Post aus Frengland

Ich freue mich. Petra, die verrückte, weltenbereisende, in England lebende Schweinebäuerin aus dem Frankenland hat eine Mail gesandt.
Wir lernten uns beim AA kennen und haben und auf Anhieb gut verstanden.
„Wake me up“ von Avicii war unser Wake up Song, wenn wir morgens gemeinsam von der Pension zum Brunmatthof, zur Schreibwerkstatt fuhren.
Zwei sehr intensive, laute und positive Minuten waren das.
Jetzt ist das Lied unser „Anker“.
Unsere Verbindung zu einer besonderen Erfahrung.
Einfach WUNDERBAR!

Enttäuschte Erwartungen

Seelenstripstease. Das ist ein Wort, das ich gestern häufiger höre, als wir fertig sind und den Tag Revue passieren lassen.
Ich mag dieses Wort nicht, was an der Negativbelegung liegt.
Wenn ich meine Lebensgeschichte erzähle, mache ich das, weil ich meine Geschichte erzähle. Punkt. Dann erwarte ich keine Therapie, die mache ich selbst.
Ich frage, welche Erwartungen die Leute hatten, die das sagen.
Dass mehr über Reportagen gesprochen wird. Ok. Mehr über das Schreiben. Gut.
Ich finde, wir haben viel über das Schreiben gesprochen. Sonst hätte ich ja nicht gelernt, was ich nun weiß. Und, dass ich mehr weiß, erkenne ich, wenn ich meine alten Posts lese.
Ich erkenne das Zuviel und die Stellen, die ich besser formulieren kann.
Dafür bin ich hergekommen.
Und, wenn ein Altmann mir unter anderem die Aufgabe stellt, meinen Lebenslauf zu schreiben, weiß ich, er hat einen guten Grund.
Der Mann ist ein Geschichtensammler.
Wie kann man besser an Geschichten kommen, als sich die Lebensläufe von Menschen anzuhören (außer, sie selbst zu erleben)?
Aber gut, diese Menschen empfinden das so und diese abwertende Bezeichnung hat einen guten Grund.
Dem einen fehlt, wie er sagt, ab Punkt x die Empathie.
Der andere hatte eine falsche Vorstellung.
Erwartungen werden meistens Enttäuscht. Sie passen nie(!) hundertprozentig mit der Wirklichkeit überein.
Klüger ist, man hat keine.
Und genau so bin ich hergekommen:
Mitnehmen was geht.
Eine gute Bekanntschaft, aus der sich eine Freundschaft entwickeln kann, eingeschlossen. 
Altmann beobachten. Das macht Spaß und ist interessant.
Menschen beobachten ist einfach großartig.
Er ist Geschichtensammler und ich die Menschenbeobachterin.
Passt doch.

Unterwegs

Später losgekommen als geplant. Die Bahn ist frei.
Höhe Bingen hab ich mal Richtung Bembelland gewinkt. Hat aber wahrscheinlich keiner der Bewohner bemerkt.
Es ist schwer nebelig, aber ich leuchte. Das reicht.
Jetzt eine kurze Rast mit Latte Macchiato.
Dann geht’s weiter. Noch dreieinhalb Stunden laut Navi.
Die Vorfreude steigt immer noch. Besser die Erwartungen nicht zu hoch schrauben.
Ich erwarte einfach mal nüx 🙂

Hirnstau

Triumphal sende ich meine Hausaufgaben für die Schreibwerkstatt an die Dame.
Sie ist so freundlich, sie für mich auszudrucken, so schone ich meine Ressourcen. Schließlich muss ich jeden Text 17 mal ausdrucken, damit sowohl ich als auch die anderen ihn lesen können.
Als ich der Dame vor dem Ausdrucken einen Besuch abstatte, um noch mal den Text zu überlesen, stolpere ich über das Wort Arbeitsdrohne.
Im Rahmen eines Gedichtes soll es aussagen, dass ich als fleißige Arbeiterin (wie bei den Ameisen oder Bienen) tätig war.
Es ist alles gut, bis mir aufgeht, dass der Drohn bei den Bienen ein Männchen ist, und eigentlich nichts tut, außer sich füttern zu lassen, irgendwann die Königin zu begatten und mitten im Orgasmus sein Leben zu lassen (Ok, es gibt schlimmere Tode :-D), weil sein Fortpflanzungsapparat (was für ein Wort) explodiert.
Der ganze Vers ist im Eimer, ohne die Drohne.
Ein Wort hat mir einen Vierzeiler vergeigt. Oder besser gesagt: Mein Perfektionismus.
Wir schlagen nach, im Duden usw. Das Wort Arbeitsdrohne existiert eigentlich gar nicht. Es gibt nur einen Kontext, wo es stimmig ist: Starwars.
Da sind Arbeitsdrohnen Protokoll Druiden, oder Arbeiter für die Feldarbeit.

Dieser Vers war so schön! Und egal was mir einfällt, alles andere ist dagegen lauer Muckefuck.

Inzwischen kommt auch nur noch Müll raus, weil ich mich total festgefahren habe.

Morgen werde ich entscheiden, ob die Drohne bleibt. Kreativität ist doch, was ich draus mache!

Es rauscht

In meinen Adern.

