Kümmern – Angst vor Verlust?

Früher Morgen. Ich kreuze mit meinem Taxi durch die noch dunkle Stadt. Denke über mein „Kümmerthema“ nach.
Was hab ich bisher?
Einerseits sehne ich mich danach, betüdelt zu werden, wenn es mir nicht gut geht.
Andererseits kann ich, lässt man mir Fürsorge angedeihen, diese schlecht, manchmal gar nicht annehmen.
Ich frage mich, ob es nicht die Angst ist, diese Zuwendung wieder zu verlieren, die mich daran hindert, sie anzunehmen.
Das ist eine andere Sache, als sie nicht zuzulassen, weil man sich nicht wert fühlt, betüdelt zu werden.
Wenn ich mich an gestern Abend zurück erinnere, ist das Gefühl so zwiespältig.
Der eine Teil, der sich wirklich gerne in die Arme nehmen lassen möchte, und der andere Teil, dem das Gefühl von Zuwendung
Unbehagen bereitet. Nicht vertraut. Es hat was von ranlassen und wegstoßen.
„Wenn ich Mich um Dich sorge, brauchst Du nicht grantig werden. Dann darfst Du ruhig höflich bleiben“, so Helmut gestern.
Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich scheinbar leicht die Krallen ausgefahren hatte.
Langsam wird es interessant. Hunde knurren auch, wenn sie Angst vor etwas haben.

Da isses wieder

Ich fühle mich getrieben. Der Hals schmerzt. Ich könnte immerzu schlafen. Ich sitze hier, tippe. Für die Morgengymnastik ist es schon zu spät (ob ich sie spät abends nachhole, steht in den Sternen), weil ich zu sehr getrödelt habe. Mal davon abgesehen, dass ich jetzt eigentlich auf dem Kutschbock zu sitzen hätte. Trotz der ständigen Müdigkeit bin Ich im Aufruhr. Will sagen, läge ich mich nun müde ins Bett, könnte ich nicht schlafen. Ich schätze, ich hab Schiss. Schiss vor dem Verkauf. Da ist es wieder. Angst. Das hätten wir doch gerade erst. Nur ein Gefühl. Und es zieht sich alles noch so lange hin. Ich überlege schon, mir einen anderen Käufer zu suchen. Ist der Betrieb erst mal weg, hab ich den Kopf frei (oder andere Dinge, um drüber nachzudenken).
Setze ich mich auf mein Meditionskissen, bin ich unruhig, weil ich arbeiten müsste.
Oh Mann!
Klingt das wirr? Genauso fühle ich mich. Ich würde gerade gerne raus aus mir.

Spring! Von kleinen Krisen, der Entstehung von Unzufriedenheit und wie man wieder heraus kommt

Dreitausend Meter. Absprunghöhe. Die Tür ist offen. Da sitzt sie. Festgeschnallt vor dem Profi, der mit ihr per Tandem springen wird. Fallschirmspringen. Das wollte Sie immer schon.
Er rückt mit ihr vor, Richtung Tür. Sie bitte noch zu warten. Sie warten. Ihr Blick geht hinaus. Weiter warten. Er ist geduldig. Doch sie spürt, wie ihre Entschlossenheit mit jeder weiteren Minute ihr Herz verlässt. Letztlich gibt sie auf, lässt sich vom Gurtzeug lösen. Sie landen. Sie fühlt sich mies.

Das ist eine fiktive Geschichte, doch so ähnlich ging es mir die letzte Woche.

Doch anders als die Frau in der Geschichte hab ich dem Piloten gesagt er soll mich noch mal rauf bringen und bin  immer noch im Gurtzeug.
Worum geht’s?
Na, um den Verkauf meines Betriebes. Um kalte Füße, das Zurückfallen in die Komfortzone (seit meiner Therapie frage ich mich, wieso das so heißt, ich finde daran nichts komfortabel), um Selbstbetrug und daraus resultierende Verminderung der Selbstachtung.
Darum, dass man sich bewegen muss, will man eine Veränderung herbei führen;
die Zügel in die Hand zu nehmen, um den kraftvollen Zugpferden zu sagen, wo sie meine Kutsche hinbringen sollen.

Nach der anfänglichen Begeisterung kam mir Zögerlichkeit dazwischen. Ich lehnte mich zurück. Wird schon.
Ich begann mich schlecht zu fühlen, wusste aber nicht warum.
Die Entschlossenheit war mir flöten gegangen. Ich habe Sie mir zurück geholt. Mit ein wenig Hilfe von außen. Und mit Zuversicht. Mit Zuversicht habe ich den Ängsten ihre Macht genommen, um mich dann mit Entschlossenheit zu befüllen.

