Achtsamkeit und Demut

Achtsamkeit mir selbst und Demut dem Leben gegenüber.
In letzter Zeit ein wenig vernachlässigt. Zu viel nach außen, auf andere, statt nach innen, auf mich gerichtet.
Dazu eine Prise zuviel Stress.
Ich habe verstanden 🙂
Übe mich in Selbstachtung, Liebe, Demut, Dankbarkeit.
Atmen.

Andreas Altmann Schreibwerkstatt – Nebelige Rückfahrt

Schon bei der Abfahrt macht sich die Anstrengung der letzten Tage bemerkbar:
Vorneweg, das Auto von Frau Marion (Besitzerin des Brunnmatthof), mit zwei Teilnehmern und Andreas Altmann an Bord. Dahinter, meine neue Freundin Petra und ich, in meinem Taxi.
Nach dem wir Oberalpfen passiert haben, muss ich links auf die Hauptstraße Richtung Freiburg fahren, doch leitet mein Herdentrieb mich nach rechts, dem Altmann hinterher. Es dauert zwei Kilometer, bis ich Wenden kann, um die richtige Richtung einzuschlagen.
Wie war das mit der Achtsamkeit?
Nach der Wende Richtung Hirschsprung, über Freiburg, auf die Autobahn. Ich spüre die Arbeit der letzten Tage. Das Hirn ist voll. Zu voll. Die letzten Texte haben wir im Schnelldurchlauf durchgearbeitet, doch nicht weniger gründlich.
Bevor ich in Ginsheim, im Hotel ankomme, noch in Frankfurt Süd, Petra absetzen, meine Frengländerin. Was das ist? Eine Fränkin, die in England lebt.
Wir sind uns, merken wir, sehr ähnlich.
Während der Fahrt „Altmannen“ wir, lachen immer noch darüber, wie er, mit viel Witz, überspitzt auf Dinge weist, die einen Text klein machen.
Ich verpasse noch zwei Mal Anschlussstellen zur nächsten Autobahn. Wieder mangelnde Achtsamkeit, gepaart mit Müdigkeit.
In Frankfurt angekommen: Abschied nehmen von Petra. Herzliche, lange Umarmung.
Weiter geht’s nach Ginsheim. Nach fünf Stunden nebeliger Autobahn wird aus Müdigkeit Erschöpfung.
Im Hotel funktioniert der Kartenterminal nicht, also noch mal ins Auto, zur Bank, Bargeld tanken.
Zurück ins Hotel, zahlen.
Im Zimmer schmeiße ich lediglich die Tasche auf’s Bett; bin im noch Bembelland verabredet.
Dort angekommen kredenzt mein Gastgeber erstklassigen Apfelsaft, während ich meinen Exklusivbericht abliefere.
Um halb eins fahre ich zurück ins Hotel.
Mit einer guten Idee für die Zeit nach dem Unternehmertum und einem Kunstwerk für mein Meditationszimmer im Gepäck.
Zum dritten Mal betrete ich das Hotel, darf endlich meinen müden Körper auf’s Bett werfen und -schlafen.

Wertschätzung – oder Analyse einer (Beinahe)Eskalation

Noch nicht erzählt:
Sonntag schon merke ich, dass ich genervt bin. Ich kann aber keine Verbindung zu mir herstellen, was mich noch mehr nervt (natürlich kommt das erst bei der Analyse raus), weil ich nicht herausfinde, was das Bedürfnis dahinter ist. Irgendwo herrscht ein Mangel in mir.

Das wird auch nicht dadurch besser, dass ich sehr häufig beginne etwas zu erzählen, um dann von meinen Begleiterinnen unterbrochen zu werden. Zwischendurch frage ich mich, ob sie das nicht merken. Doch sage ich auch nichts.
Falscher Weg; es baut sich noch weiter auf, als ich feststelle, dass ich Anita nicht, wie vorher groß angekündigt, an der Brücke das erste Mal unterstützen kann.
Ich murre und motze, zetere wie ein Rohrspatz (Ventil).

Die Kriegerin fährt mir nicht minder unwirrsch in die Kandare, ich soll jetzt mit dem aggressiven Scheiß aufhören etc.
Wasser auf meine Mühlen.
Ich stelle gerade fest, und kommuniziere das auch, ein Bedürfnis sei es zuverlässig zu sein. Ich würde mir ein wenig Verständnis wünschen.
Interessiert die Kriegerin nicht, die selbst aggressiv reagiert.

Unsere Räder sind mit unser beider Schlösser angeschlossen, mein Wunsch mit meinem Rad die eine Station zurückzulegen, wird nicht gehört. Es baut sich weiter auf, auch wenn ich jetzt nichts mehr sage. Hört eh keiner zu.
Schade. Könnte ich mich auf der Fahrt alleine doch etwas runterfahren.

