Korrektur

Es fällt mir schwer, mich zum Lernen zu motivieren, wenn keine Etappenziele vorhanden sind. Gäbe es Hausaufgaben zu erledigen, um den Kenntnisstand zu überprüfen oder Zwischenprüfungen wäre die Motivation kein Problem. Ebenso knicke ich beim Sprachen lernen ein. Das geht zwei Monate gut (bei Spanisch war es so), dann fährt der Sprachkurs ein Jahr in meiner Tasche mit spazieren und wartet darauf im Regal zu landen.
Hat jemand einen Tipp für mich, wie ich das verbessern kann? Dann, her damit!
Oder es gibt die andere Variante, wie jetzt am Wochenende, Wissen als Druckbetankung. Sofort für die Prüfung abrufen und danach (im Idealfall als Kursleiterin) praktisch umsetzen (und somit verankern).
Ich habe den Eindruck, es liegt an dem Gefühl, dass es nicht weitergeht, was am fehlenden Etappenziel liegt.
Es scheint mir ähnlich, wie ein Lauf am dunklen Rheinufer von der Kennedybrücke zum Langen Eugen. In der Dunkelheit sieht man nicht viel von der Bebauung, woran man sehen könnte, dass man wirklich voran kommt. Und das verdammte ehemalige Abgeordneten Hochhaus, mit dem lustigen Namen kommt einfach nicht näher, bis man fast davor steht.
Der Lauf (nur vier Kilometer) erscheint einem dadurch endlos und man ermüdet.
So ähnlich ist das Lernen ohne Etappenziel.

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13 Gedanken zu “Korrektur

  1. Das gute alte „Der Weg ist das Ziel“? Beim Laufen das Laufen genießen, den Körper spüren, die Fußsohlen auf dem Boden. Beim Lernen das Interesse am Stoff als Motivation, statt die Prüfung bzw. den Ausweis.

    Fällt natürlich nicht immer leicht, v.a. wenn man etwas tatsächlich nur tut, um das Ziel zu erreichen.

  2. Wenn ich mir eine Frage an die „Dame von der Burg“ erlauben darf:
    Was tun, wenn sich die „Freude am Jetzt“ einfach nicht einstellen will?

    Ist dann das Ziel in Frage zu stellen?
    Wäre das ein hinreichender Grund das Ziel aufzugeben?
    Oder konsequent zu Ende gedacht:
    Kann eine richtige Zukunft ein falsch (oder gar nicht) empfundenes Jetzt rechtfertigen?
    Oder, ganz praktisch, erledigt sich das Ziel von selbst, wenn man den Weg nicht geht?
    Wie ist in diesem Zusammenhang „durchhalten“ zu bewerten?
    (Prinzipiell, und speziell, wenn man deutsch sozialisiert ist?)

    Liebe Silvia, ich will nicht Deinen Blog „missbrauchen“. Selbstverständlich obliegt es Dir, wie Du mit meiner Frage verfährst. Ich finde den Einwand der „Dame von der Burg“ brilliant, weil brilliant einfach. Gerade deshalb drängen sich mir aber die Fragen auf.

    • Liebe Leserin,
      ich antworte jetzt mal, obwohl Du die Frage an die Dame gerichtet hast.
      Ja, brillant einfach. Stimmt. Und der Weg ist das Ziel, ist inzwischen häufig mein Leitspruch. Beim Laufen zum Beispiel geht’s mir ums Laufen, nicht mehr darum irgendwo anzukommen. Oder Zeiten zu unterbieten. Ich genieße den Lauf.
      In diesem speziellen Fall erledigt sich das Ziel (nämlich Indoor Cycling Kurse zu leiten) in der Tat von selbst, wenn man den Weg der Ausbildung nicht geht. Denn kein Studio stellt jemanden ein, der nicht lizenzierter Instructor ist.
      Ich habe nun lediglich einen schnelleren Weg eingeschlagen, die Autobahn, könnte man sagen.

      So. Das dazu, soweit es mein Empfinden und meine Meinung betrifft. Den Blog betreffend kann ich Dich beruhigen. Mein Blog fühlt sich nicht „missbraucht“ (ich übrigens auch nicht 😉 )
      Diskussionen bereichern das Leben. Man kann viel daraus lernen, Menschen beim Diskutieren zuzuhören und sich verschiedene Standpunkte und Fragen aufzeigen zu lassen.

