Herzsprache

„Hör auf Dein Herz“. Darf ich wörtlich nehmen. Die Polar ist leer. Monate der Untätigkeit. Naja, es wird mir trotzdem sagen, wenn der Grenzbereich erreicht wird. Ist ja MEIN Herz 😀

HH Herz und Hirn

Was, wenn das Herz mit Vehemenz wohin zieht? Das Hirn spricht, das kann nicht sein. Es zerrt und zieht. Meine Überzeugung ist: Fahr hin. Sieh, ob es wahr ist. Oder nur ein Konstrukt. Fahre ich nicht, werde ich mir diese Frage noch mit neunzig Jahren stellen. Ich fahre.

Ja ja, ich hab doch ein Herz

Nach den achtundsechzig Kilometern erst mal ein Bad. Herrlich heiß! Ich bin eine Languste 🙂

Hinterher die Treppe hinabsteigend sehe ich durch das Flurfenster ein Mountainbike am Straßenrad liegen. Höre ein weinendes Kind. Beim Öffnen der Tür, sehe ich einen Mann, der einen, ich schätze, sechsjährigen Jungen im Arm hält. Ich frage, ob ich helfen kann (offensichtlich ist der kleine mit dem Rad gestürzt). Der Bub schaut rauf zu mir, ich frage, ob er ein Pflaster möchte. Er hebt die Hand und nickt verheult. Ich sehe Blut. Selbst auf die Entfernung erkenne ich, es ist nicht wirklich schlimm. Doch ich weiß, das Kümmern tut gut.
Ich finde nur Schmetterlingspflaster, für die Finger, schnippel einen Wattepad zurecht, begebe mich wieder hinaus. Während der Papa das Rad wieder gerade biegt, versorge ich die kleine Wunde. Erzähle, dass ich genau so was auch schon mal hatte. Dass ihm das im Moment ganz schön fies sei, aber gaaaanz schnell wieder heilt.
Ich nehme seine Hand zwischen meine beiden Hände und puste vorsichtig, spreche: „Der erste Schritt der ist geschafft, der Rest geschieht durch Heilekraft.“ Ich weiß, es gibt bestimmt originellere Zaubersprüche. Aber der Bengel sitzt eine Minute später wieder auf seinem Rad und strampelt mit seinem, sich bedankenden Paps, davon.
Alles bestens. 🙂

Artur, ohne H

Der Herr Gemahl und ich gehen zum Essen in die Harmonie. Nachdem ich eine Woche lang fast ausschließlich von Garnelen, Datteln, Papas arrugadas (Runzelkartoffeln) und Käse gelebt habe, ist mir nach Salat.
Wir sitzen an unserem Platz, direkt neben der Tür (ein wenig sitzen wir da wie Waldorf und Stattler).
Nach einer Weile, wir sind eben mit essen fertig, kommt ein Opa mit Basecap rein, schwankt ein wenig, geht zur Theke, bestellt Bier. Spricht links und rechts die Leute an. Auch uns. Ich versteh nicht, was er sagt. Als er sich wieder umdreht, meint der Herr Gemahl, der Opa sei ein unangenehmer Typ. Den habe er schon mal gesehen. Ich beobachte die Szenerie. Jeder ignoriert den Opa. er scheint aber nicht auf Krawall auszusein.
Der Herr Gemahl fragt mich, ob nächste Woche die Karnevalswoche sei, was der Opa fröhlich grinsend für mich mit „ja,das ist nächste Woche“ beantwortet. Der Herr Gemahl ignoriert ihn und ich zuerst auch. Dann beobachte ich den Opa. Er scheint irritiert, dass niemand auf ihn eingeht. Wirkt gar ein wenig traurig. Irgendwann dreht er sich um, erzählt mir was. Ich verstehe irgendwas mit Wein und frage nach.
So wendet sich das Blatt. Er käme aus dem Pott und seine Frau käme vom Weinbau an der Mosel. Ich komme mit ihm ins Gespräch, worüber er später noch seine Freude bekundet. Andere würden sich oft blöd angemacht fühlen, erklärt er. Ich mag den Opa, Artur ohne H, wie er sich vorstellt. Inzwischen hat sich auch der Herr Gemahl mit ins Gespräch eingeklinkt. Wir erfahren, dass er auf dem Rhein die Ausbildung zum Matrosen gemacht hat. Damals fuhren noch Dampfschiffe mit Schleppkänen. Später ist er zur See gefahren, hat nachher in den Fernverkehr mit LKW gewechselt. Inzwischen sechsundsiebzigjährig fährt er von Montag bis Freitag Behinderte auf 450€-Basis. Freitag und Samstag Abend zwitschert er sich einen. Seine Frau (vierzig Jahre verheiratet) kennt das, ist nicht bös, sagt er.
Sonntag ist Ruhetag. Schließlich hat er ab Montag wieder Verantwortung, da muss er fit sein. Auch auf dem LKW habe er nie einen Schluck Alkohol getrunken.
Außerdem geht er als Engel im hiesigen Karnevalszug mit, sprich er passt auf, dass niemand unter die Wagen gerät.
Humor hat er auch. Außerdem versteht er den meinen. Als er sich auf den Heimweg macht, gibt er dem Herrn Gemahl noch zu verstehen, dass dieser eine sehr hübsche Frau habe (danke, für das Kompliment) und, dass er sie (also mich) gut festhalten soll (ich weiß nicht ganz, wie er das meint).
Als er durch die Tür ist, habe ich bestimmt vier Handküsse über den Abend verteilt bekommen. Süß.
Und, er hat ein Wort benutzt, das ich seit dem Tod meines alten Herrn nicht mehr gehört habe:Kokolores, übersetzt in etwa: Blödsinn, Firlefanz. Herrlich! Gleich wieder ins Vokabular aufnehmen 😀

