Moral, Scham oder was?

Was mir so auffällt, bin ich im Schwimmtempel, oder im Fitness: Menschen, im Alter der Kriegerin und ihrer Schwester, sogar in meinem Alter (Also die Kriegrin 62, ich 42 Jahre) leiden nicht am Textilismus. Im Gegensatz zu den Jüngeren.
Ich spreche nicht von gemischten Umkleidekabinen oder Duschen. Nein, hier entblößen und duschen sich nur Damen.
Die jüngeren Semester laufen, sich beschämt mit dem Handtuch bedeckend, durch die Räumlichkeiten, beim Duschen gerne mit dem Gesicht zur Wand gedreht. Das sehe ich immer häufiger. Gar im Bikini duschend sieht man sie. Was ist da passiert? Meist haben sie nicht mal zu viel auf den Rippen.
Ich für mich gesprochen, gebe zu: Zur Zeit extremer Dicklichkeit, neigte auch ich dazu, möglichst viel zu bedecken. Fühlte mich so jedoch immer sehr unfrei. Mein Gegenmittel hieß Sauna. Hier gab es alles zu bestaunen, was der Allmächtige an Körperformen kreiert hat. Und ich sah, ich war nicht allein. Von Saunabesuch zu Saunabesuch fiel es mir leichter, meinen Körper anzunehmen. Heute liebe ich ihn, mit allem was dazu gehört. Auch die Röllchen, die mal mehr, mal weniger sind. Auch, weil ich inzwischen weiß, was er schon mitgemacht hat, ohne mich im Stich zu lassen.
Ja, natürlich enthaare ich meine Beine. Aber nicht für andere. Ich mag das glatte Gefühl. Gegen ein bisschen Eitelkeit ist nichts einzuwenden. Aber diese übermäßige Schamhaftigkeit fällt auf. Und sie tun mir leid.

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10 Gedanken zu “Moral, Scham oder was?

  1. Einerseits scheinen in den Medien, besonders in besonders miesen Schauen in über die Maassen miesen Privatsendern die letzten Tabus und Schamgrenzen weggefegt zu werden um der Quoten willen; andererseits scheint es sich im wirklichen Leben genau umgekehrt zu verhalten: Die Schamgrenzen werden wieder höher angelegt.
    Samstäglichnachfrühstücksgesättigte Grüsse aus dem natürlichen Bembelland

    • Ja, richtig. Es mag vielleicht auch daran liegen, dass auf jenen angesprochenen Sendern im Zuge der Schamlosigkeit auch über körperliche Defizite in einer Art hergezogen wird, dass manch eine(r) denkt, dass dieses oder jenes am eigenen Körper „Nicht richtig“ ist und deshalb verhüllt werden muss.
      Diese Art der Scham schein mir rein psychologisch gesehen, sehr ungesund, da sie dazu führt, sich selbst abzulehnen.
      Ahh, sie sind zurück in heimatlichen Gefilden. Haben die Bavaren sie wieder ziehen lassen 🙂

      Gutgelaunteaufeinefrisurauffrischungfreunde Grüße aus dem sagenhaften Rheinland!

  2. Der Bikini als Schutz vor zu viel Preisgabe des eigenen Körpers ist in dem Fall recht instruktiv, wie ich finde: Es gibt ein Bedürfnis nach Privatheit, nur was das heißt u dwie das geht haben wir offenbar verlernt. Der eigene Körper ist ja mehr als das, was wir anderen zeigen, sondern das sind wir selbst. Komplette Nacktheit geht dann einher mit komplettem Kontrollverlust über das, was andere über uns denken. Davor herrscht womöglich Angst. Wir stellen uns zwar immer aus, auf Facebook, im Bikini am Strand, aber es sind immerhin – bei aller Forderung danach, dass wir uns ausstellen – noch wir, die die Aussteller sind. Am eigenen Körper wird das schwierig, wenn sich unter den Badeklamotten nicht noch ein Tattoo oder Piercing verbirgt. Wenn es gar keine Hinterbühne des Selbst gibt, wo bleibt der Schutz?

    So viel an Gedankenakrobatik am „frühen Morgen“,ich gehe jetzt frühstücken, mit meinem Körper hadern und ergänze Grüße aus dem Zwischenreich zwischen Westerwald, Rheinland und Oberbergischem. 🙂

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