      Herzliche Grüße,
      Silvia

    • Liebe Leserin,
      warum das ursprüngliche Ziel in Frage stellen, wenn sich die “Freude am Jetzt” nicht einstellen will? Das eine muss nichts mit dem anderen zu tun haben, was ja die ursprüngliche Frage von Silvia war. Den Weg als (ein) Ziel zu sehen, wäre eine Veränderung des Blickwinkels, die zu mehr Freude am Tun beitragen kann. Aber ist bestimmt nicht für alles geeignet. Wenn ich in der Wüste als Verdurstende nach Wasser lechze, kann ich dem „Weg“ nur eine bestimmte Zeit lang was abgewinnen, wenn ich das „Ziel“ nie erreiche.

      Du hast dann die Frage aufgeworfen: „Kann eine richtige Zukunft ein falsch (oder gar nicht) empfundenes Jetzt rechtfertigen?“
      Kann, warum nicht. Das liegt aber in dem persönlichen Empfinden und Bewerten jeder Einzelnen. Ich konnte z.B. nie verstehen, wie Menschen 40 Berufsjahre lang vor sich hinleiden in der Hoffnung auf 20 schöne Rentenjahre danach, die dann vielleicht nie kommen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, mich eine zeitlang in was reinzuknien oder was zu entbehren, um mir etwas Ersehntes zu gönnen. Wo das Verhältnis „falsch/nicht empfundenes Jetzt“ zu „richtige/mir wichtige Zukunft“ gar nicht mehr passt, wird es mit der Motivation, eine lange Durststrecke durchzuhalten, wohl schwer. Beispiel: eine Fremdsprache lernen, die man derzeit nicht anwendet, fällt deutlich schwerer, als wenn man weiß, dass man in absehbarer Zeit ins Ausland auswandert und ohne die Sprache da nur schwer zurecht kommen wird.

      Und ja, manchmal erledigt sich das Ziel von selbst, wenn man den Weg nicht geht. Ein Beispiel dafür hat Silvia selbst schon gebracht.

      Wie ich „Durchhalten“ bewerten würde (egal ob deutsch oder nicht deutsch sozialisiert): Sich über das eigentliche Ziel im Klaren werden und dann ist das Durchhalten plötzlich zweitrangig. Ein Klassiker: Ich will 5 kg abnehmen, weil ich mich dann in die alten Klamotten passe (Ziel 1) und mich insgesamt besser fühle (Ziele 2), fitter bin (Ziel 3) und attraktiver werde (Ziel 4).
      Ziel 1 erreiche ich tatsächlich nur mit Energie-Output > Input (oder einer OP…) Ziel drei kann ich auch (nur) damit erreichen, meine Kondition zu verbessern. Dafür muss kein einziges Kilo fallen. Ziel 4 werde ich unter umständen mit dem Weg Abnehmen gar nie erreichen ;-), Ziel 2 KANN erreicht werden mit Ziel 1, wird aber wenig lange anhalten, wenn mein Selbst(wert)gefühl nicht nur mit dem Gewicht zusammenhängt. Da ein Teil von mir ahnt, dass das einzige Ziel, das ich hier wirklich mit „durchhalten“ erreiche, Nr. 1 ist und die anderen eher nicht, wird die Diät/Sport etc. meist eine halbherzige Sache und versandet.

      Oder kürzer: Manch einer bricht ein Jura-Studium im 3. Jahr ab, weil er spät herausfindet, dass er gar nicht wirklich Anwalt/Jurist werden will bzw. es auch andere Wege zu Erfolg, Anerkennung, Geld, Zufriedenheit (oder was auch immer man sich davon verspricht) gibt, die mehr seinen Interessen entsprechen. Andere halten lange Studienjahre durch, weil sie schon immer davon träumten, ein Heilmittel für Krebs zu entdecken. Nur schon die Möglichkeit dazu trägt sie über lange „Durchhalte“-Strecken…

      Liebe Leserin, du ahnst es, Silvia weiß es bereits, da sie mich kennt: Ich sträube mich gegen allgemeingültige Losungen/Lösungen. Daher finde ich meinen Einwand auch alles andere als brilliant, sondern es ist lediglich ein anderer Blick auf das „Problem fehlende Motivation“, der vielleicht zu einer persönlich stimmigen Lösung verhilft.

      tldr: jede/e so, wie es am besten für sie/ihn funktioniert um das, was persönlich wichtig ist, zu erreichen

      • Witzig, liebe Dame. Denn das Gleichnis mit der Wüste kam mir auch. Schleppe mich eine Düne rauf, wunderbare Landschaft, aber Durst für zehn. Oben auf dem Kamm sehe ich was? Noch mehr Wüste.
        Das kann einen schon mürbe machen.

