Von Freundschaft

Bei Piwi auf dem Balkon: Wir reden. Ich wohl mehr als sie. Momentan bin ich die, mit dem Neustart. Da spricht man viel. Wie viele Neustarts haben wir gegenseitig begleitet? Wir kennen uns seit zweiunddreißig Jahren, von denen wir seit dreißig Jahren Freundinnen sind. Das Schicksal hat uns zusammen geschmiedet. Witzigerweise wollte uns ihr damaliger Freund gegeneinander ausspielen (weil ich ihn vorher verschmäht hatte), dadurch sind wir erst zu Freundinnen geworden. Das ist ihm nicht bekommen. Er verschwand, wie so manch andere/r, die das versucht haben. Wir haben Menschen kommen und gehen sehen, die dachten, sie seien Freunde. Doch wenn es darauf ankam, hielten sie alle nicht Stand. Hatten nicht die Kraft, wenn es anstrengend wurde. Bitte, das ist kein Vorwurf. Nicht alle Menschen, haben diese besondere Kraft.

Das ist das besondere an unserer Freundschaft. Wenn es drauf kommt, sind wir da. Immer. Ohne das die eine das von der anderen erwarten würde. Es ist einfach so. Auch, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und nie fühlt sich die andere überfordert. Trotz anstrengend, trotz hundert mal das gleiche anhören, trotz die Jacke vollheulen, trotz alle Zigaretten wegrauchen. Wir füttern uns. Seelisch und häufig auch physisch. Wie oft hat die eine bei der anderen übernachtet, weil die Einsamkeit drückte? Wie oft hat die eine die andere mit bekocht, damit sie nicht alleine essen musste? Wie oft hat die eine die andere mit raus geschleppt, damit sie abgelenkt war, vom Frust, oder vom Trennungsschmerz, von Hoffnungslosigkeit etcetera? Wie oft hat die eine der anderen geholfen sich im Leben neu zu plazieren? Wie viele Stunden telefoniert, bis die Ohren rauchten. Mitten in der Nacht. Während der Arbeit. Ok, nicht während dem Sex, es gibt schließlich Grenzen. Wie oft, haben wir uns unverblümt die Wahrheit um die Ohren gehauen. Immer gerade heraus. Egal, ob es weh tat. Die Wahrheit ist halt nicht immer schön. Unzählige Male. Ist die Krise vorüber, wird es oft ruhiger. Erholungsphase. Dann hat eine von beiden auch mal keine keine Lust, will ihre Ruhe. Auch das ist easy. Dann kann es auch schon mal passieren, dass ein Rückruf erst zwei Tage später kommt. Wir wissen schon, wann es beim anderen brennt oder nicht. Wir tuen uns keinen Zwang an. Manchmal hören wir zwei Monate nichts voneinander. Bis eine vorsichtige Anfrage kommt:“Alles gut bei Dir?“ Ja, alles gut. Dann läuft es langsam wieder an. Weniger häufig, doch man telefoniert wieder, trifft sich. Freut sich an der Krisen freien Zeit, feiert. Wir haben nie was gegeneinander aufgerechnet. Ein kluger Mann sagte mir letztlich:“Liebe rechnet nicht“. Genau. Und was anderes, als Liebe, ist eine solche Freundschaft?

Ich sage „DANKE!“, für die beste Freundin, die mir das Schicksal an die Hand gegeben hat. Mit der einfach alles leicht/er geht.

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2 Gedanken zu “Von Freundschaft

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