Wintercappuccinostrom

Noch ein halber Meter. Dann hat der große Strom seine alte Größe erreicht. Cappuccino braun, nicht, wie im Sommer, Smaragd grün, durchfließt er die drei Brücken der Stadt. Die „Rheinnixe“, so heißt die kleine Personen Fähre, muss keine umständlichen Pirouetten mehr drehen, um sich mit Ihrem Anleger zu vereinen. Durch die Stadt weht ein kalter November Wind. Von siebzehn auf drei Grad, in einer Nacht. Da frieren, neben Säufer und  dem Hurenbock, auch noch andere im Winterrock. Die Sonne gibt ein letztes Stelldichein, hinter Milchglaswolken, bevor sie gänzlich verdeckt wird. Der Winter naht. Pünktlich zu Glühwein, Eierpunch und Feuerzangenbowle. Heute in einem Monat ist Heiligabend. Dieses Jahr ist tatsächlich geflogen. Und ich mit. Na dann…

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So ein Morgen

Vogelzwitschern beim Verlassen des Hauses. Lenz tanzt in der Blutbahn. Luna weilt verschleiert am noch dunklen Westhimmel.
Im Osten zartes Morgengrau. Im Auto Radio eine alte Trainings CD von Frost.  Schwelgen in Erinnerungen. Die B 9 im Tiefflug. Sechs Uhr.

Sechs fünfundvierzig. Den letzten Patienten abgeliefert, gönne ich mir was. Runter zur Rückseite des  Rheinhotel Dreesen. Blick auf die andere Rheinseite.
Blau-violett-rosa spannt sich der Himmel übers Siebengebirge, durchwirkt von gazeartigen Zirruswolken. Die Luft ist klar. Das Gästehaus Petersberg thront
prächtig ausgeleuchtet auf der gleichnamigen Erhebung. Vor mir fließt, gut gefüllt, Vater Rhein. Auch er im zartem rosa, des sich spiegelnden Himmels. Nichts stört. Niemand hier, außer mir. Ich atme ein, ich atme aus. Wunderbar.

Heimwärts.

7.55 Uhr – Fünf Minuten im Leben einer Kutscherin

Vom ehemaligen Regierungsviertel mache ich mich auf den Weg zum Hilton Hotel, welches am Fuße der Kennedybrücke liegt. Von der Adenauerallee geht’s rechts, die zweite Fährhaus runter, zum Rhein. Schon im Abbiegen sehe ich dieses besondere Licht. Die Fährgasse macht einen scharfen Links knick, mein Blick wandert nach rechts und ich sehe das:

Weiter unten, natürlich im Halteverbot, ist Platz.
Ich lasse das Taxi fallen, schalte die Warnblinkanlage ein (Blödsinn, Halteverbot ist Halteverbot…).
Das erste Foto mache ich noch unten am Auto, entscheide dann aber die Straße wieder bergan zu laufen und werde mit toller Perspektive belohnt.
Viele Menschen, auf dem Weg zur Arbeit, nehmen diese Schönheit anscheinend nicht wahr. Doch sehe ich viele, die mit dem Rad anhalten, ebenfalls die elektronischen Handfesseln (Danke, für die so gut passende Bezeichnung Herr Ärmel) zückend, um diesen grandiosen Augenblick fest zu halten.
Mir bewusst, dass die Bilder es niemals so wiedergeben, wie es wirklich ist, lasse ich die Apparatur immer wieder sinken, um die Szene mit den Augen aufzusaugen, zu fühlen und zu hören. Die kalte Luft, in meinen Lungen (4,5 Grad) und die Geräusche der Stadt inklusive den sich ins Bild schiebenden Frachtkahn.
Nach fünf Minuten, in denen die Zeit still zu stehen schien, ändert sich das Licht. Die Sonne beginnt sich ein wenig zu verstecken.
Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen.

Ist das Leben nicht wunderbar?! 🙂

Wieder kein -Aber-

Wieder neigt sich ein guter Tag dem Ende zu.
Ich habe zwei Herzensprojekte in Aussicht, Frau Zerberus abgeliefert, ich fühle, dass ich lebe.
So mag ich es.
Morgen, der Vertiefungstag GFK nach Rosenberg. Das wird auch wieder sehr erfüllend werden.
Der Seminarraum mit Blick auf Gevatter Rhein trägt einiges dazu bei.

Wohl werde ich mit dem Rad hin fahren, und bei diesem traumhaften Wetter, meine Pause am Rhein verbringen.

Ich freue mich sehr.

Habt alle einen schönen Abend, eine gute Nacht und-
lächeln nicht vergessen.

Tschüss Tief…

mach’s gut.
Der Abend in der L’Osteria hat’s gebügelt. Zwar ging es mir schon besser, nachdem ich die Überweisungen und das Kassenbuch erledigt hatte, doch ein Rest Wolken zierten noch meinen seelischen Himmel.

Wir haben einen Tisch mit Aussicht auf den Rhein.
Wir nehmen Pizza. Hochkant könnte man sie als Rad an einen römischen Streitwagen schrauben. So groß ist sie.
Und lecker ist sie obendrein. Letztlich geht es mir sogar so gut, dass ich mir zu Pizza, doppeltem Espresso und Mineralwasser, noch einen Grappa gönne.
Denn es gilt: Alkohol nur, wenn es mir gut geht. Nicht zum dämpfen.

Nach Hause gekommen, will ich den eben erst reparierten Rechner hochfahren.
Bevor wir zum Essen los sind, habe ich noch ein Programm erstanden, das die Treiber checkt und aktualisieren soll, weil seit der Reparatur der Drucker nicht mehr funktioniert.
Keine Ahnung, ob es daran liegt, jedenfalls fährt das Teil nicht hoch und piepst nur noch lustig vor sich hin.
Will ich mich da wirklich drüber aufregen?
Meine Daten sind alle safe, hatte ich sie doch vor der Reparatur noch auf eine externe Festplatte geschoben.
Wie es scheint, keinen Tag zu früh.

Mit Verlaub (oder Salva Venia), der Rechner kann mich mal.

Ich packe jetzt meinen Koffer, gehe schlafen und fliege morgen fröhlich nach London. Und wenn ich einen neuen Rechner brauchen sollte, ist es eben so.

Amen.

Euch allen einen schönen Abend und eine erholsame Nacht.