Freundschaft im Wandel

Manchmal bedeutet Freundschaft auch Abstand nehmen. 
Weil ein neues Kapitel beginnt, man sich weiter entwickelt hat und dementsprechend ändern sich auch die Verhältnisse.
Es gibt den Moment, in dem Abstand mehr Tiefe erzeugt.
Wenigstens fühle ich das so.
Ich empfinde sehr viel Wärme, Respekt, Dankbarkeit und Verbundenheit.
Auch empfinde ich Abstand nicht mehr als voneinander entfernen, sondern als neu ordnen.
Besonders schön ist die Verbundenheit die ich mit mir selbst empfinde.
Die war noch nie so innig, wie in diesem Augenblick.

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Häme

Damit kann ich ganz schlecht umgehen.
Vor allem, wenn sie über Menschen, die es kein Stück verdient haben, am besten noch hinter deren Rücken, ausgeschüttet wird.
Es mag daran liegen, dass ich früher heftig gemobt wurde, auf jeden Fall erzeugt es in mir eine allergische Reaktion.
Noch schlimmer, wenn die Leute, die diese Häme so großzügig verteilen, damit offensichtlich nur ihre eigenen Unzulänglichkeiten kaschieren wollen.
Das Gefühl, das dann in mir aufsteigt, ist nahe am Hass, den ich eigentlich dachte, abgelegt zu haben.
Dieses Gefühl ist dann wirklich sehr mächtig. Im Solarplexus spüre ich eine Energie, die mir Angst macht. Ich spüre, dass sie sehr, sehr finster ist. Dabei entsteht sie deshalb so heftig, weil ich mich mit der Person, die mit dieser Häme überschüttet wird (davon aber gar nichts weiß), auf gewisse Weise verbunden fühle.
Ich mag diesen Menschen wirklich sehr.
Manchmal möchte meine Faust ins Gesicht, dieser Lästermäuler. Vor meinem geistigen Auge sehe ich das dann auch passieren, während draußen niemand sieht, was in mir abläuft.
Das nächste Mal mache ich meinen Mund auf. Ich habe einfach keine Lust mehr, mir diese unqualifizierte Bemerkungen abzuhören, die tatsächlich völlig haltlos sind.
Zum Knochen kotzen!

Die Einladung

Eine Freundin lädt zum Geburtstag.
Darüber freue ich mich. Und ich möchte mir die Entscheidung offen halten, spontan entscheiden, ob ich Lust habe, auf eine Party zu gehen.
Das teile ich ihr auch so mit.
Darauf bekomme ich die Antwort, dass sie über meine Spontanität enttäuscht sei, weil wir uns eh so gut wie nicht mehr sähen.
Das stimmt. Wir sehen uns eher selten. Mal zwischendurch, beim Einkauf.
Es ist so, dass wir Luftlinie 250 Meter auseinander wohnen, ein, inzwischen, gänzlich unterschiedlicher Freundeskreis und unterschiedliche Interessen, lassen nicht viel Spielraum.
Und, zugegeben, war ich auch in den letzten Jahren wenig bemüht, daran etwas zu ändern. In den letzten Monaten sind auch meine Anrufe bei ihr immer mehr eingeschlafen.
Das ist der Teil, der von meiner Seite aus nicht bedient wird.

Sie sieht aber nicht, dass sie ihrerseits nicht versucht, daran etwas zu ändern. Denn die Distanz zwischen unseren Behausungen ist auch von ihr aus nicht größer, als umgekehrt. Das ist eine reine Feststellung. Ich wiege nicht auf, wer sich bei wem wie oft gemeldet hat. Bei dem Spiel gewinnt nämlich keiner.

Für mich ist es ein wenig so, als würden wir auf verschiedenen Kontinenten leben. Ich fühle mich trotz der Distanz, durch die oben angeführten Punkte, freundschaftlich verbunden, wenn wir uns auch immer weiter entfernen.

