Weinen

Ich habe immer gewusst, dass es so kommt und ich bin glücklich, Recht behalten zu haben. Die Menschen haben mich oft gefragt, ob es nicht schrecklich sei, keinen Kontakt mit der Mutter zu haben. Nachdem ich meinen Frieden mit ihr gemacht hatte, kann ich nur sagen: Nein, es war überhaupt nicht schlimm. Auch ohne den visuellen Kontakt, war mir Verbundenheit möglich. Und möglich ist es jedem einzelnen. Für uns war es der bessere Weg, denn wir waren verdammt gut darin, uns gegenseitig seelische Wunden zu schlagen. Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter außer zu mir, auch zu ihren Freunden (bis auf die eine, die sich um sie gekümmert hat) jeglichen Kontakt abgebrochen hatte. Das war nach dem Tod ihres Mannes ihr Weg. Sie verließ das Haus nicht mehr.
Zurück zum ersten Satz. Ich wusste immer, sie ist mir nicht egal. Ich wusste, wenn ich die Nachricht von ihrem Tod erhalte, wird es ein paar Stunden dauern, doch dann werden die Dämme brechen. So war es. Eine Stunde früher als sonst, mache ich Feierabend. Und heule lauthals in meinen Taxibus. Dann fahre ich nach Hause. Heule wieder. Die Trauer kommt in Wellen. Und kommt sie, lasse ich mich von ihr umspülen. Ich lasse sie kommen und gehen. Das geht ein paar Stunden. Dann ist der Spuk vorbei. Ich fühle mich leer. Klar.

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