß, meinen Wert kann keiner bemessen. Ich bin ebenso viel Wert, wie jeder andere. Einfach, weil ich ein Mensch bin und jeder Mensch diesen inneren Wert hat. Punkt.
Die Kunst ist, sich dieses Wertes auch bewusst zu sein.
Und dieses Bewusstsein, in diesem Fall mein Selbstwertgefühl, ist in der Zeit, seit der Ausstellung, gewachsen.

Wie sehr es aber wirklich gewachsen ist, habe ich erst gestern Abend gemerkt:

Da ist jemand ziemlich wütend auf Menschen, die ihm ins Handwerk gepfuscht haben. Auch auf mich. Das hätte mich früher stark getroffen.
Es ist mir jetzt nicht egal, aber, das ist ganz wichtig: Ich nehme es nicht mehr persönlich.
Ich freu mich, dass dieser jemand sich noch ärgern kann.

Ich weiß, ich bin jetzt in der Lage, für mich einzustehen, ohne mich minderwertig zu fühlen, sondern als vollwertigen Teil der Gesellschaft.

Die andere Sache, ist, dass ich es immer öfter schaffe, meine starken Aspekte zu aktivieren, wenn ich sie brauche.
Ich kann mir immer häufiger selbst Halt und Trost geben, muss mich nicht mehr auf andere Leute stützen, wie auf Krücken.
Ich kann weitestgehend alleine gehen.
Und wenn ich doch mal Hilfe brauche, weiß ich, wo ich sie bekomme und hole sie mir.

Das ist ein großartiges Gefühl. Ich genieße das jetzt, denn jeder, der mal Depressionen hatte, weiß: Koste es voll aus, es kommen auch noch mal Tage, da musst Du von der Erinnerung zehren.

In diesem Sinne, Euch allen einen wunderschönen Tag. Im Garten, in der Luft, im Büro, in der Küche und wo man sonst so seinen Tag verbringt.

LG Silvia