Irland – Eine besondere Reise Teil 3

Das Ende rückt näher. Da auch Roland zurück muss, um ein paar Dinge zu klären, beschließe ich, mit ihm gemeinsam Fähre zu fahren.
Weil ich lieber früher fahren möchte, buchen Stena Line, statt bei Irish Ferries.
Dienstag Morgen geht es los, nach Rosslaire. Wir lassen uns Zeit. Roland fährt, während ich Gedichte schreibe. In New Ross besuchen wir ein letztes Mal ein irisches Cafe, gleich neben dem Nachbau eines Auswandererschiffes. Hier lässt sich gut die Zeit tot schlagen. Wir sind früh dran, gut durchgekommen.
Weiterfahrt, Rosslaire. Typisch. Warum sind diese Fährhafen Orte eigentlich immer so trostlos, ja hässlich?
Am Fährterminal müssen wir warten. Endlich werden wir nach einer Stunde vom Zoll gecheckt und dürfen an Bord. Schade, bei der Hafenausfahrt ist es dunkel. Die Kabine ist fensterlos, zwei Stockbetten, ein Bad. Mehr braucht man nicht. In der Bar ist es laut. Viele Menschen, unter anderem eine Schulklasse aus Frankreich. Nach zwölf Tagen irischer Stille, ist die Kakophonie fast zu viel für meine Nerven.
Wir gehen an Deck. Ich rauche meine gekauften Zigaretten um festzustellen, dass sie kein Ersatz für die Pfeife sind und die Gemütlichkeit des Ofens fehlt. Dann halt ein Jameson. Mein Gaumen stellt fest: der ist runder als der Paddy (ich werde noch zur Whiskey-Kennerin). Die Überfahrt dauert achtzehn Stunden. Die Betten sind durchgelegen, haben was von Hängematten. Aber es schaukelt, das mag ich. Am nächsten Tag um sechzehn Uhr ausschiffen in Cherbourgh. Ich fahre, weil ich ein wenig besorgt bin. Roland ist nun Monate nur links gefahren. So ist mir wohler.
Heißspornig treibe ich, ab dem Fähranleger, das Automobil voran. Bis kurz vor Rouen die Zündspule abraucht. Das Auto streikt.
Obwohl ich kein Französisch spreche, schaffe ich es, uns abschleppen zu lassen.
Nun sitzen wir in Frankreich fest. Es gibt schlimmere Orte. Ganz bestimmt mit schlimmerem Essen und unbequemeren Betten.

Vive la France !

Irland – Eine besondere Reise Teil 2

Wir sind eingeladen, bei Freunden von Roland: Jürgen und Felizitas. Zwei besondere Menschen:
Jürgen, mit weißem, langen Bart und weißem, langen Haar, wirkt ein wenig wie ein Prophet. Ein wenig gibt er sich auch so. Eine gewisse Weisheit besitzt er und aus seinen Augen blitzt es verschmitzt. Felizitas lebt mit ihm zusammen. Sie trägt langes, dunkles mit silbernen Fäden durchwirktes Haar, ist groß, schlank und wirkt fast ein wenig erhaben. Sie ist ein warmer Mensch. Ich schließe sie gleich ins Herz. Beide sind Künstler. Das Haus, von Jürgen selbst entworfen (nebenbei ist er Architekt), ist winzig und gemütlich. Ein Raum mit Küche und Hochbett, neben dran das Bad.
Es gibt italienisches Essen, von Jürgen höchstpersönlich zubereitet und leckeren Rotwein. Dazu Wasser, Brot und eine Tafel voller Musiker. Insgesamt sind wir zehn Leute, von denen acht musizieren. Die Stimmung ist fröhlich. Es ist behaglich, ich fühle mich immer noch zu Hause, woran Roland nicht ganz unbeteiligt ist.
Als wir uns verabschieden ist es wieder spät. Wieder sitzen wir Pfeife rauchend(!) vorm Kamin und unterhalten uns stundenlang.
Einen Wecker braucht es nicht, wir stehen mit der Sonne auf.

