Guten Morgen Alltag

Vier Uhr sechzehn. Hölle, ist das früh. Schon erstaunlich, wie schnell der Mensch sich daran gewöhnt zu solch früher Stunde dem zu frönen, was sich zu eben jener gehört: Schlafen.
Der Alltag hat mich wieder. Es werden Pillen eingeworfen. Gestern hatte ich sie vergessen. Das war eine nasse Nacht. Dass ein Mensch so viel schwitzen kann, ohne zu sporteln, unglaublich. Gleich eine heiße Zitrone zu den Pillen und dann auf zur Morgengymnastik. Das übliche Prozedere.
Dialyse Tag. Das hat auch Vorteile. Die Verantwortung, den Patienten gegenüber, diese pünktlich dort abzuliefern, lässt mich zur Arbeit schreiten, welche mich auch ins Büro der Dialyse Klinik führen wird, wo es die Abrechnungszettel gibt, welche frische Mesummen bedeuten. Ein Blick auf das silvianische Konto gestern zeigt, zeigt einen Hauch von Rot. Da kann Linderung nicht schaden.
Also Silviaherz sei dankbar. Freu Dich der frühen Stunde und der Routinen. Es ist nicht alles mies an dem Job. Eigentlich nur der Bürokratie, gelle?
Und heute, wird dank all der Routine auch das sporteln wieder aufgenommen. Die Cycling Tasche wird mich den Tag über im Kofferraum begleiten. Das Auge darf das Heim nicht sehen, dann klappts auch mit dem Sport.

Werbeanzeigen

Gut oder schlecht

Ich warte immer noch, will aber auch nicht schon wieder anrufen. Vielleicht gibt es gar kein Vorgespräch(?). Ist es nun gut oder schlecht, dass ich nichts aus dem Büro höre?
Einer der Kollegen sprach von einem Abschlussgespräch.
Ist ja auch egal.
Die Dinge nehmen ihren Lauf.
Inzwischen bin ich der Ansicht, dass die lange Vorlaufzeit so was wie eine Zemürbungstaktik sein soll. Die zu prüfenden Jahre sind schließlich längst abgehakt. Da könnte einer, selbst wenn er wollte, nichts dran drehen.
Wie auch immer, ob mit oder ohne Vorgespräch, es wird jetzt ein paar Tage dauern, bis der Prüfer alle Unterlagen gesichtet hat.
Noch mehr warten…

In der Zwischenzeit lebe ich meinen Alltag.
Ich schwanke noch zwischen Laufen und Cycling Kurs heute Abend. Jetzt, in diesem Augenblick, tendiere ich zu laufen. Das rauschen des Windes in Baumwipfeln erinnert mich immer an etwas. An was genau, kann ich gar nicht sagen.
Aber es muss was Gutes sein, weil es mir ganz tief in meiner Seele gut tut.

Gemach, gemach

So habe ich es heute angehen lassen.
Ein Einstieg hier, eine Fahrt über die Zentrale dort. Ein wenig Smalltalk mit den Kollegen, am Café Mobile von Massimo. Dabei ein paar Komplimente von den Herren eingeholt (bin durchaus empfänglich für so was).
Zum Schluss noch einen Flieger mit genommen.
Jetzt geht’s gleich zum Sport.
Erst zwei Runden Milon Zirkel.
Danach wieder eine Stunde bei Moritz, Cycling.
Meine Oberschenkel werden mir die Pause morgen danken.
Der Gemahl trifft sich auf ein Bier mit einem Kumpel; da ist noch Raum für eine Abendmeditation. Ewig vernachlässigt.
Schwupp, ist der Tag vorbei und ich fühle mich immer noch nach Urlaub.

Eher wenig buddhistisch

Es ist halb sieben. Eben habe ich die Hinfahrten zur Dialyse hinter mich gebracht, mache mich auf, zum Halteplatz Kapellenweg. Als ich auf den Platz fahren will, steht ein Kollege quer hinter den zwei, noch freien, Plätzen; telefoniert. Er sieht mich; das sehe ich. Ich warte. Warte. Und, warte. Mein Motor läuft, der Blinker ist immer noch an; es ist ziemlich offensichtlich, dass ich mich ebenfalls hier niederlassen möchte.
Ignoranz ist etwas, das mir den Kamm schwellen lässt.
Ich betätige die Lichthupe, für’s Horn ist es noch zu früh am Morgen. Er rollt doch tatsächlich mit den Augen! Jetzt, denke ich, möchte ich ihm richtig feste vor’s Schienbein treten.
Endlich, er macht Platz.
In solchen Momenten ist mir der Buddhismus und die Nächstenliebe, manchmal, sehr fern. Auch, wenn ich weiß: Die eigentliche Kunst ist, sie gerade dann aufrecht zu erhalten.
Sei’s drum. Ich fange mit Eigenliebe an und vergebe mir. 🙂