Im Untergrund 

Noch so eine Verbindlichkeitsgeschichte. Über Facebook erreicht mich die Nachricht des Sohnes, des Mannes, meiner verstorbenen Mama. Er sei mit der Ahnenforschung beschäftigt und man (die Freundin meiner Mama) habe ihm versprochen, man (ich) würde ihm die Unterlagen und Fotos zukommen lassen. Mit anderen Worten, es ist soweit. Der Karton, der mich seit über einem Jahr mahnend anstarrt, betrete ich den Keller, wird ans Licht gezerrt. Schnell weiß ich, weshalb ich es dauernd vor mir hergeschoben habe. Wer schon länger liest, weiß, dass ich Jahre lang keinen Kontakt zu meiner Mutter hatte. Selbst von ihrem Tod erfuhr ich erst kurz vor der Beisetzung. So war das halt.
Ich sichte Fotos, die mich als kleinen Kackarsch zeigen. Pausbackig. Auch Fotos, die zeigen, dass auch mein Vater nicht so unnahbar war, wie es in meiner Erinnerung präsent war. Ich stehe im Keller, sehe all die Bilder. Sehe, dass meine Mutter eine schöne, elegante und witzige Frau war. Und ich sehe viele, viele Ähnlichkeiten zwischen uns. Das Grimassen schneiden, das Lachen, das Gesicht, wenn sie ernst war. Die Haltung. Ich hab so viel von ihr. Auch meine Emotionalität. Und die bricht sich Bahn, als ich da im Keller stehe. So sehr sie mir früher auf die Nerven gegangen ist, egal welche Kämpfe wir miteinander ausgetragen haben. Heute wird mir sehr schmerzhaft bewusst, dass ich sie liebe und, dass ich sie vermisse. Schon seit Jahren. Und jetzt, wo ich das hier schreibe, heule ich wieder, wie ein Schlosshund. Wir Menschen sind so schnell damit, unsere Lieben aus unserem Leben zu streichen, weil sie nicht so funktionieren, wie wir uns das vorstellen. Vielleicht ist es an der Zeit, auf das zu blicken, was uns verbindet. Ich werde heute wohl noch viel Salzwasser über meine Wangen schicken. Mama, ich liebe Dich!

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Wirklich niedrig? 

Ist mein Selbstwertgefühl tatsächlich so niedrig? Neeee. Jedenfalls nicht, wenn ich mir ansehe, was die letzten Tage passiert. Ich habe aufgehört zu rauchen. Stattdessen, war ich eben (um 4 Uhr!) laufen. Sonst saß ich mit Kaffee und Fluppe um halb fünf auf dem Balkon. Ich geh wieder cyceln. Meine Wohnung wird nach und nach wieder ordentlich. Wie innen so außen. Wäre ich mir tatsächlich so wenig wert, ich schätze, es liefe anders herum. 

Im Grunde Gut

Nachdem ich den ganzen Tag an mir herum gefleddert habe, ist es Zeit die positiven Aspekte an mir heraus zu stellen. Denn die genannten Unverbindlichkeiten und Unklarheiten stehen neben Verbindlichkeiten und Klarheiten, zu anderen Gegebenheiten. Ich darf von mir behaupten, dass ich im Grunde ein zuverlässiger Mensch bin. Bei Verabredungen bin ich meistens fünf Minuten zu früh. Wenn ich sage, ich fahre jemanden wohin (außerhalb meines Taxijobs), oder hole ihn ab, kann sich die Person auf mich verlassen. Sage ich, dass ich mich um Buchungen von Hotels etc kümmere, kümmere ich mich. Ist eine Freundin krank, bringe ich ihr zu essen. Braucht eine Freundin Obdach, bekommt sie das bei mir. Das alles steht gegen die anderen Unverbindlichkeiten/ Unklarheiten, die, wie ich beobachtet habe, entstehen, wenn ich Angst bekomme. Angst davor nicht gut genug zu sein. Angst vorm Scheitern. Dann, ja dann wurde ich vage. Wohl um mir ein Hintertürchen offen zu halten, einen Fluchtweg.
Das ist der Punkt an dem ich am Stellschräubchen drehen darf. Ansonsten bin ich ein liebevoller, guter Mensch. Ich trage Igel über die nächtliche Straße, ich rette Entenbabies, ich helfe Rollstuhl Omis über die Straße, ich nehme Fahrgäste der Öffentlichen Verkehrsmittel mit, wenn die von eben diesen wieder mal im Regen stehen gelassen wurden. Ja, ich habe Ecken und Kanten. Ein Diamant, der noch Schliffpotential hat. Aber: Im Kern bin ich ein absolutes Glanzstück.

