Erkennen

Engel und Infame.
Kutscherin, feine Dame.
Kriegerin.
Kind, weise Alte.
Warmherzige. Kalte.
Mal oben und mal unten.
Gekappt und verbunden.
Verloren. Gefunden.
Mal Prüde, mal Lüstern.
Lautes Schreien, das Flüstern.
Verstand, Geist und Herz.
Das alles bin ich.
Erkennst Du mich?

Frau Kimble

Früher, als ich es selbst erwartet hätte, melde ich mich zurück. Und ich habe Antworten.
Ich schrieb, ich sei ständig dabei irgendwas zu tun, wie getrieben.
Unbeirrbarkeit. Das ist eine sehr feine Eigenschaft.
Eine Eigenschaft, die es zu stärken gilt.

Denn, wieder einmal stelle ich fest, dass ich mir allzu gerne von anderen Menschen sagen lasse, wie ich etwas oder was ich machen soll.
Ist ja (scheinbar) sehr bequem, gelle… Und äußerst schädlich. Noch so ’ne Komfortzone.

Ich musste mal wieder heftig auf die Bremse treten, weil das irgendwann dazu führt, dass ich mich beginne innerlich abhängig zu machen.
Wie war das?
Wir bekommen so lange immer wieder die gleiche Situation serviert, bis wir die Lösung haben (wohl auch, weil wir uns diese Situationen auch immer wieder selber schaffen).
Ich schätze, die Erkenntnis kam gerade noch rechtzeitig. ERKENNEN! Auch so eine feine Eigenschaft. Hierin werde ich schon immer besser.
Das war es, was mich so unruhig hat werden lassen.
Die betreffenden Menschen werden es nicht alle gemerkt haben.
Es gibt eigentlich nur eine Person, die mich so gut kennt und genug Sensoren besitzt, dass sie es gemerkt haben könnte.
Und sie hat es sogar in Worte gefasst, wahrscheinlich nicht bewusst.

Es war gut und richtig, mich gestern bedeckt zu halten. Ich bin auch nicht ausgegangen. Habe es vorgezogen, mir zuzuhören. Zu hören, wie in mir jemand schreit, dass ich es schon wieder tue. Nämlich: Mich nicht auf mich selbst verlassen.

Heute Morgen erst Gymnastik, dann Meditation. Noch mal rein hören. Hören, ob da noch etwas ist, das gehört werden will.
Ja, da ist noch was. Da kann ich mich selbst drum kümmern.

Den Cycling Kurs morgen, habe ich abgesagt. Mir ist danach, mit dem Herrn Gemahl den Tag in Monschau zu verbringen und im Café Hüftgold Flammkuchen und heiße Schokolade nebst einer dicken Belgischen Waffel und die Ruhe der Eifel zu genießen.

Meine Energiekugel rotiert jetzt wieder gemächlich vor sich hin. Nicht mehr weiß glühend, sondern in einem warmen dunklen Orange.

Mein Selbstvertrauen ist also wieder mit an Bord. Willkommen!

Well done, Silvia 🙂

Erkennen – oder ein Rehbock Namens …e

Auf dem Weg durch die Dünen treffe ich auf einen Rehbock. Ich gehe ganz vorsichtig auf ihn zu und, wie, um mich etwas zu lehren, lässt er mich relativ nah heran.
Doch ist er nun mal ein Rehbock und als solcher wart er eine gewisse Distanz.
Als ich ihm (aus seiner Sicht) nah genug bin, nimmt er Abstand, um dann wieder stehen zu bleiben.
Wir haben fast die ganze Zeit Blickkontakt.
Ich finde ihn wunderschön und würde ihn gerne streicheln.
Doch er ist ein Rehbock und deshalb ist diese Nähe nicht möglich. Das ist seine Natur.
Ich taufe ihn …e.
Und in mir fällt wieder ein Puzzleteil an seinen Platz.
Danke, Rehbock:-)

33 Jahre

… Suchtverhalten. Das ist ’ne Hausnummer. Und immer up to date. Erst Telefon, dann telefonieren mit dem Handy und SMS, jetzt waren es die emails.
Ich glaube ich war 7 oder 8 Jahre alt, als meine Mutter beschloss, ein Telefonschloss muss her.
Der glorreiche Idee kam ihr, als zum vierten oder fünften Mal in Folge die Rechnung bei 150 DM lag (ich spreche von den 80er Jahren!).
Ihr Pech, dass ich in Filmen gesehen hatte, wie man mit einer Nadel ein solches Schloß auf- und auch wieder zu bekommt.

Wie kam es dazu?
Ich war alleine. Fast jeden Abend. Denn, als man entschied, ich sei nun alt genug, sind meine Eltern abends in die Kneipe gegangen. Ich war, wie gesagt alleine, und so fühlte ich mich auch. Und unwichtig.
Also rief ich meine Klassenkameradin und Freundin Petra an. Stundenlang. Meist, bis sie zu Bett gehen musste.
Etwa eine halbe Stunde später kamen dann auch meine Eltern nach Hause. Und, dann war auch für mich schlafenszeit.

Nach dem Umzug, nach Duisdorf hatte sich das schon so eingebrannt, dass ich die Telefonkasse leerte, um von der Telefonzelle aus mit meiner Freundin Jutta zu telefonieren (die neue Generation Telefonschlösser ließ sich nicht mehr so leicht knacken).

Ich schloss mehr Kontakte, schließlich ging ich ja inzwischen auch aus. Doch trotz des Ausgehens und persönlichen Treffen, die Telefonitis blieb. Und veränderte sich, passte sich an; an die neuen Medien.
Die Gebühren stiegen. Egal.

Ich begann zu arbeiten und dann, als ich begann Taxi zu fahren, kam das erste Handy. Das hatte fast ruinöse Folgen. 660.-DM erinnere ich mich an eine Rechnung.
Und die sollte nicht alleine bleiben.
Quasi arbeitete ich nur für die Verbindung.

Das Wort hat jetzt, wo ich wirklich den ganzen Zusammenhang erkenne eine doppelte Bedeutung.
Ich brauchte Verbindung um zu spüren, dass ich wichtig war.

Zum Schluss waren es Mails und WhatsApp Kontakte. Gerne gab es eine Person, auf die sich das ganze besonders konzentrierte, doch wurden es mit der Zeit immer mehr. Im Prinzip, wie bei der Abhängigkeit von Substanzen auch.
Irgendwann muss man die Dosis erhöhen. Da reicht ein Mensch alleine, zum kontakten, nicht mehr. Und oft hatten die auch irgendwann, keine Lust mehr.
Das weiß man, das merkt man und kann trotzdem nicht aufhören. Das ist es, was die Sucht ausmacht. Man fühlt sich beschissen, wenn man es tut, weil man weiß, man macht sich klein und kaputt. Weil man sich schämt. Doch man tut es trotzdem.

Wer schon mal abhängig von etwas war, versteht, was er hier liest.

Was mich hier wirklich krass beeindruckt ist, wie schnell das alles nach, wie erwähnt, 33 Jahren nachlässt. Nur weil ich erkannt habe, dass nur ich mir geben kann, was ich in der Sucht gesucht habe.
Bei mir ging es schnell. Bei anderen mag es länger dauern.

Wenn Du das hier liest, Dich wieder erkennst und noch ganz tief drin steckst,
schäm Dich nicht. Dafür gibt es keinen Grund. Hol Dir professionelle Hilfe und Du wirst sehen: Das Leben ist ohne Sucht sehr viel schöner.