Eben habe ich die Teilnahmebestätigung von Andreas Altmann bekommen. Ich freue mir ein Loch in den Bauch.
Ich bin auf die Hausaufgaben gespannt. Wenn ich ihn richtig einschätze, wird er uns Teilnehmer nicht schonen. Wäre es anders, wäre ich beleidigt.

Außerdem habe ich soeben die Rechnung und die Daten für die Ausbildung zur Indoor Cycling Trainerin erhalten.

Viele neue Erfahrungen für mich. Hurra!

Jetzt ist es wieder da, das sirren in den Nervenbahnen.

Und ich höre noch die Dame, wie sie mich warnt, ich solle jetzt nur kein Adrenalin-Junkie werden.

Ich versuch’s Lady, ich versuch’s.

LEBEN!!!!!!

Schreibwerkstatt Andreas Altmann

Ich habe meine Anmeldung auf den Weg geschickt. An den Meister persönlich. Öffnung der Ausschreibung war schon gestern. Da hatte ich es glatt vergessen. Jetzt bin ich nervös. Als hätte ich eine Bewerbung versandt.
Auch weiß ich nicht, ob ich schnell genug war. Die Teilnehmerzahl ist auf 16 begrenzt.
Naja, wenn nicht, dann hat’s nicht sollen sein. Dann werde Ich mich nicht darüber ärgern, sondern es im nächsten Jahr wieder versuchen, vorausgesetzt der Altmann bietet sie wieder an.
Jetzt ist es erst mal spannend.

Mensch, Altmann!

Lange war das Buch vergessen. Es vegetierte in meiner Sporttasche, wartend darauf wieder entdeckt zu werden:

„Gebrauchsanweisung für die Welt“ von Andreas Altmann.

Darin ein Kapitel:
Reisen und Schreiben
Ich lese; über den schlechten Ruf der Reiseliteratur, über „Schreiben ohne Sauce (Gefühl), ohne Beilagen(Sprachwitz) und ohne Gewürze (Provokation)…“

Und dann geschieht etwas, das mir in jedem seiner Bücher mindestens einmal passiert: Er zieht einen Vergleich, beschreibt eine Lebenssituation, um etwas fassbarer, bildlicher zu machen, und ich finde eine Erkenntnis für mich; für meine momentane Situation.
Diese Situation hat nichts, gar nichts mit dem Thema Schreiben zu tun, aber alles mit dem, was Altmann hier als Vergleich heran zieht.

Wer braucht schon Bücher über Lebenshilfe, wenn er Altmann liest. Der Mann hat so viel gesehen, ist so viel gereist (sowohl geographisch, als auch seelisch); es reicht seine Geschichten über das Leben und Reisen zu lesen.

Altmann Lesung

Das Gloria Theater in Köln: Klein, dunkel, mit rotem Samt an den Wänden; schön ausgeleuchtet. So mag ich es. Ich fühle mich gleich wohl und zu Hause.
Auf der Bühne: Ein Stuhl; ein quadratischer Holztisch, mit zwei Flaschen Wasser; ein Mikro; unspektakulär.
Es erinnert gleich an Textstellen, aus Altmann-Büchern, in denen er sich über genau das freut: Ein Tisch, ein Stuhl, vor einem Fenster, mit schöner Aussicht und Ruhe zum Schreiben.
Altmann ist bescheiden.

Die Lesung ist toll. Erstaunlich, um wieviel intensiver der Inhalt eines Buches rüber kommt, wenn man die Emotionalität des Autors erleben darf. Altmann selber wirkt kein bisschen, als sei er über sechzig. Er hat etwas ganz und gar rebellisches und trotz seiner scheinbaren(!) Zurückhaltung eine wahnsinnige Präsenz.
Das Buch: Verdammtes Land  eine Reise durch Palästina.
Bevor Altmann liest:
Er erklärt viel und gut, wie es zu dem Zustand kam, wie er jetzt ist. Meiner Meinung nach, so gut, dass selbst völlig unwissende begreifen, woher dieser Konflikt rührt, der schon so lange lodert.
Dann geht es los.
Ich frage mich, ob ich mich so wenig mit den Medien beschäftige, dass die Grausamkeiten, die dort stattfinden (neben den Selbstmordanschlägen), so an mir vorbei gegangen sind. Oder, ich höre und lese schon so lange mit, dass es nicht mehr durchdringt; wie wohnen neben der Autobahn; irgendwann hört man sie nicht mehr.
Das Buch rüttelt mich auf. Garantiert sind meine Sinne jetzt wieder geschärft.

Doch neben den Grausamkeiten erzählt er auch von Warmherzigkeit, Freude, Mut, Liebe, Helden und Heldinnen.

Hielt man wegen der ungeheuerlichen Verletzungen der Menschenrechte eben noch den Atem an, lacht man bei der nächsten Geschichte herzlich aus sich heraus.

Nach eineinhalb, sehr kurzweiligen, Stunden ist die Lesung vorüber.

Im Café nebenan erstehe ich einen weiteren Altmann.
Einen Tisch weiter steht der Autor, signiert mir zwei Bücher, versichert sich meiner ewigen Leserinnen Treue und nimmt gerne die mitgebrachte Ritter Sport entgegen.

Ich setze mich in mein Auto. Das Radio lasse ich aus; will den Abend noch auf mich wirken lassen.

Altmann berührt.