Tschüss Muster

Verzwiefelt. Das beschreibt den Zustand am besten, in dem ich mich befand. Die Feststellung, dass das überbordende Mitteilen wieder da war, machte mir eine Höllenangst. Und jetzt? Weg. Einfach so. Weil ich einen Menschen kennenlernen durfte, der mir erklärte, welches Bedürfnis ich versuchte damit zu erfüllen. Ich dachte immer, die Abhängigkeit würde sich auf die Personen beziehen, die davon betroffen sind. DAS DURFTE NICHT SEIN! Um Himmels willen. Was habe ich versucht, diesen Drang zu unterdrücken und kam nie dagegen an. Wie ein Junkie fühlte ich mich. Dabei ging es die ganze Zeit um die Handlung. „Löcher stopfen“. Meine eigenen. Die innere Leere. Das „nichts mit sich anzufangen wissen.“

Noch während dieser verständnisvolle Mensch mir darüber erzählt, beginne ich zu weinen. Ein gutes Indiz dafür, dass er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Und das Weinen tut gut. Ich weine und mit jeder Träne, wächst das Verständnis für mich selbst. Für das Kind, dass schon im Grundschulalter das Telefonschloss knackte, um Kontakt nach außen zu haben, sich irgendwie „ganz“ zu fühlen. Nicht mehr alleine sein zu müssen. Ich weiß nicht, wie viele Abende ich alleine in dieser Altstadt Wohnung zubrachte, alle Bücher waren gelesen, alle Spiele gespielt, die man alleine spielen konnte. Später, immer noch alleine, ein neues Telefonschloß (knacksicher) wurde angebracht, plünderte ich die elterliche Telefonkasse, um Stunden lang mit meiner Freundin zu telefonieren. Von der Telefonzelle aus. Ich sehe mich noch gemütlich auf den Telefonbüchern sitzen, die Füße gegen die Wand gestemmt. Dann war die Telefonkasse eines Tages verschwunden. Das Telefon hatte eine Wählscheibe. Also brach ich den Anschlag ab, befestigte ihn mit Patex. So konnte ich ihn zur Seite biegen und trotz Schloss telefonieren. Meiner Freundin ging es nicht anders. Manchmal saßen wir Stunden, mit dem Hörer am Ohr, um gemeinsam Fern zu sehen. Jede in der elterlichen Wohnung. Bloß nicht alleine sein. Als ich berufstätig wurde, wurde das ganze langsam „gefährlich“. Das Handy Zeitalter brach an und Rechnungen von 600.- D-Mark waren fast die Regel. Klar, ein wenig hat es auch mit dem anderen Menschen zu tun, mit dem kontaktet wird. Wie Lego Steine, erklärt mir der kluge Mensch. Der andere darf die Leere füllen. Und wenn der andere auch Löcher hat, die es zu stopfen gilt, kann das sehr lange gut gehen. All die Drogen, die ich mir verabreicht habe, in meinem Leben, waren dazu da, diese Leere nicht mehr zu fühlen. Das hängen an Personen. Silvia’s persönliches Lego Sortiment. Als mit den Drogen Schluss war, brachte das einen Stein ins Rollen, der einen gewaltigen Erdrutsch nach sich zog.

Ich habe mich lange dafür geschämt, so zu handeln, wie es tat. So wie sich jeder Abhängige für seine Abhängigkeit schämt (naja, vielleicht nicht jeder, aber viele).

Jetzt habe ich darüber gesprochen. Fand Verständnis. Und auf einmal ist er weg. Der Drang, mich mit zu teilen, um Resonanz zu erhalten. Um Ganz zu sein. Denn jetzt weiß ich, was zu tun ist, um mir selbst zu genügen.

Ich bin frei, zu tun, was mir gefällt. Schließlich bin ich kein Kind mehr, das die Wohnung nicht verlassen kann. Ich kann Dinge tun, die mir Freude machen. Sprich, ich darf dieses uralte, verranzte Muster einfach loslassen. Oh, wie gerne ich das tue 🙂

Es gibt ein Lied in dem heißt es:

„Et jit tausend schöne Saache, man musse halt nur maache“

Wichtig ist, es müssen Dinge sein, die aus mir kommen. So, wie das Indoor Cycling seinerzeit. Und das Schreiben. Beschäftigungen, die mich erfüllen. Eine weitere hab ich schon gefunden. Menschen coachen. Dafür hab ich ein Händchen. Und ich helfe damit anderen. Es ist sehr befriedigend, zu sehen, wenn es anderen nach dem Coaching besser geht.

Ich habe mich viel zu lange selbst verleugnet. Wollte bestimmte Aspekte von mir nicht bei mir haben. Kein Wunder, dass es da Löcher gab. Ich habe in der Türkei, beim NLP Practitioner gelernt, alles an mir zu lieben. Meine Erfahrungen helfen beim Coaching ungemein. Eine Hypnose Ausbildung und der NLP Master werden folgen. Es gab kritische Stimmen, bevor ich dort hin fuhr. Ich bin meinem Herzen gefolgt und wurde belohnt.

Alles gut. Danke, an Herrn G.Punkt. Für Liebe und Verständnis. Danke, an Bini, der mir meine Selbstliebe zurück gegeben hat.

Eine der Grundannahmen des NLP lautet:
„Menschen haben bereits alle Ressourcen für Veränderungen in sich.“

Stimmt.

Ich wünsche allen einen erfolgreichen Tag, voll toller Erlebnisse und Wunder.

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4 Gedanken zu “Tschüss Muster

  1. Das hört sich gut an.
    Teilweise kommt es mir bekannt vor.

    Das Kind, das immer allein war, das nicht raus durfte, das nicht reden durfte.

    Es ist wirklich befreiend, wenn man sein Schweigen brechen kann. Und noch befreiender, wenn man sich „auf die Schliche“ kommt.

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