Auf unserem Heimweg meint der Herr Gemahl, man dürfe Menschen nicht sofort verurteilen. Artur sei ja echt nett und hätte so viel zu erzählen.
Ich erwidere nichts. Ich lächle nur und nicke.

Nervenbündel

Manch einer sagte, ich solle mir sehr viel Ruhe gönnen im Urlaub. Recht hamse. Die nächste Panikattacke lässt nicht lange auf sich warten und sie ist so heftig, dass ich mit dem Gedanken spiele, in eine Klinik zu fahren. Von wegen Herz untersuchen.
Auch bin ich übermäßig schreckhaft. Das Geräusch einer fallenden Stecknadel vermag mich zu aufzuschrecken. Der Herr Gemahl sorgt sich rührend. Und doch behält wenigstens er die Nerven, erinnert daran, dass auch die letzten umfangreichen Untersuchungen ergaben, dass mein Herz kerngesund ist, dass es jedesmal zu großer nervlicher Druck war, der mir diesen Druck in der Herzgegend bescherte.
Und, dass es immer dann passiert, wenn die Belastung nachlässt.
Er hat recht. Was für mich bedeutet, eine noch ruhigere Kugel schieben.
Und wieder einmal erheblich weniger Kaffee trinken.
Gut, dass ich den Freeze Kurs nicht bekommen hab. Der wäre derzeit glatt zu viel.

Mich getroffen

Ich kann es nicht fassen.
Es gibt noch eine wie mich.
Noch eine die zu ist.
Noch eine die man, müsste sie am offenen Herzen operiert werden, gar nicht erst aufschneiden müsste.
Weil sie ihr Herz vor sich herträgt und es jedem schenkt, den sie mag. Das ist toll! Es ist einfach schön, zu wissen, dass noch jemand anders da ist, der auf diese Weise Menschen liebt. Ich bin nicht allein.
„Du machst da keinen Unterschied, ob Frau oder Mann, oder?“, fragt sie mich. Als ich das verneine (es geht ja nicht um Sex, sondern um lieben/sich gern haben/mögen), ruft sie erfreut aus, dass sie das auch nicht täte. Und ja, das mit dem zuviel kenne sie auch. Sie teile auch alles. Und auch sie sei tottraurig, wenn die Menschen sich abwendeten, weil sie dann nicht wisse warum, die meisten würden ja auch nichts sagen.
Ich erzähle, dass ich wenigstens eine besondere Freundin habe, die sich mitteilt. Und wie schön das ist.
Wir stellen auch fest, wie herrlich undeutsch diese Gabe ist. Ihre ausländischen Freundinnen, ebenso wie meine Kollegen sagen das Gleiche. „Du bist total undeutsch.“ Will meinen, lockerer, herzlicher, offener.
Das heißt nicht, dass alle Deutschen introvertiert, bitter, und steif sind. Das gleich mal dazu gesagt.
Ich finde es schön ein bisschen undeutsch zu sein. Es wird meiner Griechischen Nachbarsfamilie geschuldet sein. Ich war quasi die zweite Tochter. Acht Jahre lang. Das prägt. Obwohl ich bis heute, außer der Vokabeln auf den Servietten im Restaurant, kein Wort griechisch spreche.
Was wollte ich eigentlich sagen?
Ich freue mich.
Ich freue mich, zu sein was ich bin. Ein lebenslustiger, manchmal sehr trauriger, aber immer offener, viel Liebe geben könnender Mensch, mit einem großen Stück Kind im Gepäck.
Wenn ich manchmal zu bin, sagt es. Ja, ich bin dann niedergeschlagen. Doch das gibt sich. Ich liebe Euch dann immer noch. Vorausgesetzt ihr könnt es zulassen. 😉
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Der gestrige Tag

