Warten auf grau

Ich habe die Nacht allein zu Haus verbracht. Eigentlich war ein Wochenende in Frankfurt geplant, mit dem neuen Business. Großes Tamtam. Schon am Mittwoch hatte ich bemerkt, wie sehr es mir widerstrebt dort hin zu fahren. Nach der Absage war mir gleich wohler. Endlich bin ich mal zu Hause. Der Herzbube ist ebenfalls verplant. Gut. Die letzten Wochen, verbrachte ich mehr Zeit in seiner Wohnung, als in meiner. Ich liebe es mit ihm einzuschlafen und aufzuwachen. Doch es ist ebenso schön, in meiner Wohnung zu sein und mal Zeit für mich zu haben. Das genieße ich an diesem Wochenende. Nun erwarte ich das Morgengrau, um in die Laufklamotten zu springen und in die Waldau zu fahren.

All die Neuerungen in meinem Leben; ich habe noch nicht wirklich meinen Rhythmus wieder aufgenommen. Für mich ist er aber wichtig. Für den eigenen Rhythmus braucht es auch Abstand. Raum. Von daher ist der neue Job des Herzbuben mehr Segen als Last. Ich selbst schaffe mir häufig zu wenig Raum. Da ist solcher ein Wechsel ganz hilfreich, beim Raumschaffen 🙂

Man bekommt immer was man braucht. Man muss nur hinsehen und es mitnehmen.

 

Einen Blick zurück ins Universum

Gestern lese ich im Archiv, was vor einem Jahr war. Vorarbeit für den Jahresrückblick. Mein Leben. Mein Universum. Was für eine Karussell Fahrt! Wie kann man sich so im Kreis drehen?
Rotation.
Sternschnuppen und Kometen zogen vorbei. Freundschaften vergingen im Sonnenwind. Neue Entstanden. Zauberhafte Welten. Ein Kommen und Gehen. Fixsterne gab und gibt es. Und auch schwarze Löcher. 

Kleine Großstadt

Schwindende Nacht.
Der Horizont wechselt
von Schwarz zu Türkis.
Davor, die Welt im
Scherenschnitt.
Knorrige Finger strecken
sich, rosa Wattestreifen
vom Himmel zu zupfen.
Jenseits des Stroms, noch
im scheidenden Dunkel funkelnd,
die Lichter der Stadt.
Ein Turm,
hundertfünfundfünfzig Meter
reflektierendes Glas.
Posttower in rosė.
Der Fluss schillert
Ton in Ton, mit der gläsernen
Konzern Festung und dem darüber
spannenden Himmelszelt.
Die Stadt reibt sich den Schlaf
aus den Augen.
Bonn erwacht.

Zehnwortgeschichte von Westendstories – Raunacht

Wir schreiben wieder gemeinsam. Westendstories bittet zu Stift. Und ich nehme gerne Platz 🙂

Raunacht.
Schwülstig intonierte der Gestaltwandler uralte Zaubersprüche.
Die alte Hexenküche, die er aufgetan hatte, war minimalistisch ausgestattet.
Den Mörser, für die Herstellung der Grundmischung, hatte er aus Blitzzement gegossen.
In diesen gab er nun die mitgebrachte Pfefferminze und die Zaubernuss.
Auch der Stößel fehlte, doch entdeckte er an der Decke einen angeranzten Klappspaten.
Das würde gehen. Flux den Stiel abmontiert und mit dessen Ende kräftig in den Mörser stoßend,
wurde aus den Zutaten ein staubfeiner Puder.
Mit der Textur zufrieden, schritt er mit dem Mörser zu der Nebelmaschine, die er im Gebrauchtwarenhaus
ergattert hatte und füllte den Puder hinein.
Beim Betätigen des Schalters gab es erst einen röchelnden Laut, dann war sie da:
Die Pfefferminz-Zaubernuss-Sahnewolke.
Welch ein Duft, welch ein Nebel. 🙂

Klasse Tag

Der Tag beginnt früh. Um zwei Uhr werde ich wach. Erst mal ausgeschlafen, setze ich mich ins Wohnzimmer. Ich habe mir am Wochenende, im Kamalashila Institut (ja, ich war wieder mal zur Auszeit bei den Buddhisten) drei neue Bücher gekauft. Thema: Persönlichlkeitsentwicklung. Klingt eher trocken, doch die Bücher sind unterhaltsam geschrieben. Man lernt über Geschichten. Das hat mir schon bei Jorge Bucay gut gefallen. Sich in Geschichten wieder finden und sich seine Gedanken dazu machen, ist interessant und bleibt eher hängen, als manche Therapie. Zudem ist es preiswerter.
So sitze ich und arbeite des Nachts an meiner Persönlichkeit. Nach eineinhalb Stunden werde ich wieder etwas müde, werfe mich noch mal meinem Plumeau in die Arme. Es nimmt mich gnädig auf. Traumloser Schlaf.
Die Taxischicht beginnt entspannt und wartet mit einem gnadenlos schönen Sonnenaufgang, über dem Siebengebirge auf. Tolle Farben, später goldenes Licht über grünen Wiesen. Ich fahre den ganzen Tag, ohne Pause. Am Ende der Schicht habe ich meinen persönlichen Rekord aufgestellt. An Euronen. Die Summe bleibt mein Geheimnis.
Bisher bin ich mit dem Tag mehr als zufrieden. Später geht’s in die Wohnstatt des Herzbuben. Welch Abrundung. Ich freue mich. Und bin immer noch ruhig. In mir. Bildlich sieht es so aus:
Ich sitze in einem gemütlichen Haus, am Fenster. Blicke hinaus. Fühle mich wohl. Das Kinn auf die Hand gestützt beobachte ich, was los ist, um mich herum. Gelassen.
Inzwischen beunruhigt mich dieser Zustand nicht mehr. Habe der neuen Person, wie empfohlen, „guten Tag“ gesagt. Sie hat sich in der Tat gefreut.

Cane, Miyagi u. Co

Die Kommunikation mit der ehrenwerten Nandalya ist immer wieder erhellend. Den Kommentar zu meinem Post „Ungewohnt“ finde ich so schön und passend; der braucht einen eigenen Beitrag. ZEN… Ich mag’s.

„Eine Zen-Weisheit: All die ganzen Jahre bist du Einkaufen gegangen mit deinen Gefühlen, bist auf die Schnauze gefallen, warst eifersüchtig und hast mit Händen und Füßen um dich geschlagen. Wie lange nur bist du herum geirrt, bis du endlich an diesen Punkt gelangt bist? Nun ist das verzweifelte Suchen endlich vorbei: Hierin liegt der Frieden und die Gelassenheit, die uns von Zazen geschenkt werden.“

Ungewohnt

Abend. Allein zu Haus. Ruhe. Um mich herum. Und in mir. Das ist nun schon länger der Fall. Dieser Zustand ist mir fremd. So fremd, dass er beinahe Unbehagen bereitet.
Freundin Piwi bemerkte schon vor einigen Wochen, dass ich vielleicht Schwierigkeiten damit hätte, weil ich immer nur kämpfend durchs Leben gegangen sei. Fehlt die „Reibung“?
Bin ich so auf Gegenwind gedrillt?
Ich fühle mich isoliert. Wie ein Beobachter. Seltsames Gefühl. Alles ist so ruhig.
Ich schätze, der Kontrast zu den letzten Monaten ist sehr krass.
Vielleicht sollte ich das einfach mal genießen.