Erwachen

Etwas surrt in meinem Traum. Ich kann es nicht zuordnen. Unwillig hebe ich die Lider. Der Wecker, der Störenfried. Ich gebe ihm eins auf den Schalter, Ruhe. In meinem Solarplexus ist schwer was los.  Unruhe, diagnostiziere ich zunächst. Bis ich erkenne: Das ist Wut. Hä?! Woher?
Während ich darüber nachdenke, welche Garderobe ich heute tragen will, wird das Gefühl stärker. Ich sehe das rote Kleid an. Ich habe einer Seminar Teilnehmerin zugesagt, es heute anzuziehen, als sie meinte, ich könne etwas Farbe vertragen. Die Länge von dem Stück sagt mir jedoch nicht zu. Ah, jetzt kommt was durch die Synapsen geschwirrt. Gedanken. >>So hast Du es häufig gemacht, richtig? Dich der Meinung anderer angepasst, oder Dinge zugesagt, um ein bisschen Liebe und Anerkennung zu erhaschen. Stimmt’s? Oh ja, sogar vor kurzem noch. Hast Dich in einen Vertrieb einschreiben lassen, weil Du mit dem Vertriebsleiter vögelst und der Dich ja vielleicht nicht mehr toll findet, Dich nicht mehr vögeln will, wenn Du nicht mit machst. Wenn Du keine Pracht Vertrieblerin bist. << Da stehe ich, lausche meinen Gedanken und weiß, es ist alles wahr. Die Entscheidung fällt gegen das rote Kleid. Stattdessen wird es das kurze Schwarze, mit einer roten Strumpfhose. Schluss damit, sich in Rollen zu pressen, die nicht meine sind. Ich stampfe wütend mit dem Fuß auf. Beim Duschen, stelle ich mir vor, wie all der alte Knares durch den Abfluss verschwindet. Und mir wird bewusst, dass ich aus großem Mangel gehandelt habe, oder besser, die Person, die ich war. Gedanklich nehme ich mein inneres Kind in die Arme und schenke ihm eine große Portion Liebe. Es hat sie verdient. Und es verdient noch mehr.

Mein persönliches Kölner Stadtarchiv

Die größte Baustelle habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben; ohne etwas davon zu ahnen.
Wie bei einer Zwiebel habe ich Schicht um Schicht abgetragen. In der Therapie ein Thema nach dem anderen abgearbeitet, um trotzdem um das eine große Thema herum zu schleichen, wie die Katze um den heißen Brei.
Der anderen Themen waren auch wichtig, Übungsstücke sozusagen. Um mich vorzubereiten, auf’s Finale.
Immer wenn ein Thema durch ist, ist da Erleichterung. Mal mehr, mal weniger. Ein paar Tage später, wieder merken, es fehlt noch was.
Wie ich an anderer Stelle schon erwähnte, ist es immer eine bestimmte Person, der ich unterstelle ein Problem mit mir zu haben.
Mein Seelenbarometer.
Dabei bin ich es selber, die ein Problem mit sich hat(te).
Ich lehn(t)e mich ab, oder besser Aspekte von mir, weil ich meine Mutter ablehnte. Ich hatte sie einfach aus meinem Leben verbannt. Als das anfing, hatte ich einen oder sogar mehrere gute Gründe dafür.
Wie sehr mir das selber schadet, bemerkte ich nicht.
Aber wie es wirkte, das kann ich beschreiben.
Sobald jemand sagte – das hast Du von deiner Mutter- erzeugte das ein heftiges Unwohlsein. Ich wollte das nicht in mir haben. Da ich viele Aspekte von meiner Mutter habe, sei es mein hübsches Gesicht, bis zu meiner Emotionalität und Lebensfreude, gab es vieles abzulehnen. Egal ob positiv oder negativ. Hauptsache, es war von ihr.
Ich weiß, das klingt alles, für Außenstehende, etwas unschlüssig. Zumal ich vieles davon ja auch gelebt habe.
Vorgestern, beim Lauf mit der Dame, ist der Knoten geplatzt. Es wollte aus mir raus und durch die Therapie Sitzungen vorher, war ich in der Lage es zuzulassen. Davon abgesehen, dass ich mich bei der Dame in sicherer Gesellschaft fühlte.
Ich erzählte von meiner Kindheit und natürlich, in dem Kontext, von meiner Mutter; wie ich sie erlebt hatte, was sie für mich alles getan hat, von ihrer Fürsorge, ihrer Liebe, ihrer Kraft, ihrer Eleganz. Da war nicht ein Aspekt mehr, den ich hätte ablehnen wollen. Und seit diesem Moment, bin ich mir ihrer Liebe zu mir bewusst.
Und meiner Liebe zu ihr. Kann sie wieder annehmen. Und kann vor allem mich selbst annehmen. Fühle wieder Verbundenheit, die mir so gefehlt hat.
Ich habe mal geschrieben, dass mir nach den ersten gelösten Problemen, in dem Zustand, des – in sich ruhen- fast etwas langweilig war. Das war keine Langeweile. Vielmehr Unruhe/Angst, dass sich in dieser inneren Ruhe etwas an die Oberfläche kämpfen könnte. Das oben beschriebene, war das, was ich fürchtete.
Heute Morgen wurde ich wach und spürte dieses – in mir ruhen- das seitdem weiter anhält. Und gerne weiter anhalten darf. Jetzt ist es angenehm. Wie eingekuschelt in einer warmen Decke, geborgen im Bett liegen. Eigentlich noch schöner, doch fehlen mir die Worte.
Und ich bin etwas erschöpft. Wie nach monatelanger schwerer, körperlicher Arbeit. Aber ebenso zufrieden.
Gleich am selben Abend habe ich mit ihr telefoniert. Alles sehr verhalten. Aber ein Anfang.
Die Therapeutin einer Freundin hat mal gesagt: Es ist nie zu spät, für eine glückliche Kindheit.
Damals habe ich das nicht verstanden.

ICH VERSTEHE 🙂