Enttäuschte Erwartungen

Seelenstripstease. Das ist ein Wort, das ich gestern häufiger höre, als wir fertig sind und den Tag Revue passieren lassen.
Ich mag dieses Wort nicht, was an der Negativbelegung liegt.
Wenn ich meine Lebensgeschichte erzähle, mache ich das, weil ich meine Geschichte erzähle. Punkt. Dann erwarte ich keine Therapie, die mache ich selbst.
Ich frage, welche Erwartungen die Leute hatten, die das sagen.
Dass mehr über Reportagen gesprochen wird. Ok. Mehr über das Schreiben. Gut.
Ich finde, wir haben viel über das Schreiben gesprochen. Sonst hätte ich ja nicht gelernt, was ich nun weiß. Und, dass ich mehr weiß, erkenne ich, wenn ich meine alten Posts lese.
Ich erkenne das Zuviel und die Stellen, die ich besser formulieren kann.
Dafür bin ich hergekommen.
Und, wenn ein Altmann mir unter anderem die Aufgabe stellt, meinen Lebenslauf zu schreiben, weiß ich, er hat einen guten Grund.
Der Mann ist ein Geschichtensammler.
Wie kann man besser an Geschichten kommen, als sich die Lebensläufe von Menschen anzuhören (außer, sie selbst zu erleben)?
Aber gut, diese Menschen empfinden das so und diese abwertende Bezeichnung hat einen guten Grund.
Dem einen fehlt, wie er sagt, ab Punkt x die Empathie.
Der andere hatte eine falsche Vorstellung.
Erwartungen werden meistens Enttäuscht. Sie passen nie(!) hundertprozentig mit der Wirklichkeit überein.
Klüger ist, man hat keine.
Und genau so bin ich hergekommen:
Mitnehmen was geht.
Eine gute Bekanntschaft, aus der sich eine Freundschaft entwickeln kann, eingeschlossen. 
Altmann beobachten. Das macht Spaß und ist interessant.
Menschen beobachten ist einfach großartig.
Er ist Geschichtensammler und ich die Menschenbeobachterin.
Passt doch.