Noch mehr kleine Tode

Wen man alles zurück lässt. Es gibt Menschen, die gehören mit zum Alltag. Doch ist einem das nicht bewusst, bis man erkennt, auch diese Menschen wird man zurück lassen. Meine Dialyse-Patienten. Huh, jetzt hab ich ein wenig Pipi in den Augen. Das wird noch was, Ihnen zu erklären, dass ich gehe.
Vor allem bei meinem Mr. Chairman. Vor sechs Jahren seine Frau verloren, ist er ein einsamer Wolf. Hat außer seinem Nierenleiden noch andere Baustellen.
Dem Alter nach könnte er mein Vater sein. Auch die Ruppigkeit ist sehr ähnlich. Und ich weiß, er hängt an mir. Weil wir uns gegenseitig „zanken“. Immer freundschaftliche Knuffer. Ich Fröhlichkeit mit bringe, wenn ich ihn abhole. Und weil ich für ihn die Genehmigung für die Fahrten bei der Krankenkasse beantragen gehe, damit er nicht so weit fahren muss, ohne dafür extra Geld zu verlangen. Es sind die Kleinigkeiten.
Letzte Woche bot er mir das Du an, was ich jedoch nicht fertig bringe. Ich fahre ihn schon so lange, wir verstehen uns fantastisch, so wie es ist. Ich sage ihm, dass „Du“ würde sich für mich seltsam anfühlen, was er auch ohne beleidigt zu sein akzeptiert.
Das wird ein schwerer Abschied. Es wird weh tun. Beiden.

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4 Gedanken zu “Noch mehr kleine Tode

  1. Liebste Silvia …
    mit einer festen Umarmung….
    M.M.
    ******************

    „Ein Taxifahrer aus New York schrieb: Ich wurde zu einer Adresse bestellt, wo ich einen Fahrgast abholen sollte. Als ich ankam hupte ich laut. Nach ein paar Minuten Wartezeit hupte ich erneut. Da es die letzte Fahrt meiner Schicht war, wollte ich bereits weg fahren, es dauerte mir zu lange. Aber stattdessen parkte ich das Auto, ging zur Tür und klopfte…

    “Nur eine Minute”, antwortete eine gebrechliche, ältere Stimme. Ich konnte hören, wie etwas mühsam über den Boden gezogen wird.

    Nach einer langen Pause öffnete sich die Tür. Eine kleine Frau über 90 Jahre stand vor mir. Sie trug ein Kleid und einen Hut mit einem Schleier, wie jemand aus einem 40er-Jahre-Film.

    An ihrer Seite stand ein kleiner Koffer. Die Wohnung sah leer aus, als hätte dort seit Jahren niemand gelebt. Alle Möbel waren mit Tüchern bedeckt. Es gab keine Uhren an den Wänden, alle Schränke waren leer. Es gab nicht einmal Geschirr in der Küche. In die Ecke war ein Umzugskarton gefüllt mit Fotos und Glaswaren.

    “Würden Sie meinen Koffer zum Auto tragen?”, bat sie mich. Ich legte den Koffer in den Kofferraum und kehrte dann zurück um die Frau zu unterstützen. Sie nahm meinen Arm und wir gingen langsam zum Taxi.

    Sie dankte mir für meine Güte. “Kein Problem”, sagte ich ihr, ”Ich versuche Sie nur genauso zu behandeln, wie ich es wollen würde, dass meine Mutter auch so behandelt wird.”

    “Oh, du bist so ein guter Junge, sagte sie. Als wir im Taxi saßen, gab sie mir eine Adresse und fragte: “Können sie mich durch die Innenstadt fahren?”

    “Es ist nicht der kürzeste Weg”, antwortete ich schnell.

    “Oh, das macht nichts”, sagte sie. “Ich habe es nicht eilig. Ich bin auf dem Weg zu einer Sterbeklinik.“

    Ich schaute in den Rückspiegel. Ihre Augen waren glänzend. “Ich habe keine Familie” fuhr sie fort mit einer weicher Stimme. “Der Arzt sagt, ich habe nicht mehr sehr lange.” Als ich das gehört habe, da musste ich einfach das Taxameter abschalten: “Welche Route soll ich nehmen?”

    Für die nächsten zwei Stunden fuhren wir durch die Stadt. Sie zeigte mir das Gebäude, wo sie einmal als Aufzugswärterin gearbeitet hatte.

    Wir fuhren durch das Viertel, wo sie und ihr Ehemann als Ehepaar lebten, an einem Möbellager, der einst ein Ballsaal gewesen war, wo sie als junges Mädchen tanzen ging.

    Manchmal bat sie mich langsam an einem bestimmtem Gebäude oder einer Ecke zu fahren. Sie starrte in die Dunkelheit und sagte nichts.

    Als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont erschien, sagte sie: “Ich bin müde. Es ist Zeit“ Wir fuhren stillschweigend zu der Adresse, die sie mir gegeben hatte. Es war ein niedriges Gebäude, wie ein kleines Erholungsheim mit einer Einfahrt.

    Zwei Pflegekräfte kamen zum Taxi. Sie waren besorgt und beobachteten jede Bewegung. Sie müssen sie erwartet haben.

    Ich öffnete den Kofferraum und nahm den kleinen Koffer und stellte ihn vor die Tür. Die Frau saß bereits im Rollstuhl.

    “Wie viel schulde ich Ihnen?” In dem Moment bat sie die Pflegekräfte ihr ihren Geldbeutel zu reichen.

    “Nichts,” sagte ich. „Aber Sie müssen doch ihren Lebensunterhalt verdienen“ antwortete sie.

    „Liebe Dame, unser Herr Jesus Christus der für unsere Sünden gestorben, hat das auch kostenlos für uns getan. Damit jeder der an ihn glaubt, das ewige Leben hat. Liebe Dame wollen sie diesen Jesus annehmen, der ihnen ewigen Leben gibt? Er ist für sie so kostenlos, wie die Taxifahrt die sie heute von mir bekommen haben.

    Ohne in dem Moment nachzudenken, beugte ich mich zu ihr und gab ihr eine herzliche Umarmung. Sie drückte mich fest an sich heran.

    “Sie haben einer alten Frau einen kleinen Moment der Freude geschenkt,” sagte sie. “Danke.”

    Ich drückte ihre Hand und ging dann in Richtung Sonnenaufgang zum Taxi… Hinter mir schloss sich eine Tür. Dieses Geräusch kam mir vor, wie das Abschließen eines Lebens.

    Ich holte keiner weitere Passagiere mehr und fuhr ziellos in Gedanken versunken durch die Gegend. Für den Rest des Tages konnte ich kaum sprechen. Was wäre passiert, wenn ich mich geweigert hätte, diese Fahrt zu machen oder nach dem ich gehupt habe, einfach weggefahren wäre?

    Rückblickend glaube ich nicht, dass ich je etwas Wichtigeres in meinem Leben getan habe.“

    (Autor unbekannt)

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