Die Sache mit der Kritik – Konditionierungen aus der Kindheit

Konditionierungen aus der Kindheit. Ein Kreuz, welches man immer fröhlich mit sich herum trägt. Ich habe in den letzten Tagen gleich zwei ent-deckt:

Einmal die, die mich an Strafe denken ließ, wenn geschwiegen wurde. Ich spreche in der Vergangenheit, denn ich arbeite dran 😉
Und:
Wird etwas/jemand kritisiert, das oder den ich gut finde, kritisierte man (in meiner zugegeben kindlichen Logik) mich persönlich, denn sonst hätte man mich durch schweigen nicht abgestraft.
Klar ist, dass es so nicht war.
Gleichwohl wurde es aber schon sehr früh genauso vermittelt. Und ich war eine gute Schülerin. Die Frau, die mir diesen „Liebesentzug“ angedeihen ließ, meine Mutter, bekam ihn selbst zu schmecken, als ich sechs Jahre alt war:
Nachdem sie, in einem Anfall von Jähzorn, mein Zimmer komplett verwüstet hatte und dabei mein liebstes Spielzeug (ein Pferd) zu Bruch ging, sprach ich zwei Wochen lang nur das Allernötigste mit ihr. Und dann, das muss man sich mal vorstellen, Siezte ich sie. Ist das krass oder was? Auch ist mir aufgegangen, dass der Herr Gemahl ebenfalls mehr als einmal Opfer frostigen Schweigens wurde.
Mannomann, da hatte ich ganz schön was quer sitzen.
Später ging es weiter, da wurde geschwiegen, weil meine Freundin nicht den Vorstellungen entsprach. Grundsätzlich ist es so, dass ich mich mit allem und jedem, was ich gut finde, ziemlich verbunden fühle. Als meine Mutter mir den Umgang verbot (völlig erfolglos), war das, als würde sie mir den Umgang mit mir selbst verbieten. Schließlich hielten wir uns in unserer unfreundlichen Familien- und Dorfumgebung gegenseitig die Stange. Als heraus kam, dass wir uns trotzdem trafen, klar: Schweigen. Mit der dazu gehörigen Hassvisage.
Gut, nun weiß ich, dass meine Mutter eine dementsprechende Kindheit hatte, auch, dass sie nie so reflektierte wie ich. Somit gab sie weiter, was man ihr mitgab. Und das auch nicht zu 100%. Schläge blieben mir, bis auf eine Ohrfeige, erspart. Sie dagegen durfte oft genug den Riemen des Vaters auf ihrem Rücken tanzen lassen. Doch seelisch prügeln ist ebenso unschön.

Eigentlich hätte ich das auf dem letzten GFK Seminar lernen können. Doch es ist ein Prozess,  Konditionierungen aufzulösen. Von einem Seminartag werden sie sich nicht in Wohlgefallen auflösen.

Lernen

Ist es nicht schön?
Ich liebe es Beiträge zu Posten die Menschen anregen, ihre Meinung zu sagen.
Völlig eigennützig ziehe ich mit dem größten Vergnügen Nutzen für mich daraus.
Ich bin sogar ein wenig begeistert von mir selbst. Von meiner Fähigkeit, über die Kritik an anderen, mich selbst zu reflektieren. Das war vor drei Jahren noch nahezu unmöglich. Jedwede Kritik, an mir, an Menschen oder Dingen, die ich gut fand, wurde sofort niedergemetzelt. Wie schön festzustellen, dass das nicht mehr so ist. Ich sogar geradezu Freude empfinde, wenn ich wieder etwas entdeckt habe, wo Verbesserungspotenzial vorhanden ist.
Und wie schön, Menschen zu haben, die beim Entdecken helfen. Kritiker können die besten Freunde sein. Kritiker sind die, die keine Furcht zeigen.
Wie cool ist das denn? 😀