Was für ein Morgen

Um es mit einem Buchtitel von Rainer Malkowski zu sagen.
Der Nebel der letzten Nacht hat sich als Raureif über die Stadt gelegt, sieht schön aus. Das Thermometer zeigt zwei Komma fünf Grad. Um fünf Grad gefallen. Das war zu erwarten. Auf dem Heimweg war der Himmel sternenklar.
Meine Erkältung hat heute ihren Höhepunkt. Das ist keine Überraschung. Um Mitternacht, beim Feuerwerk stand ich ohne Jacke draußen, nass geschwitzt. Die Erkältung wird gehen, wie sie gekommen ist. Das Wasser für den Ingwer-cúrcuma Tee steht schon auf dem Herd.
Im Ort läuten die Kirchenglocken. Erinnerung an Kindheit. Altstadt. Stiftskirche, meine Taufkirche in Bonn, als der Kuhle Dom bekannt. Ich bin ein Kuhler Mädchen. Die Breitestraße, in der ich aufwuchs, gehört zur Kuhl.
Ponyreiten auf der Kuhler Kirmes. Pfarrsingschule. Kolpingverein. Spielplatz Annagraben, unterhalb vom Knast. Wildes Schaukeln auf den ausgestellten Hollywood Schaukeln, im Kaufhof Außenlager. Den Spielplatz gibt es heute noch, das Außenlager ist einem Neubau gewichen.
All das kommt mir in den Sinn, als ich die Glocken höre, die jeden Tag läuten, mir aber nur heute ins Bewusstsein dringen.
Und die Frage, ob ich eine Geschichte aus dieser Zeit erzählen will oder nicht. Eine unglaubliche Geschichte. Die Geschichte vom Verlust eines Stückes Kindheit.
Mal sehen, zu welchem Schluss mein inneres Team gelangt.

So schnell geht das

An Tagen wie diesenDie Toten Hosen Erinnerungen. Mrs. Steelhammer und ich beim Cycling Marathon auf der Fähre. Mr. Freeze, der das Stück auf spanisch zum Training kredenzte. Damals war der Kurs noch voll. Erinnerungen.
Das war alles gestern. Ist vorüber, kommt nie wieder.
Letzte Woche lief eine Doku über Freddy Mercury. In einem Interview sagte er, dass die Songs die er geschrieben habe, für ihn nicht mehr wichtig seien.  Wichtig sei, was er heute schreibe. Der Mann hatte, wie ich das nach sehen der Doku beurteilen kann, eine fantastische Einstellung zum Leben. Nicht nur wegen des einen Satzes, den ich heraus gepickt habe. Ich war stark beeindruckt von der Energie, die ihn umgab.

Flashbacks

Überall verfolgt sie mich: Musik.
Musik, die ich mit den letzten drei Jahren verbinde. Auf CDs, im Radio, beim Cycling, beim Krafttraining.
Und jedesmal wirft es mich zurück. Wie eine Zeitmaschine.
Ich merke wie es mir allmählich anfängt gegen den Strich zu gehen.
Die Erinnerung an die alten Gefühle, ist fast so lebendig, wie die Gefühle selbst.
Als bildhafter Mensch, finde ich mich in vergangenen Situationen wieder.
Im Hier und Jetzt Leben ist so viel schöner. Und doch kommen diese Flashbacks immer wieder.
Wie eine Mahnung.
Klingt irgendwie frustig, was ich hier schreibe.
Und in der Tat hätte ich nicht übel Lust, mich ins Bett zu legen, dem Regen am Fenster zu lauschen und zu schlafen.
Doch würde das irgendetwas ändern?
Ok, ich wäre dann nicht mehr müde. Doch der Rest, die Erinnerungen, die Musik und die damit verbundenen Gefühle sind dann immer noch da.
Was für ein Tag….

Ariel – Alte Zeiten

Der Gemahl kommt aus der Waschküche.
„Dein Waschpulver riecht total nach Speed“, meint er.
„Das ist nicht ganz richtig“, entgegne ich, „viel mehr hat das Speed, das wir uns früher gegeben haben, nach Waschpulver gerochen.“
Er weiß, ich hab recht. Die Conections, die ich damals hatte, war selber drupp wie Jupp; irgendwie musste der das Zeug ja strecken.
Und obwohl ich es ahnte, haben wir es gezogen.
Eigentlich ein Wunder, dass wir keinen Schaum vorm Mund hatten.
Das ist lange her, denn das war das erste, womit wir aufgehört haben.
Ich bin froh, dass meine Welt jetzt anders aussieht.
Ganz anders. Und besser.

Ich geh mit meiner Laterne

Erinnerst Du Dich?
Wir wollten romantisch essen gehen und den Italiener in Endenich testen. Wir haben über eine Stunde auf unser Essen gewartet; als es dann endlich serviert wurde, war es grottenschlecht. Was für eine Enttäuschung!
Dann kam die Rechnung, die wir murrend bezahlten. Für eine Pizza und ein paar Nudeln an die 70€.
Na,wenigstens hatte der Typ ebenso hochpreisige Solarlaternen im Garten.
Ich erinnere mich noch gut, wie wir die am nächsten Abend „zur Strafe“ geerntet haben. In einer Plastiktüte. Die leuchtete fröhlich vor sich hin und Du sangst dazu: „Ich geh mit meiner Laterne.“ Das war einfach zu lustig. Und, die Laternen leuchten immer noch in unserem Garten. Wenigstens die sind, im Gegensatz zu des Italieners Speisen, von ausgezeichneter Qualität, mein Schatz.