Einkaufsbekanntschaften 

Es ist soweit. Ich brauche neue Schuhe. Und eine neue Hose, sowie was für oben rum. Wer jetzt denkt, ich hätte tausende Schuhe, der irrt. Alles, was ich kaufe hat vorher in alter Form das Zeitliche gesegnet. Ich düse durch die Bonner City. Ich brauche nicht lange, denn ich weiß was ich will und werde fündig.
Auf dem Weg zur Garage fällt mir ein Stand ins Auge. Sieht aus wie ein Mini Flohmarkt. Auf einem Schild der Hinweis, dass der Erlös für Kinder in Syrien gespendet wird. Ich geh hin, stöbere ein wenig. Die Frau am Stand, schon älter, mit Kopftuch und sympathischem Lächeln, lädt mich ein, mich zu ihr an den Stand zu setzen. Wir stellen uns vor. Moutia macht das einmal im Monat, erzählt sie. Sie freue sich über meine Gesellschaft, alleine sei sie traurig. Das wäre ich auch, würde meine Heimat so aussehen, wie die ihre derzeit.
Während wir sitzen kommt ein junger Mann hinzu. Unterhaltung auf Arabisch. Zu mir gewandt berichtet er, er sei seit zehn Monaten hier, suche nun einen Praktikumsplatz, um weiter Deutsch sprechen zu können. Sonst habe er keinen Kontakt, wenn die Sprachschule rum sei. Ich verstehe, was er meint. Wer schon mal eine Fremdsprache gelernt hat weiß, Sprache lebt durch sprechen.
Kurze Zeit später sitzt ein Mann auf Moutia’s Platz. Ich schätze ihn auf Mitte vierzig. Er hat Papiere auszufüllen, fragt, ob ich helfen und etwas erklären kann. Er lernt seit sechs Monaten Deutsch. In der Volkshochschule. Sein Kurs ist bald zu Ende. Auch er braucht Menschen, mit denen er sprechen kann, um die Sprache besser zu lernen. In Syrien war er Anwalt. Ich helfe, beim Ausfüllen der Anmeldung für den Kindergarten und der Einzugsermächtigung.
Ich habe eine Idee. Die Volkshochschulen bieten doch Kurse in Arabisch an. Wie es wohl wäre, wöchentlich ein Treffen abzuhalten, mit Deutschen, die Arabisch lernen und Menschen aus den Arabischen Ländern, die Deutsch lernen? Ein Deutsch-Arabischer Stammtisch, quasi. Das wäre was. Moutia findet die Idee gut. Wir tauschen Telefonnummern.
Nach einer Stunde fahre ich heimwärts. Ich habe eine Decke verkauft und eine Idee im Kopf. Ich lächle. 🙂

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2 Gedanken zu “Einkaufsbekanntschaften 

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