Am nächsten Tag, Roland will mich testen. Es geht in die Berge zum Braley Lake. Über kleine Bäche, Moorwiesen und Felsen geht es um den See, bis zum Top auf der anderen Seite. Von dort über den Grat wieder hinab. Es ist wundervoll hier oben. Ich fühle mich dem Himmel sehr nah, bin glücklich. Und es regt sich das Gefühl, nicht mehr zurück zu wollen.
Am Abend fahren wir dreißig Kilometer, nach Glengarriff, zu Harrington’s. Hier ist Music tonight. Als wir eintreffen ist noch nicht viel los, obschon einige Künstler schon spielen und singen. Mit der Zeit füllt es sich und Roland holt seinen Dulcimer aus dem Auto. Nachdem er ein Solo gespielt hat, begleitet er die anderen. Die Stimmung wird immer ausgelassener. Ginge es nach mir, ganz Irland stünde in den Charts. Eine Stimme großartiger als die andere und jeder scheint ein Instrument zu beherrschen. Arcodion, Dulcimer (der beeindruckt selbst die Iren), Gitarre, Percussion. Hach, es ist wunderbar, wie die ganze Kneipe singt, lacht, klatscht und tanzt.

Wanderung durch das Rabach Tal, einen Tag nach dem Barley Lake. Es gibt in Irland keine Wanderwege. Am Anfang ein Hinweisschild, dann muss man seinen Weg selbst suchen. Markus, ein Freund von Roland und seit zwanzig Jahren Wanderführer auf der Insel, begleitet uns mit seinem Hund Bella (fünf Monate alter Border Collie). Er kennt das Tal noch nicht. Doch er ist der Mann mit dem Garmingerät, was die Tücken der Topographie verrät.
Anfangs geht es über Moorwiesen, die zwischenzeitlich in Felsen übergehen, bis man am Ende des Tals auf den verfallenen Ort Rabach trifft. Hierzu gibt es eine Mordgeschichte, sie wird folgen.
Am Ende des Tals gibt es zwei Wasserfälle, die es hinauf zu steigen gilt. Wir entscheiden uns für den Rechten; den Weg hat Roland von einem alten Iren, den er ausgefragt hat. So geht es erst vierhundert Meter, über große Felsen, den Wasserfall hinauf. Am geländegängigsten ist Bella. Was für ein Hund!
Nach erklimmen des Wasserfalls, schwenken wir rechts ab. Jetzt steil ansteigende Moorwiesen, die wegen dem starken Gefälle eher trocken sind. Gleichwohl ist es nicht weniger anstrengend. Mehr als einmal danke ich in Gedanken für jede einzelne Sekunde Freeze, die genau die Muskeln gestärkt haben, die ich hier brauche: Waden, Oberschenkel, Rücken, Po. Trotzdem, ich schnaufe. Daher immer wieder die Frage, ob ich noch weiter kann. Das hier ist nicht die Waldau, wenn ich hier schlapp mache, kommt die Bergrettung. Aber, ich kann noch.
Auf dem Top angekommen, stellen wir fest, wir sind zu spät los gegangen. Den geplanten Weg zurück (den wir uns suchen müssten), der uns in der Nähe des Autos aus dem Tal spülen würde, fällt flach. Der Abstieg ist zu gefährlich, sollten wir in die Dunkelheit geraten. Die Sonne ist an manchen Ecken schon nicht mehr zugegen, und dann wird es empfindlich kalt.
Also wird es die „einfache Route“, die jedoch immer noch über schwieriges Gelände führt. Oft steil, mehrfaches kraxeln (öfter muss ich auf dem Hosenboden wo runter rutschen), felsig, glitschig, Sumpflöcher. Vier Stunden. Inklusiv Krämpfe (Roland) und Stürze (ich).
Am Ende kommen wir weit ab des Autos, an einer Schaffarm heraus. Wir sind fertig. Alle Drei.
Roland klopft am Farmhaus an, fragt die Bewonhnerin, ob sie uns gegen Cash zu unserem Auto bringt. „You just can walk.“ Sie traut dem einsamen Wanderer wohl nicht, also gesellen Markus und ich uns dazu. Markus erklärt nochmals die Lage und die Anwesenheit einer Frau, scheint ihre Sorgen zu zerstreuen. „Ok, just a minute, go to the car, i’ll help you.“
So kommt es, dass uns die Lady, July mit Namen, sieben Kilometer zu unserem Auto, ins Rabach Tal fährt und nicht mal Geld annehmen will. Wahnsinn! Hier muss man sich einfach zu Hause fühlen.
Verdienterweise fallen wir in O’Sullivan’s Pub ein. In meinen Schuhen steht das Wasser, der Rücken schmerzt, eine Muskeldehnung im Oberschenkel plagt mich. Nie hat ein Guiness so lecker geschmeckt.
Zum Schluss noch ein Lob vom Profi. Ich wachse ein Stückchen 🙂
Sechseinhalb Stunden hat die Tour gedauert. Ich war mehr als einmal an der Grenze und hab durchgehalten. Stolz schwellt meine Brust.
So vergehen die Tage. Manchmal sind wir nur. Ich habe mich selten so zufrieden und erfüllt gefühlt. Wir gehen in einem der Hotels schwimmen, in die Sauna und in diversen Lokalen bekommt man hervorragendes Essen. Wer anders denkt, sollte sich schleunigst einen aktuellen Reiseführer zulegen 😉