AMEN.

Von Verbindlichkeit 

Es trifft mich, wie der Schmiedehammer den Amboss.
Seit Jahrzehnten schon bekomme ich das Göbeln bei Unverbindlichkeiten, mir gegenüber. Doch was darf ich daraus lernen? Dass ich selbst höchst unverbindlich war. Nicht nur meiner Umwelt, auch gegen mir selbst gegenüber. Und nach dem Gesetz der Resonanz, bekam ich vom Universum das, was ich hinein gesandt habe. Unklarheiten, Unverbindlichkeiten. Zu guter Letzt in Form eines Mannes. Ja, der von dem ich mich bereits gelöst hatte. Danach sind wir doch wieder im Bett gelandet. Mehrfach. Und ich wundere mich, dass mir wenig Wertschätzung zuteil wird. Komisch aber auch…. Wenn ich’s schon nicht selber tu, sollen es doch die anderen besorgen. Tolle Taktik. Gaaanz prima, Silvia. Und so, wie mit der Wertschätzung läuft es auch mit der Verbindlichkeit. Willst Du mehr davon? Dann schätze Dich selbst mehr. Sei selbst verbindlich, auch, oder vor allem Dir selbst gegenüber. Dann klappts auch mit dem Selbstwert. Und der Kerl? Ich hätte nicht gedacht, dass es mich als Kerl gibt. Gibt’s aber. Ich war quasi mit mir selbst im Bett. Hier die Einsicht, dass die Entscheidung, diese Liaison zu beenden, richtig war. Spiel’s nochmal Joe… Ich beende es noch mal. Und diesmal bleibe ich mir treu. Nein, ich bin dem Kerl nicht böse. Er ist einfach wie er ist. Und er war mir ein guter Spiegel. Dafür einfach Danke. 

Wieder was gelernt. 

Jahrestag

Drei Jahre gibt es nun den Tuepflischiesser.
Danke, an alle, die mit lesen. Es hat sich vieles bewegt, in dieser Zeit; in mir und um mich herum.
Dieser Glückwunsch von WordPress erwischt mich, in einem Augenblick, der zum heulen ist. Ich stelle heute fest, dass mein Selbstwertkonto leider immer noch im Keller steht. ABER: Ist man in der Talsole angekommen, gibt es ja nur noch eine Richtung: Aufwärts.
Und was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert, ist die Tatsache, dass ich tief in mir fühle: Ich bin eine Naturgewalt. Es gibt den Impuls des wieder Aufstehens. Die letzten drei Tage war ich morgens laufen. Morgen bin ich für’s Cycling angemeldet. Ja, es ist eine Herausforderung, den schwerer gewordenen Leib sportlich zu bewegen. Doch ist es erfreulich, dass der selbige scheinbar nicht vergessen hat, was er die letzten Jahre geleistet hat. Die Läufe waren nicht lang, aber sie haben statt gefunden. Und langsam, ganz langsam, erinnere ich mich an meine Träume, die realisierbar sind. Schritt für Schritt, Meter für Meter…

Ich freue mich, wenn Ihr bei mir seid und verfolgt, was sich bewegt.

Danke, an meine Leserschaft! :-*

Flashback

Dieses Wochenende weile ich in Heilbronn. Das heißt nächtigen in Neckarsulm und Jürgen Höller pfeif ich mir in Heilbronn rein.
Neckarsulm: Bei der Anfahrt zum Hotel erhasche ich ein paar Blicke Richtung Innenstadt, gedenke dort etwas zu verweilen, bis meine Begleitung eintrifft.
Ätsch! Die vier Sterne liegen in einem Industriegebiet außerhalb. Ich nehme zwei Grauburgunder auf der Terrasse, die zum Parkplatz führt und den Blick freigibt, auf ein wildromantisches Parkhaus. Erinnerungen werden wach, an die beiden Rückfahrten von Irland letztes Jahr. Weil nah an der Autobahn und meist günstiger, übernachteten Herr Faun und ich in solchen Gefilden.
Nicht so wild. Ist die Begleitung da, geht’s mit dem Taxi in die Stadt. Heute gibt es eine Mondfinsternis, wie ich erfahre. Vollmond mit Finsternis. Vier Stunden soll das Spektakel zu sehen sein in Europa, Afrika und sonst wo.
Also, Mond anheulen in Neckarsulm 🙂