        Gruß,
        Silvia

      • Liebe Dame von der Burg, herzlichen Dank für Deine sorgfältige Antwort und die eingeflossene Zeit.
        Ziele, setzen und erreichen sind bei mir gerade Thema.
        Auf mein Leben zurückblickend, sehe ich, dass ich in wichtigen Bereichen Ziele verfolgt habe, die mir im Nachhinein nicht mehr relevant erscheinen. Z.B. in der Erziehung meiner Kinder, wo ich mich heute frage, warum ich unterwegs Ziele nicht einfach aufgegeben und neue formuliert habe. Dabei denke ich mir, dass der Mangel an „Freude am Jetzt“, wie überhaupt ein Mangel an Empfindung, ein wichtiger Hinweis gewesen wäre, den ich aber im Interesse eines höheren Zieles überhört habe.
        Fast alles lässt sich positiv reframen, wenn man es darauf anlegt. Trotzdem spüre ich ganz generell immer mehr Widerstand, Dinge durchzuziehen, die sich nicht unmittelbar gut anfühlen. Verweigern und dann nicht weiter zu kommen, frustriert mich auf die Dauer allerdings auch.
        Es ist wichtig für mich rauszufinden, wann ein Widerstand, eine Unlust usw. ein Korrektiv ist, denn meine Lebenszeit wird kürzer. Wann gebe ich mich dem Fluss des Lebens hin und wann leiste ich (mir) Widerstand wird zu einer immer wichtigeren Überlegung.
        Und selbst beim so einleuchtend erscheinenden Beispiel vom Verdursten in der Wüste kann es einen Punkt geben, wo den Kampf aufgeben, sich hinsetzen und den Tod als einen Freund empfangen, die bessere Alternative ist.
        Nochmals danke, auch an Silvia!

      • Nochmal an die Leserin (ich komme nicht ganz zurecht mit der Reihenfolge der Anworten hier):

        Wie gut kenne ich diese Ungewissheit, ob ich z.B. „zu faul“ bin oder es ein wichtiger Hinweis ist, auf den ich hören darf. Eine Standardantwort gibt’s darauf nicht, nur das Vertrauen in sich selbst, auf Spurensuche zu gehen, sich selbst zu erforschen, auszuprobieren und vor allem aufzuhören, es „richtig“ machen zu wollen. (Meine ewige Herausforderung 🙂 ).

        Und nochmal zum Beispiel Wüste: Wenn die innere Stimme sagt, jetzt ist Zeit sich hinzusetzen und seinen Frieden zu machen statt weiterzukraxeln, dann braucht es genauso viel Mut darauf zu hören wie es Kraft braucht, die Stimme zu übertönen oder wegzudrücken und weitergehen. Aber was, wenn nur noch 1 km gefehlt hätte bis zum Brunnen? Ja, was dann. War es „falsch“, sich ins Sterben zu geben? Wer sagt schon, was richtig ist… Du selbst, für dich. Und trägst die Konsequenz.

        Manchmal helfen „Hilfsfragen“: Wieso glaube ich, dass etwas richtiger ist als etwas anderes? Was würde ich tun, wenn ich nur noch 10 Tage zu leben hätte? Was, wenn es dann doch weitergingen, sogar noch Jahrzehnte lang? Was hindert mich daran, eine Entscheidung später zu verändern? Wäre das alles noch wichtig, wenn ich ganz (wo)anders lebte?

        Es ist ein Abenteuer, sich selbst besser kennenzulernen und dadurch freier zu werden (NICHT sich zu verbessern). Eines, das ein Leben lang dauert und Mut braucht. 🙂

  3. Aber die Etappen kannst Du Dir doch selber setzen? 😉
    Natürlich bedarf es dennoch Motivation und keiner Selbstüberlistung … Aber EIGENTLICH kannst Du das ja sehr gut….? 🙂

  4. „nur“ heißt, dass ich oft genug „nur“ für eine Prüfung gelernt hatte, weil ich sie haben musste – der Stoff interessierte mich Null – um etwas anderes, das mir wichtig war, zu erreichen. Da war mir dann das übergeordnete Ziel Motivation dafür. Aber du hast ja nach Wegen gefragt, wie du ohne (Etappen-)Ziele etwas schaffst. Und sonst stimme ich lilasumpf zu: die Etappen kürzer setzen, wenn sie (noch) zu weit scheinen.

  5. Nochmal, ein letztes Mal, an die Dame von der Burg:
    Danke auch für diesen Kommentar und besonders für die Hilfsfragen, speziell für die erste.
    Ich vermute, es ist eine systemische Stimme, die da aus den Weiten des Netzes zu mir spricht!
    Und Du hast schon recht, nur ich kann mir sagen, was für mich richtig ist.
    Was ist der Mensch? Manchmal erschecke ich vor meiner eigenen Größe.
    Liebe Grüße an Silvia und Dich

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