Noch mehr Bilder – Irland- France

Hier nochmals das Auswanderer Schiff aus New Ross, diesmal mit der dazu gehörigen Emigrant Flame. Und eine schöne Buchhandlung, gefunden auf der Rückreise

Irland – Eine besondere Reise Teil 1

Vom Bahnhof Dublin Heusten geht es weiter nach Malow, wo ich den Zug wechsle, Richtung Killarney. Im Zug gibt es einen Catering Service, was ich als Luxus ermpfinde. Roland erwartet mich schon am Bahnhof, schließt mich herzlich in die Arme. Zur Einstimmung hält er, auf dem Weg zu seinem Cottage (es sind noch gut siebzig Kilometer dort hin), an einem See, in einem der wenigen Waldstücke Irlands. Ein traumhafter Ort. Danach über Lady’s View (phantastische Aussicht), viele kleine Ortschaften, die man nicht gleich als solche erkennt und über den Healy Pass, nach Adrigole. Hier, unweit des Passes, steht das kleine Haus, in einem Mini Wald. Absolute Ruhe. Weit ab von jeglicher Flugrute, ist kein Lärm zu hören. Herrlich. Keine Handymasten stören. Das heißt, ich bin nicht erreichbar. Genau das habe ich mir gewünscht. West Cork. Hier werde ich mindestens eine Woche bleiben.
Schroffe Landschaft. Felsiges Gebirge, Wiesen, Moore, Schafe. Das nächste Haus in zwei Kilomnetern Entfernung und doch in der gleichen Ortschaft. Keine Lichtverschmutzung mindert das Strahlen der Sterne.
Ich habe ein eigenes Schlafzimmer und mein eigenes Bad. Alles ist einfach. Doch es hat alles, was man braucht. Gemütliche Unrodnung. Hier fühle ich mich wohl.
Es gibt heißen Tee und einen kleinen Imbiss. Wir reden bis spät in die Nacht.
Am nächsten morgen tappe ich in die Küche, Kaffee kochen. Ich stelle den Wasserkessel auf den Herd, nehme mein Buch und kuschele mich in den Ohrensessel. Nach einer Weile vernehme ich ein Ticken, wie von einer überhitzten Herdplatte. In die Küche tretend, trifft mich der Schlag. Ich Dummerchen! Der Wasserkessel ist ein elektrischer Wasserkocher, der untere Teil aus Kunststoff, zerfließt über der Kochplatte. Ich hechte zum Herd, packe den Topf, um ihn in die Spüle zu werfen. Kunststofffäden wehen hinter mir her. An der Spüle an gekommen, höre ich hinter mir ein Wusch!. Blick zum Herd, das Desaster. Der Kunststoff hat sich entzündet. Es brennt lichterloh. Schnell greife ich ein Küchentuch, nässe es, stürze zum Herd und ersticke damit die Flammen, wobei sich beißender Rauch entwickelt. Plastik klebt am Tuch und an meinen Händen, doch der Brand ist gelöscht. Der Herd überzogen von Plastik, der Rauch; ich vermute, nun kann ich mir was anhören.
Um zu beichten, laufe ich die Treppe rauf, stürme in Rolands Schlafzimmer:“Roland, Roland! Ich habe den Wasserkocher und den Herd ruiniert!“
„Wie?“
„Ich habe den Wasserkocher auf den Herd gestellt.“
„Der ist doch elektrisch?“
„Eben.“
Roland begleitet mich nach unten. Wie ein kleines Kind warte ich auf das Donnerwetter, das nicht kommt(?). Nicht mal eine dumme Bemerkung. Er merkt, das ich zittere und nimmt mich in den Arm.
„Ich dachte, Du schickst mich jetzt direkt wieder nach Hause“, sag ich, worauf er meint, so was könne halt passieren. Ich bin beeindruckt. So liebenswert.
Erst mal lüften wir das Haus, gleichwohl wird der Geruch uns noch drei Tage heimsuchen. Trotz Räucherstäbchen.