Stattdessen folge ich in die Bahn, weil mein Rad ja, wie gesagt, für mich nicht greifbar ist.
Ich bin sauer. Auf mich, und auf die Kriegerin.

Zwar legt es sich etwas, doch das Genervtsein bleibt, und der Ärger kocht immer wieder mal hoch. Ich wäre ihn gerne los, das ist wohl der Fehler.
Ich sollte ihn annehmen, anschauen und sehen, was dahinter steckt. Geht aber nicht.

Später, an Kilometer 40,5 bekomme ich es hin, mich in eine positive Stimmung zu bringen. Jedoch muss ich da ganz bewusst auf mich einwirken.
Ich sage mir, dass ich positiv sein will, wenn Anita kommt. Weil ich Ihr ganz viel positive Energie mitgeben will, auf den letzten 2 Kilometern. Ich verbinde mich einfach mit ihr, auch, um sie nicht zu verpassen. Das funktioniert.
Solange bis ich sie wieder verlasse.

Ich spüre, für mich ist die Sache nicht gegessen, bevor der Deckel drauf ist. Und sei es nur, indem ich mein Bedauern über mein Genervtsein ausdrücke. Denn das tue ich wirklich. Ich bedaure es, so mosrig gewesen zu sein. Ich kann mich in solchen Momenten ja selbst nicht ausstehen.

Als wir später an unseren Rädern stehen, setze ich an, mein Bedauern zu formulieren – und wieder darf ich nicht aussprechen. Stattdessen tut die Kriegerin kund, sie hätte mich am liebsten stehen lassen.
Dass hätte sie das ja tun können, sage ich ihr (vorausgesetzt sie hätte vorher mein Rad aufgeschlossen, wie ich es ja gerne gemacht hätte). Meiner Meinung nach hätte es bestimmt zur Deeskalation beigetragen.

Im Moment des Bedauerns wieder so überfahren zu werden, finde ich unschön.
Den ganzen Tag, ständig unterbrochen zu werden, selbst im Moment einer Entschuldigung, ist sehr unbefriedigend.
Weil die Achtsamkeit und die Wertschätzung fehlt.

Für mich war dieser Tag ein Lehrstück. Ich weiß jetzt, dass ich mehr darauf achten möchte, meinem Gegenüber diese Achtsamkeit und Wertschätzung entgegen zu bringen, die auch mir so wichtig ist.
Bisher, habe auch ich die Menschen häufig unterbrochen.
Obwohl ich eine sehr aufmerksame Zuhörerin bin.
Werde ich eben noch aufmerksamer.

Eins noch:
Inzwischen weiß ich, ich kam schon im Mangel an Wertschätzung am Bahnhof Bonn an.
Morgens hätte ich viel lieber, meine Entrümpelung fortgesetzt; doch weil ich Anita versprochen hatte, jubeln zu kommen, habe ich mich dagegen und damit gegen meine Bedürfnisse, in diesem Fall: mich selbst wertschätzen, entschieden.
In Zukunft möchte mehr auf meine Bedürfnisse achten.

Bis ich eben darauf kam, verspürte ich immer noch Unzufriedenheit.
Jetzt ist Ruhe im Karton, ich vergebe mir selbst und verbinde mich mit meinem intrinsischen Wert. Meinem Selbstwert.

Amen.

Flow

Als Piwi und ich in der Waldau ankommen, regnet es. Wieder mal. Macht aber nichts. Wir sind schon durch ganz anderes Wetter gelaufen (und dabei fast vom Blitz erschlagen worden).
Wie schon angekündigt, geht es darum 45 Minuten mit Tempowechseln zu laufen. Es geht los. Erst quatschen wir noch ein wenig. Dann laufen wir schweigend.
Ich weiß nicht, wann ich genau in diesen Zustand absoluter Achtsamkeit gerate; aber es ist fantastisch. Ich nehme wirklich alles war; wie meine Füße aufsetzen und abrollen, das Geräusch des Waldbodens, wenn meine Füße ihn berühren, den Duft der geschnittenen Pechkiefern, den Wind und den Regen in meinem Gesicht, wie tief und ruhig mein Atem fließt, meine Körperhaltung, Piwi im selben Rythmus neben mir; das alles nehme ich wahr und bin trotzdem ganz bei mir.
Außerdem spüre ich, wie leicht ich laufe; ein wenig, als würde ich nur auf den Zehenspitzen laufen. Ich fühle mich viel leichter als die 82 Kilo, die ich (momentan) tatsächlich wiege.
Die Strecke ist nach 35 Minuten erledigt. Und wir sind beide total euphorisch. So muss es sein. Einfach toll. Ich glaube, das ist es, was die Leute Flow  nennen.