Einfach so los

Tolle Radtour, tolles Wetter, ich bin rundum glücklich und zufrieden.

Eigentlich hatte ich geplant zu laufen, doch als ich das zweite Mal heute aufstehe, überkommt mich eine wahnsinnige Lust, mich auf’s Rad zu schwingen und den neuen Brooks zu testen.
Bevor ich es mir anders überlege, springe ich in meine Radklamotten.
Beinlinge (es ist noch recht frisch draußen) bastele ich mir aus Nylonleggins, indem ich die Beine abschneide. Fertig.

Los geht’s. Erst mal Richtung Kottenforst (Waldau). Oben angekommen (der erste heftige Berg kommt gleich nach dem ersten Kilometer), beschließe ich, es soll durch den Wald Richtung Bad Neuenahr gehen.

Ein paar mal Frage ich nach dem Weg, weil die Beschilderung nicht immer ganz eindeutig ist. Dadurch fahre ich den ein oder anderen Schlenker.
Egal, ich hab Spaß.

Kurz vor Bad Neuenahr drehe ich ab. Ich möchte den Ahr Radweg nach Sinzig fahren und überlege, von dort mit dem Zug zurück nach Bonn zu fahren.

So mache ich es dann auch, mit einem kleinen Zwischenstopp im Bad Bodendorfer Thermalbad.
Nicht, im zu schwimmen, sondern um im angeschlossenen Biergarten einen Salat zu essen und ein alkoholfreies Weizen zu trinken.

Am Bahnhof Sinzig wird es lustig. Nachdem ich das Ticket für mich erstanden habe (natürlich am Automaten), brauche ich noch eins für mein Rad.
Ich habe noch einen Zwanziger.
Der Automat nimmt jedoch nur Noten bis 10€.
Ich besitze noch 4€ Münzgeld. Das Ticket kostet 5€.
Draußen höre ich Stimmen.
Ich linse um die Ecke; zwei junge Männer, nach Sprache und Erscheinung könnten sie aus Richtung Albanien, Rumänien oder der Richtung stammen, ich bin mir da nicht sicher.
Spielt auch keine Rolle, ich brauche einen verdammten Euro.
Ich erkläre ihnen meine Lage, frage erst mal, ob sie den Zwanziger in zwei Zehner tauschen können.
Nein, nur dicke Scheine (wie ich sehe).
Ich bitte um einen Euro. Ich merke, sie denken, ich möchte fünf. Kleine Sprachbarrieren.
Ich zeige ihnen meine 4 Euronen und erkläre, dass einer fehlt.
Jetzt verstehen Sie mich richtig und sind tatsächlich so nett, mir mit einer 1€ Spende aus der Patsche zu helfen.
Ich bedanke mich herzlich, denn ehrlich gesagt habe ich jetzt nur mäßig Lust, am Rhein entlang zurück zu fahren.
Da ist es nämlich, bekanntermaßen, Sonntags rappelvoll.

Gut, dass ich mir nicht zu fein bin, um  Hilfe zu bitten.
Und schön, dass es Menschen gibt, die einem diese, auch heute noch, gewähren.

Jetzt sitze ich im Zug und freue mich:

Über die Tour, über die Menschen, die mir heute begegnet sind und über meinen neuen Brooks Sattel.
Auf dem könnte ich um die Welt reiten.
Das war eine wirklich gute Investition.

Silvia hat eine runtastische Radtour über 43,94 km in 3h 20m absolviert

https://www.runtastic.com/sport-sessions/323256233

Unerwartete Beratung

Nachdem ich das Rezept für mein L-Thyroxin umgetauscht habe, gehe ich gleich in die Apotheke hinter dem HBF, komme mit der Apothekerin ins Gespräch über Hashimoto.
Diese entpuppt sich als Expertin für Hashimoto und scheint tatsächlich auf dem neuesten Stand in Sachen Erkenntnisse /Blätterteig **zu sein. Sie gibt mir ihre Karte und meint ich soll mit meinem Blutbild mal vorbei kommen. Sie könne mir bestimmt ein paar Neuigkeiten mit auf den Weg geben, die ich dann zusammen mit dem Doc bearbeiten kann.
Gerne. Jede Erkenntnis, die dafür sorgt, dass es meinem Organismus, und damit mir, möglichst gut geht, ist willkommen.
Inzwischen hab ich ja schon raus, dass man sein eigener Experte werden muss, um mit dieser Krankheit fertig zu werden.

**Nachtrag: vielleicht macht sie auch guten Blätterteig, gemeint sind aber Blutwerte 😀

Helfen

Es ist gar nicht so leicht, Menschen zu helfen, an denen mir etwas liegt. Sogar dann, wenn sie, scheinbar, um Hilfe gebeten haben. Obwohl; ist die Frage, ob man weiß, wer ein Auto verkauft überhaupt eine Bitte um Hilfe?
Oder wenn jemand äußert, dass es ihm nicht gut geht; ist das allein schon die Bitte um Hilfe?
Oder interpretiere ich diese Bitte da hinein?
Wenn ich an das GFK Seminar zurück denke, wird mir bewusst, dass der bessere Weg gewesen wäre, zu fragen, ob man überhaupt so viel Einsatz möchte.
Manchmal wollen die Leute auch einfach nur erzählen, was sie bedrückt, ohne gleich eine Lösung präsentiert zu bekommen.
Und vielleicht ist die Info über einen Autoverkäufer ja auch schon ausreichend.
Lege ich mich mehr ins Zeug, dann aufgrund meiner Interpretation. Und wird dieses „Mehr“ nicht angenommen/wahrgenommen wird, ist das keine Ablehnung.
Eigentlich ganz einfach. Alles ist gut. Alles getan. Ich bin gut. 🙂
Manchmal erwarten die Menschen gar nicht so viel.
Und, ich muss ja auch keiner Erwartung, außer meiner eigenen, gerecht werden.