Fiffi

Morgens am Bahnhof sieht man immer die gleichen Menschen. Die Business People und die, die wenig, bis keine Hoffnung haben und sich treffen, um gegenüber vom Hotel Continental gemeinsam Bier zu trinken. Sich treffen, um in ihrer Hoffnungslosigkeit ein wenig Halt und Wärme zu finden.
Der Platz ist der gleiche, an dem auch ich mich damals einfand, mit meinen Lila Haaren. Heute sind die Haare der Menschen nicht mehr bunt.
Viele der Punks, die damals meine Familie waren (und leider längst gegangen sind), kamen aus intellektuellen Familien. Punk sein war ihr Statement. Fuck the System die Devise.
Um zum Fiffi zu kommen:
Die Menschen, die heute biertrinkender Weise dort sitzen sind keine Punks. Eher streunende Hunde. Und viele haben Hunde. Einer, der jeden Morgen dort sitzt (auf einem kalten Metallsims) hat einen Jack Russell. Ich denke, dass sich beide den Arsch abfrieren. Dem Hund sieht man sogar an, dass er nicht auf dem kalten, nassen Boden sitzen mag.
Ich durchsuche mein Auto — und werde fündig. Die Telekomwerbung für mein Taxi beinhaltete auch eine Werbemanchette für die Kopfstütze. Verarbeitet ist das Teil, wie die Kissen für Wanderer: eine Seite gummiert, die andere Seite Stoff, ein Schaumstoffkern. Auseinandergerollt lang genug, um daraus zwei Sitzpolster zu basteln. Ich schnappe mein Multitool, schneide das Ding in zwei Hälften, gehe zu dem Menschen mit dem Jack Russell:“Morgen, ist das nicht ein wenig kalt am Hintern, für Dich und den Kleinen?, frag ich. „Ich hätte eine Unterlage anzubieten.“
Für sich lehnt er ab, doch für den Fiffi die nimmt er dankbar an. „Der würde sich freuen.“ Ein Lächeln. Ich lege dem Kleinen die Unterlage hin, die er sich mit den Vorderpfoten auch gleich unter den kleinen Hundehintern drapiert.
Kurze Verabschiedung. Ich hab zu arbeiten. Und zu lernen.

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21 Gedanken zu “Fiffi

  1. Pingback: Keine Pauschalisierung bitte | Tüpflischiesser

  2. Leider sind die bunten „Hunde“ von damals (wer immer das war) heute nicht mehr, die Originale sterben aus, was nachkommt ist durch die gesellschaftlichen Normen verformt.
    Ein schöner Text über einen wahren Tierfreund. Ernst

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