Allerdings sehe ich nicht, weshalb ich mich zu der Annahme einer Einladung verpflichtet fühlen muss, weil wir uns sonst fast nie sehen. Sicher, sie ist enttäuscht, weil sie etwas anderes erwartet hat.
Und ich ja nicht abgesagt.
An dem Umstand des öfter sehen könnte man ja etwas ändern, wenn uns so sehr daran gelegen wäre.

Jedoch ist es für mich Ok, so, wie es ist.

Ist mir nach feiern zumute, werde ich hingehen und wenn nicht, lasse ich es bleiben. Ich denke nicht, dass der Beweis, dass mir jemand wichtig ist, von der Zusage zu einer Party abhängt.

Ich möchte nur noch machen, wozu ich wirklich Lust habe. Wenigstens, so weit das möglich ist.

Wirkliche Freundschaft

Zeichnet sich wohl unter anderem dadurch aus, dass man sich versteht. Die Dame und ich verstehen uns. Und wie! Unser Gespräch hat mir gezeigt, wie nah wir uns sind.
Es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass ich mich auf mein Gefühl verlassen kann.
Als ich ihr von meiner Seelengerümpel These erzähle, stellt sich heraus, sie hatte genau so ein Bild, als sie das Wort beladen benutzte.
Ich erzähle ihr von dem Bild: Gerümpel von meinem Haus in ihr Haus tragen und sie fragt, ob sie mir von ihrem Bild erzählt hätte. Denn das käme ihrem ziemlich nah.
Zwar bedauere ich, dass ich bisher so gehandelt habe, doch bin ich in dem Moment so erstaunt darüber, dass ich so empathisch mit einem anderen Menschen sein kann, dass das Bedauern einem kleinen bisschen Zufriedenheit platz macht.
Wir sitzen im Auto und freuen uns gemeinsam für- und miteinander, dass wir, jede für sich, so bei uns sind. Und, dass wir uns beide so gut auf unser Gefühl verlassen können.
Außerdem bekomme ich von ihr ein ehrliches Feedback. Das ist so wichtig. Auch, wenn etwas unangenehm ist.
Ich bin wirklich sehr dankbar, eine solche Freundin zu haben.

Seelengerümpel – oder, wenn Freunde sich beladen fühlen

Mmmhhh, ich denke, es liegt am Entrümpeln der letzten Tage, dass ich jetzt auch im Zwischenmenschlichen Dinge sehe, die mir vorher verborgen blieben.
Oder ich verstehe besser…
Voriges Wochenende schrieb mir die Dame, sie fühle sich beladen, statt bereichert.
Sie würde sich gerne etwas zurück ziehen. Ihre Akkus aufladen. Gut. Das habe ich verstanden.
Wir sprachen auch noch mal darüber.
Ich verstehe – dachte ich…

Die Woche über haben wir hie und da getextet. Ich mehr, als sie, schätze ich.

Gestern dann, die Sache mit dem Rennrad.
Ich sitze hier, in meinem Büro, die letzten eineinhalb Jahre ziehen an mir vorbei, ich nehme Abschied.
Und schreibe. An die Dame. Fühle etwas. Höre mir (oder etwa ihr) nicht zu.

Als ich mit Abschied nehmen fertig bin, ist mir leichter ums Herz.
Viel Zeit zum Nachdenken habe ich nicht, wir sind verabredet, zum Essen mit den Schwiegereltern.

Zu Hause angekommen, ab ins Bett.

Heute morgen, das Erwachen. Physisch und geistig.

Es gibt bei mir zwei große Arten von Mitteilungen.
Die einen sind Dinge, die mich wirklich beschäftigen und die ich mit der Dame teilen möchte, weil mich ihre Meinung dazu interessiert, oder es mich besonders freut, oder ich tatsächlich ein Schäufelchen Empathie brauche;
und solche, die ich erzähle, weil ich sie los sein, wegfließen lassen will. Die zweite Kategorie ist das im Titel benannte Seelengrümpel.

