Once Upon A Time – Zerberus im Club Med, oder eine weitere Folge „Jugend forscht“

Es trägt sich zu, als ich achtzehn bin, in einer Phase, da ich dem Punkerdasein wiederholt den Rücken zu kehre. Sprich, ich versuche „normal“ zu sein.
Mit meiner Freundin W. treffe ich mich in einem Billard Bistro.
Der Abend ist schon älter, als ein Bekannter, Ernst, das Bistro mit zwei anderen Typen betritt. Ernst ist um die vierzig, was für mich zu dieser Zeit noch „alt“ bedeutet. Seine Begleiter nicht anders. Ihre Namen sind mir entfallen, drum sollen sie hier Pat und Patachon heißen.
Wie sich herausstellt sind die beiden die neuen Besitzer des Sauna Clubs auf der anderen Straßenseite und dabei, diesen zu renovieren.
W. und ich, neugierig wie immer, fragen, ob wir uns die Bude mal ansehen können. So oft hat man nicht die Gelegenheit, so ein Etablissement von innen zu betrachten, wenn man nicht dort arbeitet. Ernst versucht es uns auszureden und scheitert. Je mehr er auf uns einredet, umso neugieriger werden wir.
So landen wir in diesem Club. Mit den zwei Leuchten.
W. und ich haben durstige Kehlen. Praktisch, die Bar haben die beiden schon bestückt und wir bedienen uns. Irgendwann geht’s an die Besichtigung. Rotes Zimmer, grünes Zimmer, blaues Zimmer. W.ist plötzlich mit Pat verschwunden (bestimmt kein Zufall), ich erreiche mit Patachon das Spiegelzimmer.
Schwarzer Hochflorteppich, weißer Whirlpool, weiß gelackte Zimmerpflanzen und rundherum Spiegel. Schwarzlicht.
Wir knutschen. Ein wenig Sex, das Intermezzo ist schnell vorbei, ich habe alles gesehen und — Durst. Zurück zur Bar. Dort treffen wir W. und Pat wieder.
Wir trinken weiter, Patachon hat noch nicht genug von mir,  wird zudringlich.
„Nee, Du. Das brauch ich nicht noch mal“, sag ich. Das scheint ihm nicht zu gefallen, er wird ausfallend. Ich kann wechseln, so ergibt ein Wort das andere, bis er mir eine schmiert und darauf sein Kopf mitsamt des langen Haares, ob meines Returns in starke Schwingung gerädert. Jetzt sieht  er wütend aus. Pat meint, er soll sich beruhigen. Patachon ist nicht überzeugt, das seh ich ihm an. „Noch sieht Dein Gesicht manierlich aus, wir wollen doch, dass das so bleibt“ gebe ich zu bedenken (habe ich mal bei Terrence Hill gehört).
Immer schön aufblasen, wenn man so kurz geraten ist. Bloß nicht klein machen, Silvia.
Er wird unsicher, das entgeht mir nicht. Große Klappe funktioniert.
„Komm jetzt, hier gibt’s nix mehr, was uns schmeckt“, meint W. und wir verlassen unbehelligt den Club.
Die Nacht ist vorbei, wir schaukeln in den grauenden Morgen.
Das hätte auch ins Auge gehen können.
Was soll ich sagen?
Jugend forscht.

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