Einkaufsbekanntschaften 

Es ist soweit. Ich brauche neue Schuhe. Und eine neue Hose, sowie was für oben rum. Wer jetzt denkt, ich hätte tausende Schuhe, der irrt. Alles, was ich kaufe hat vorher in alter Form das Zeitliche gesegnet. Ich düse durch die Bonner City. Ich brauche nicht lange, denn ich weiß was ich will und werde fündig.
Auf dem Weg zur Garage fällt mir ein Stand ins Auge. Sieht aus wie ein Mini Flohmarkt. Auf einem Schild der Hinweis, dass der Erlös für Kinder in Syrien gespendet wird. Ich geh hin, stöbere ein wenig. Die Frau am Stand, schon älter, mit Kopftuch und sympathischem Lächeln, lädt mich ein, mich zu ihr an den Stand zu setzen. Wir stellen uns vor. Moutia macht das einmal im Monat, erzählt sie. Sie freue sich über meine Gesellschaft, alleine sei sie traurig. Das wäre ich auch, würde meine Heimat so aussehen, wie die ihre derzeit.
Während wir sitzen kommt ein junger Mann hinzu. Unterhaltung auf Arabisch. Zu mir gewandt berichtet er, er sei seit zehn Monaten hier, suche nun einen Praktikumsplatz, um weiter Deutsch sprechen zu können. Sonst habe er keinen Kontakt, wenn die Sprachschule rum sei. Ich verstehe, was er meint. Wer schon mal eine Fremdsprache gelernt hat weiß, Sprache lebt durch sprechen.
Kurze Zeit später sitzt ein Mann auf Moutia’s Platz. Ich schätze ihn auf Mitte vierzig. Er hat Papiere auszufüllen, fragt, ob ich helfen und etwas erklären kann. Er lernt seit sechs Monaten Deutsch. In der Volkshochschule. Sein Kurs ist bald zu Ende. Auch er braucht Menschen, mit denen er sprechen kann, um die Sprache besser zu lernen. In Syrien war er Anwalt. Ich helfe, beim Ausfüllen der Anmeldung für den Kindergarten und der Einzugsermächtigung.
Ich habe eine Idee. Die Volkshochschulen bieten doch Kurse in Arabisch an. Wie es wohl wäre, wöchentlich ein Treffen abzuhalten, mit Deutschen, die Arabisch lernen und Menschen aus den Arabischen Ländern, die Deutsch lernen? Ein Deutsch-Arabischer Stammtisch, quasi. Das wäre was. Moutia findet die Idee gut. Wir tauschen Telefonnummern.
Nach einer Stunde fahre ich heimwärts. Ich habe eine Decke verkauft und eine Idee im Kopf. Ich lächle. 🙂

Hashimoto’s leaving 

Im Februar lag der Wert bei 3,8. Ich solle erhöhen, das L-Thyroxin. Letzte Woche erneuter Aderlass. Heute das Ergebnis: 0,3. Das erklärt meine Tendenz, schneller als üblich, aus der Hose zu springen. Doch das Besondere daran: Entgegen der ärztlichen Empfehlung habe ich nicht erhöht. Gar recht häufig die Tabletten ganz vergessen. Was ich erhöht habe, ist die Selbstliebe, die Selbstakzeptanz und damit die Selbstannahme. Als ich damals in dem Buch „die gesunde Schilddrüse“ las: „Vielleicht heilen sie ja sogar ihren Hashimoto“, sagte ich: „OK, mach ich.“ Und wie es aussieht, darf er jetzt ausziehen, der Herr Hashimoto. 

Nichts ist für immer 🙂 

Kurzarbeit 

Kaum haben wir beschlossen, gemeinsam selbstständig zu sein, merken wir, das harmoniert nicht. Warum? Ich stelle fest, dass ich der Vision eines anderen Menschen hinterher gelaufen bin und mich selbst darin nicht sehe. Also, besser jetzt los lassen. Nicht wieder, wie früher, mit aller Gewalt an etwas fest halten, das nicht meines ist. Nun ziehe ich mich zurück, in mich. Die Ruhe, die das Loslassen mit sich bringt, ist Balsam für meinen Geist und meine Seele.