War durchwachsen.
Morgens ärgern meine Nerven mich. Ich komme gerade von einer Vorbestellung, über die Autobahn, telefoniere mit dem Herrn Gemahl; berichte, was heute bei mir so anliegt. Dazu zählt natürlich der Banktermin.
Als wir auflegen geht es los: Ich, wie immer, linke Spur. Extrasystolen; und das nicht zu knapp. Sie hören auch nicht einfach auf, kommen vielmehr in Wellen. So schlimm war es seit dem ersten Mal nie mehr. Meine Hände: Schweißnass. Der Mund: Knochentrocken mir wird heiß. Ich fasse an meine Stirn trocken. Ich atme. Ruhig. Ruhiger. Muss ich erwähnen, dass ich immer noch auf der Überholspur bin?
Ich weiß, ich darf jetzt nicht von der Bahn, ich darf jetzt nicht nach Hause ins Bett, ich muss das aushalten, bis es vorübergeht. Keine Vermeidung. Das ist psychologisch gesehen der falsche Ansatz.
Als die Attacke vorbei ist fahre ich von der Bahn, Richtung Bahnhof.
Sergio ist da, mit der Kaffeebude. Er kennt meine Vorgeschichte, fragt, ob alles in Ordnung ist. Und, ob ich, wie immer, einen Cappuccino bekomme.
Mir ist noch etwas schwummrig; das merkt er und meint:“Iche glaube iste besser, iche mache eine Sensa für Dich.“ Will sagen koffeinfrei.
So wird es gemacht. Guter Sergio.
Nach ein paar Minuten geht’s mir wieder normal.
Ich fahre trotzdem in die Apotheke, weil ich das Gefühl habe, es lauert in mir; hole mir diesmal reines Vitamin B12 und werfe es auch gleich ein.
Seither habe ich keine Probleme mehr.

Von dem Banktermin hab ich ja schon berichtet.

Abends: Laufen mit der Dame.
Ich berichte ihr von meinen Unbefindlichkeiten, worauf sie kurz besorgt fragt, ob ich denn wirklich laufen will.
Natürlich will ich das!
Ich nehme mein Smartphone mit, wohl, um uns beide zu beruhigen. Wir laufen, wir sprechen, ich atme. Alles gut. Die letzten 100 Meter sprinten wir. Ich gebe alles.
Mein Herz tut, was es soll. Es pumpt. Und das macht es gut.
Gibt es einen besseren Beweis, dass alles in Ordnung ist (von einer ärztlichen Untersuchung mal abgesehen)?

Meine Phobie und die Gegenmaßnahmen

Was tun, wenn die Herzphobie sich wieder manifestieren will.

Erst mal zur Sache:
Extrasystolen sind definitiv da. Auch auf dem EKG zu sehen. Sie sind aber nicht bedrohlich, nur unangenehm. Und, jeder Mensch hat sie, nur nehme ich sie bewusster wahr, als andere.
Eine Herzphobie bekommen gerne Menschen, denen ein nahestehender Mensch (in meinem Fall, mein Vater) per Herztod weggestorben ist. Es ist also ein wenig posttraumatisch.
Komme ich dann Situationen, die ich über längere Zeit als bedrohlich (im weitesten Sinne) empfinde, kann das dazu führen, dass ich körperliche Symptome (Rückenschmerzen, Extrasystolen, Schwindel, Panikattacken) sofort auf mein Herz beziehe. Kurios, ist doch ein Herzproblem eigentlich die größere  Bedrohung. Aber wer sagt, dass Phobien logisch funktionieren?

Aber hier hilft mir die kognitive Verhaltenstherapie.
Ich weiß ja, dass alle Symptome, die ich aufweise, durch unterschwelligen Stress verursacht werden. Es gibt einmal die Möglichkeit, wieder zum Kardiologen zu gehen, um mir meine Gesundheit bestätigen zu lassen.
Oder, ich gehe, wie gewohnt zum Cycling-Kurs und gebe richtig Gas. Danach in die Sauna. Zwei Aufgüsse.
Das Ergebnis: Durch das Laufen ist mein Puls wieder viel elastischer, ich bin ganz schnell wieder unten, auf 65%, sobald ich weniger Gas geben.
In der Sauna kann ich die Hitze gut vertragen.
Mir geht es gut. Und meinem Herzen auch.
Das reicht mir als Beweis.
Es geht darum, die phobischen Gedanken zu widerlegen.

Um die Rückenschmerzen, darf sich der Physio nächste Woche kümmern. Ich war lange nicht zur Massage.
Und der Rest wird sich legen, sobald ich Mittwoch weiß, dass die Steuerprüfung abgeschlossen ist.

Venus und ich

Ja, ich hab eine besondere Beziehung zu ihr; bin ich doch im Sternzeichen der Waage geboren.
Venus, Göttin der Liebe und als Stern die erste, die kommt und die letzte die geht.
Gerade jetzt kann man sie trotzig am Morgenhimmel stehen sehen.
Ja, und die Liebe. Ich verliebe mich dauernd in Menschen, wenn sie nur eine gute Seele, ein gutes Herz haben.
Bringen sie mich auch noch zum Lachen oder begeistern mich durch Sprachtalent und/oder schöne Schreibe, erobern sie mein Herz im Sturm. Egal, ob Mann oder Frau.
Es geht hier um die Menschenliebe.
Das darf gerne immer so bleiben.
Ich liebe, also lebe ich.