Ich bitte, danken zu dürfen

Meine letzte Vorbestellung für heute. Abholung in Köln. Ich habe die Dame heute Nachmittag schon her gefahren. 90jähriger Geburtstag. Ich melde mich im Lokal und man möchte mich gleich auf einen Espresso einladen, was ich dankend ablehne. Man will darauf bestehen. Doch ich bleibe standhaft.
In der Regel bin ich ein sehr geselliger Mensch, doch ich bin seit 4 Uhr heute morgen auf den Beinen und bis auf die Einheit laufen, den ganzen Tag mit dem Taxi unterwegs.
Ich habe jetzt schlicht keine Lust, mich mit Leuten die ich nicht kenne, auf einen höflichen Plausch einzulassen. Dazu bin ich einfach zu platt und nicht in der Lage, mich auf ein Gespräch zu konzentrieren.
Da möchte ich wirklich bitten, dankend ablehnen zu dürfen.

Gesellschaftsdenken

Ständig werden uns Glaubenssätze eingeflüstert. Manche machen ja bestimmt auch Sinn: Anderen Schaden zufügen ist böse, zum Beispiel.
Andere dagegen finde ich, kann man getrost vergessen.
Die meisten Leute in unserer Gesellschaft werden sagen, dass in einer Beziehung etwas nicht stimmt, wenn man sich in einen anderen Menschen verliebt, obwohl man in einer Beziehung lebt.
Ich sehe das anders. Warum darf ich mich nicht für einen anderen Menschen begeistern, wenn ich in einer Beziehung lebe, obwohl diese harmonisch ist? Das kann und will ich nicht verstehen.
Vielleicht hat derjenige, in den ich gerade verliebt bin ja Qualitäten, die mir fehlen oder abhanden gekommen sind.
Das tut doch der Liebe zu meinem Partner keinen Abbruch!
Im Gegenteil: Die Beziehung kann nur profitieren, wenn ich mich weiter entwickle. Und sei es, aufgrund der Faszination für einen anderen Menschen außerhalb meiner Beziehung.
So lange der Kontakt gut für mich ist und ich niemandem Schade und ich meinen Partner nicht verletze, finde ich es völlig ok sich mal zu verlieben.
Sich deswegen zu schämen ist, denke ich, die eigentliche Schande. Denn Menschenliebe ist nicht böse.
Zum allgemeinen Verständnis:
Ich rede nicht davon, fröhlich außerhalb einer Beziehung herum zu pimpern.
Sondern davon, auch Gefühle für Andere entwickeln zu dürfen, unabhängig von irgendeinem Status.