Bisher, also, bis gestern, hatte ich die Tendenz, alles mitzuteilen.
Ist es da ein Wunder, wenn Freunde, wie die Dame sich beladen fühlen? Seelengrümpel ist ja so was wie Müll.
Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand seine Wohnung entrümpelt und mir das ganze Gerümpel ins Wohnzimmer stellt?

BELADEN!

Will ich das für unsere Freundschaft? Will ich das für einen Menschen, der mir ebensoviel bedeutet, wie ich selbst?

Da gibt es eine klare Antwort drauf: NEIN!

Also, ich bedauere, bisher mein Gerümpel quasi von meinem Haus in ihr Haus getragen zu haben und habe nun endlich richtig verstanden, glaube ich.

Ich hatte noch keine Gelegenheit zum Gespräch, hoffe jedoch, das bald klären zu können. Mit einem wirklich wertvollen Menschen.

Inzwischen habe ich beschlossen, dieses Gerümpel ab sofort in privaten Einträgen des Blogs zwischen zu parken, um es dann irgendwann mal zu löschen.

Ich wünsche uns allen einen schönen Tag!

Gute Nacht

Das Essen ist opulent. Und sehr lecker.
Erst ein Vorspeisenteller, der alleine schon ausreichend wäre, dann eine Fleischplatte.
Auf der Karte steht für 2 Personen, es würden aber auch 3 oder 4 satt davon.
Den dazu servierten Salat schaffen wir nicht mehr.
Dazu gibt es Retsina, den ich zuvor noch nie probiert habe. Sehr lecker.

Wir sitzen, essen und reden. Die rebellische Kriegerin ist mir in den letzten Monaten ebenfalls eine gute Freundin geworden.
Sie ist mit ihren 61 Jahren ein wenig abgeklärter, was schon mal hilft, die Dinge etwas anders zu betrachten.
Außerdem ist sie, wie die Dame, immer ehrlich mir gegenüber. Das ist es, was ich möchte. Ehrliches Feedback. Aufrichtiges Miteinander.
Mir was vormachen kann ich schließlich selber hervorragend 😉
Es war ein sehr schöner Abschluss für einen sehr erfolgreichen, erleichternden Tag.
Oh je! Die 10-Wort Geschichte….

Richtig gut

So war der Tag.
Von der freundlichen Begrüßung zum Aderlass,
über die sofort perfekt getroffene Vene,
die Nachweise für 2/3 der Privateinlagen (klar, ich hab noch nachgerechnet),
zwei kauzige „echte“ Bönnsche Omas, die mein Taxi beehrten,
den, mit Pariser Waffeln gekreuzten, Fliegerkeksen, die auch noch mit Schoko Hafertalern gekrönt wurden,
und, dass die Dame und ich unsere Fortschritte in Sachen Menschwerdung gefeiert haben (natürlich mit Tee), ein perfekter Tag.

Gute Nacht! Ich lass jetzt die Kekse ihre Wirkung entfalten. He, he.

Freudiges Wiedersehen

Um 18.15 Uhr klingel ich bei der Dame.
Herzliche, warme Umarmung. Wir haben uns wieder.
Und natürlich kann ich mich nicht beherrschen, bringe Brownies und Mandelschnitten vom Biomarkt mit.
Dazu kredenzt die Dame Granatapfel/Feige Tee.

Schmausend sitzen wir und erzählen uns unsere Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen eineinhalb Wochen. Nicht zu glauben, was in der eigentlich kurzen Zeit alles passiert ist.
Und es ist wunderbar, sich wieder mit dieser verwandten Seele auszutauschen.
Wir merken erst, wie spät es ist, als wir beide herzlich zu gähnen beginnen. Aus Müdigkeit versteht sich.
Ich muss früh raus, sonst wäre es gleichgültig.
Also, los.

Morgen sehen wir uns wieder. Gemeinsames Laufen in der Waldau. In erster Linie, weil es Spaß macht. Und zweitens als Vorbereitung auf den Firmenlauf.

Ich freu mich und frage mich wieder einmal:
Gibt es etwas schöneres, als eine wirklich gute Freundschaft?
Für mich nicht. Und, danach kommt lange nichts.