Heute Morgen habe ich mit dem potenziellen Käufer gesprochen. Er muss jetzt mit der Bank sprechen.
Klar ist da immer noch Respekt vor dem Unbekannten. Jedoch wieder in der Vorwärtsbewegung. Immer drauf zu und sich nicht beirren lassen. Eine Kunst für sich.

Ich springe.

Ungehalten

Es ist zum aus der Haut fahren.
Das ist der Grund, warum ich mich z. Zt.von meinen Kollegen fern halte. Horrorgeschichten von Prüfungen:
Marius kommt an mein Auto.“ Der Kollege XY hatte heute Abschlussgespräch“, erzählt er. „17000€ hat er zu wenig in seinen Einnahmen“.
Ich merke, wie ich wütend werde (ich bin mir durchaus bewusst, dass Wut gerne der Deckel von Angst ist) und fahre ihn an:
“ Marius, kannst du Dir vorstellen, dass ich das gerade gar nicht wissen will?! Jeder hat einen anderen Prüfer, jeder kocht bei uns sein eigenes Süppchen. Bei jedem läuft die Prüfung anders! Lass mich mit dem Scheiß in Ruhe!! “
“ Ja, das stimmt“, meint er, „aber die haben alle die gleichen Tabellen.“
„Ja, Marius. Du wirst es nicht glauben, aber das weiß ich. Trotzdem will ich die Ergebnisse der anderen nicht wissen. Ich habe es gerade geschafft, mich zu entspannen und dann kommst Du und erzählst mir die nächste Horrorstory!
Vielen Dank, Du darfst Dich entfernen!“

Er wirkt ein wenig irritiert, ob meiner heftigen Reaktion. Aber, mit Verlaub. Das ist mir scheißegal. Hatte ich um Auskunft gebeten? Nein!

Jetzt versuche ich erst mal, mein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Verdammte Hacke.

Es hilft tatsächlich

So.
Nun habe ich es zugelassen. Habe das Gefühl von Hilflosigkeit gegenüber der Unausweichlichkeit und die damit verbundene Angst zugelassen und intensiv reingefühlt.
Das Ergebnis waren Tränen, wie von einem Kind, dass sich an seinen Vater drängt, damit der es beschützt. Und irgendwie habe ich es selber hin bekommen. Ich habe mir selber Halt gegeben. Hatte die ganze Zeit dieses Bild, von einem, der mich hält und mir sagt, dass alles gut wird.
Wie habe ich das gemacht? Ich weiß nicht, wo das Bild herkam. Es war ein visualisiertes Gefühl; kann’s nicht beschreiben. Aber ich glaube dem Mann.
Dann habe ich das mit dem Tunnel aufgeschrieben.
Und plötzlich ist die Angst weg. Ich fühle mich etwas erschöpft und auch ein wenig leer. Aber viel besser.

Unausweichlich

Das ist es, was mir Angst macht.
Diese Unausweichlichkeit der Steuerprüfung.
Und, dass alles daran unbekannt ist für mich; dass ich da durch muss.
Nicht rechts, nicht links, zurück, oben unten- alles nicht vorhanden. Nur geradeaus.
Als wäre ich in einem Tunnel, der hinter mir verschlossen ist und der einzige Ausgang liegt vor mir.
Und da, am Ende des Tunnels, ein riesen Schatten. Stehen bleiben geht auch nicht. Dann verhunger ich hier drin. Ich muss drauf zu, auf diesen Schatten, groß wie Smaug, der Drache.
Und wenn ich durch den Ausgang hindurch bin, stellt sich vielleicht heraus: Es war nur ein Lurch.
Wie kann man nur solchen Schiss haben…?

Angst

Ich hatte vor ein paar Tagen geschrieben, ich hätte genug zurück geblickt.

Doch mir wird eben bewusst, was für eine Angst ich davor habe, jemals wieder in eine Depression zu fallen.

Diese absolute Einsamkeit in mir selbst, trotz aller Freunde außen, war so schrecklich und so dunkel. Ich sehe jetzt erst das ganze Ausmaß, da ich jetzt über den Dingen stehe und einen Überblick habe. Es erschreckt mich sehr und es wird eine große Narbe bleiben.

Jetzt ist klar, warum man von einer Verletzung der Seele spricht.

Und, ich weiß: An diesen dunklen Ort, an dem ich war-  will ich nie wieder zurück.

Gut, dass ich da raus gefunden habe.