Achtundachtzig

Egal ist achtundachtzig, sagt man. Weil man es drehen kann, wie man will und es doch achtundachtzig bleibt. Ja, mit egal hatte es auch zu tun. Oder, weniger wichtig. Nun rückt es wieder in den Vordergrund. Das Gewicht. Mein Körpergefühl sagt es mir, meine Fitness  ebenso. Ich habe mich gehen lassen. Und egal, was irgendwer sagt oder schreibt, hier ist Schluss. 88 Kilo stehen auf der Waage. Gestern war nach 4 Wochen das erste Cycling Training bei Mr. Freeze und es war unbefriedigend.
In den letzten Wochen habe ich dem Lotterleben den Vorzug gegeben. Süßwaren in Massen, statt in Maßen. Dazu nur einmal die Woche Sport. Es beginnt sich unschön auszuwirken. Nicht Ästhetik ist das Problem. Ich fühle mich unfit und dazu oder deswegen unwohl.
Es gilt einzugreifen. Also liegt die Sporttasche im Kofferraum. In der Mittagszeit wird der Kraftraum aufgesucht und danach eine halbe Stunde gelaufen. Laufband.
Ich hole mir meine Form zurück. Sowohl die Fitness, als auch die Silhouette betreffend.
Bei mir ist achtundachtzig nicht egal.

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Gute Fee? Nein, danke!

Während des Laufs kommen die Dame und ich auf Fitness zu sprechen. Und auf die verschiedenen Methoden, diese zu erlangen. Unter anderem geht es um Muskelaufbau durch Elektrostimulation.
Die Dame meint, als sie es das erste Mal gesehen habe, sei der erste Gedanke gewesen: „Oh, praktisch. Fit ohne Mühe.“
Ich erkläre, dass mich das von Anfang an nicht angesprochen hat, worauf sie mich fragt, ob ich „nein“ sagen würde, käme eine gute Fee mit dem Angebot, sofort fit zu sein.
Ich denke kurz nach und kann ganz ehrlich antworten, dass ich tatsächlich „nein“ sagen würde.
Also, heute.
Es gab früher sicher eine Zeit, in der ich ganz laut „ja, bitte!“ gerufen hätte.
Doch heute bin ich mir bewusst, wie sehr ich durch den Sport, oder besser, das „Dranbleiben“ gewachsen bin.

Klar, war es schwer.
Damit angefangen, dass es für 105 kg-Bräute nicht viele Radklamotten gab und ich mich darin fühlte, wie eine Pellwurst.
Dann, die Tatsache, dass ich beim Indoor Cycling anfangs nicht aufstehen konnte, weil der Puls dann in exorbitante Bereiche schoss.
Saß ich aber die eineinhalb Stunden, tat mir der Hintern weh.
Schließlich drückte mein mächtiges Gesäß auf einen, für kleinere Hintern gedachten, Sattel.
Sportliche Einstellung am Rad?
Der Lenker, hoch, wie am Hollandrad, weil der dicke Bauch im Weg war.
Und, mit 105 Kilo ist jede Bewegung schwer. Weil man viel zu schleppen hat.

Beim Laufen ging es mir nicht anders.
Klamotten, Pellwurstfeeling, dazu die, zu Anfang, schmerzenden Gelenke. So ein Fuß bekommt das dreifache (!) an Körpergewicht ab, wenn man joggt. 315 Kilo auf einen Fuß. Und sie sind nicht gebrochen, die Mittelfußknochen.

Nein, ich will keine gute Fee. Ich weiß, was ich erreicht habe. Und ich will noch fitter werden. Und ich will mich dafür bewegen, will meinen Körper fühlen, die Fortschritte genießen, die ich dadurch erlange.
Nicht, um anderen zu gefallen, sondern weil es sich einfach toll anfühlt, einen gesunden, fitten Körper zu haben.

Ich persönlich bin meinem Körper sehr dankbar, dass er soviel zu (er)tragen bereit war und trotzdem soviel Leistung bringt. Ich kann Spaß mit ihm haben. Laufen, tanzen, cyceln, schwimmen, Sex, arbeiten nicht zu vergessen.

Gute Fee? Nein, danke!  Und bei der Dame brauchst Du auch nicht klingeln. Die denkt nämlich ebenso 🙂