What a day

Um halb sieben starte ich das Aggregat des Maschit, rolle aus meiner Sackgasse, auf die Hauptstraße. Ich bin gut in der Zeit. Stressfreier Morgen. Die erste Kreuzung. Ich biege ab, wundere mich über das schwammige Fahrverhalten der Sternkarosse. Der Luftverlusst im rechten Vorderrad, einige Tage zuvor, kommt mir in den Sinn. In der nächsten Kurve bin ich sicher: Plattfuß. Aber richtig platt. Keine Abstellmöglichkeit. Ich tue schweren Herzens, was ich lieber vermeiden würde: Ich fahre vorsichtig weiter. Auf Alufelgen und plattem Gummi. Ich hoffe die Felge überlebt das. Das Auto auf dem rettenden Parkplatz abgestellt, gerate ich in Hektik. Von wegen Stressfreier Morgen.
Die Zentrale anrufen, für mich ein Taxi bestellen, das mich zur Ablösung bringt. Das dauert eine gefühlte Ewigkeit.
Der junge Kollege erkennt die Dringlichkeit und lässt den Pferden des Zwozwölfers die Zügel lang. Wir sausen durch das noch dunkle Bonn, Richtung Südbrücke, während ich die Eltern der Kinder anrufe, die ich gleich fahren soll. Sie müssen wissen, dass ich mich verspäten werde.
Unter der Brücke angekommen, will der Jungkutscher nur fünfzehn Euronen sehen. Schon auf der Brücke hatte er das Taxameter ausgeschaltet. Netter Zug. Le Mans-gleich haste ich zu meinem Achtsitzer, starte schon während des Türeschließens den Diesel und rausche los, auf die Bahn. Nun Richtung Nordbrücke. Ich gebe der alten Maschine die Sporen. Mein Gasfuß begreift nicht, dass ich keinen Druck mehr im Nacken habe. Russwolken gen Himmel blasend, fliege ich über das Asphaltband.
So geschieht das Unfassbare. Ich hebele die Zeit aus. Lediglich zwei Minuten zu spät erreiche ich die erste Adresse, schaue ungläubig auf die Uhr. Wie hab ich das gemacht? Ehrlich, ich habe keine Ahnung.

ICG Trainerausbildung – Belohnung

Heute wird nicht gezählt. Kein Cueing, kein Takt, kein Beat, keine Phrase, kein Musikbogen.
Ich bin platt heute. Mental, wie körperlich. Mental, weil es hohe Konzentration fordert, bei der Musik zu bleiben, auch, wenn man abgelenkt ist. Schließlich muss man zählen, um seinen Einsatz zu hören.
Den sollte man als Trainer möglichst nicht verpassen. Das wäre, als würde der Dirigent ihn verpatzen. Das ist die mentale Anstrengung.
Körperlich hat es mich gefordert, weil wir, wenn auch nicht acht Stunden pro Tag, doch fünf Stunden in zwei Tagen gefahren sind. Wir sind Jumps gefahren (um das Cueing zu üben), bis zum erbrechen. Jumps heißt, aufstehen, hinsetzen, aufstehen, hinsetzen. Und damit uns nicht langweilig wurde haben wir auch noch reichlich Freeze mit eingebaut. Und das in nahezu perfekter Haltung. Ich hatte schon eine gute Haltung, bevor ich zur Schulung kam, doch lässt man sie, als Mitglied im Kurs, auch mal schleifen, wenn man ermüdet. Das war an diesen zwei Tagen nicht der Fall.
Wie ein Sensei im Karate, ging der Coach immer wieder hin und hat korrigiert. Das war gut. Ich habe Muskelkater. Mancherorts mehr als nur ein bisschen.
Ich war fleißig, habe mir geholt, was ich mir gewünscht habe. Das Zertifikat wird online zugesandt.
Daher heute: Dolce Vita.
Erst meine Morgengymnastik, dann ein wenig Meditieren, Tasche packen, Obst kaufen und in die Sauna fahren um den kompletten Tag zu entspannen.
Welch wunderbare Aussichten.
Das habe ich mir verdient.