Alles Abenteuer

Die Betreiberin des B&B verabschiedet mich, wie eine alte Freundin: Mit einer Umarmung. Das ist Zucker!
Alle helfen. Das ist cool. Busfahrer und Mitreisende, die mir die fast fünfzehn Kilo schleppen; Guides, sprich, Menschen, die mich zur Luas (die Tram/ Straßenbahn) geleiten, damit ich den Weg finde; der lesende Opa, der am Bahnhof ein Auge auf meinen Rucksack hat, während ich mein Sandwich kaufe.
Alles innerhalb von drei Stunden.
Jetzt schaukelt der Zug mich, Achtung Klischee(!), durch grünes, von Schafen bevölkertes Land.
Will ich überhaupt ein Rückflug Ticket?
Wenn das so bleibt, muss ich da noch schwer drüber nachdenken 🙂

Erste Station

Dublin. Swords. Mit dem Taxi fahre ich dort hin. Im Radio läuft Adele – Set fire to the rain. Großartig.
Der Fahrer ist cool. Woher ich komme, fragt er. In die Antwort, Bonn, lasse ich den Beruf mit einfließen. Jetzt haben wir ein Gesprächsthema:
Klar reden wir über den fucking Job. Über Wartezeiten die zu lang und Fahrten die zu kurz sind. So, wie meine. Fuck! Ich verstehe ihn. Taxifahrer haben alle den gleichen Text 😉 Weil er trotzdem freundlich ist, bekommt er ordentlich Tip (Trinkgeld). Zum Abschied hupen, freundliches Winken.
Mein B&B ist nur vier Kilometer vom Flughafen entfernt. Andrew nimmt mich in Empfang. Das Zimmer ist klein, das Bett eine gemütliche Wolke.
Doch bevor ich mich betten darf, zeigt mir Andrew den Dining Room. Wie ein Wohnzimmer. Ich fühle mich zu Hause, was durch die Kekse, die ich zur späten Stunde zum Tee gereicht bekomme, noch verstärkt wird.
Danach endlich Ruhe.
Beim Auspacken der nötigsten Utensilien stelle ich fest, ich hab die Zahncreme vergessen. Dann eben Bürste pur. Andernorts kauen sie Äste, um die Zähne zu reinigen. Ich hab wenigstens Borsten. In der Tasche finde ich Zahnpflege Kaugummi. Er vermittelt die Illusion, ich hätte Zahnpasta gehabt 🙂
Die Recherche im Netz ergibt, dass es in vierhundert Metern ein Einkaufszentrum gibt. Da werde ich mich morgen komplettieren.
Ab morgen Abend wird dann auch hier, im Blog, Ruhe einkehren. In Beara. Ohne großartige Netzverbindung. Dafür Verbindung mit der Natur. Pur. Bei Roland in der irischen Wildnis. Doch erst mal führt die Reise nach Killarney.

Irland Impressionen

Ich wünsche viel Vergnügen beim schauen. Ein wunderbares Land.