Ein Jammertal

Bin ich. Nachdem ich am Nachmittag, nach der Panikattacke eine Stunde geschlafen habe, fahren wir zum Essen. Ich weiß, eigentlich sollte ich gerade jetzt keinen Alkohol trinken. Trotzdem gönne ich mir einen Halben Chardonnay. Ich habe große Lust mich zu ersäufen. Es wird nicht am Wein liegen, aber nach Nierenschmerzen am Vormittag, der Panikattacke am Nachmittag nun Magen und Unterleibsschmerzen. Ich möchte kotzen. Nicht weil mir übel ist, sondern weil ich das überirdisch ätzend finde.
Morgen werde ich wach und stelle fest: War alles nur ein Traum. Geht das bitte?

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Nervenbündel

Manch einer sagte, ich solle mir sehr viel Ruhe gönnen im Urlaub. Recht hamse. Die nächste Panikattacke lässt nicht lange auf sich warten und sie ist so heftig, dass ich mit dem Gedanken spiele, in eine Klinik zu fahren. Von wegen Herz untersuchen.
Auch bin ich übermäßig schreckhaft. Das Geräusch einer fallenden Stecknadel vermag mich zu aufzuschrecken. Der Herr Gemahl sorgt sich rührend. Und doch behält wenigstens er die Nerven, erinnert daran, dass auch die letzten umfangreichen Untersuchungen ergaben, dass mein Herz kerngesund ist, dass es jedesmal zu großer nervlicher Druck war, der mir diesen Druck in der Herzgegend bescherte.
Und, dass es immer dann passiert, wenn die Belastung nachlässt.
Er hat recht. Was für mich bedeutet, eine noch ruhigere Kugel schieben.
Und wieder einmal erheblich weniger Kaffee trinken.
Gut, dass ich den Freeze Kurs nicht bekommen hab. Der wäre derzeit glatt zu viel.

Silvia und die Kunst

Wir sind auf einem Kunst-und Handwerker Markt in Haría. Eine Malerin hat hier Ihren Stand. Ein Bild lässt mich nicht mehr los.
Palmen im Sturm. Sehr düster, doch zum Sterben schön. Recht groß. Öl auf Holz. 120€ Tacken. Ich kämpfe mit mir.
Bin ja noch mit einem anderen Bild verabredet.
Ich glaub ich lass das. Zu dem anderen Künstler hab ich mehr Bezug 🙂

Komatös

Erst das falsche Haus. Zum Glück, das wäre ein Griff ins Klo gewesen.
Die richtige Villa, mit der zuerst noch geschlossenen Pforte, steht genau so da, wie auf den Fotos. Wahnsinn, wir haben drei Terrassen, alle mit Tisch und Stühlen. Ich kann jeden Tag woanders schreiben, sogar vor dem Schlafzimmer in der oberen Etage haben wir eine riesige Terrasse. Wahnsinn!
Zwei Badezimmer, beide (!) mit Badewanne.
Drei Schlafzimmer, Ok eines hätte gereicht, aber sie sind nun mal da.

Nachdem wir den Einkauf erledigt haben (Selbstversorger), sinken wir an unterschiedlichen Plätzen nieder und fallen für zwei, drei Stunden in einen komatösen Schlaf, erwachen gleichzeitig, sind kurz verwirrt (wo bin ich?). Ein Kaffee bringt auch die letzten Lebensgeister zurück.

Jetzt sitzen in einer Tapas Bar, an der Promenade, mit nachsichtigem Personal (es dauert, bis ich mein bisschen eingerostetes Spanisch reaktiviert habe) , spanische Gitarrenmusik, voller Bauch, ein Glas Weißwein und auch der Druck in der Brust lässt nach.

Angekommen 🙂

Flug

Der Flug gestaltet sich angenehm. Nicht ausgebucht, deshalb auch die eigenen Sitzreihen.
Allerdings spüre ich die Höhe noch heftiger als sonst. In mir blubbert es. Als hätte ich Blasen im Körper. Das habe ich auf längeren Flügen schon häufiger festgestellt. Auch, der Druck in der Herzgegend, beim Sinkflug ist mir nicht neu. Aber heute – es stolpert, eine Panikattacke stellt sich ein. Schweißnasse Hände. Ich setze mich gerade hin und atme ruhig vor mich hin, merke es beruhigt sich.
Wenn ich zurück bin, werde ich das endlich mal dem Doc erzählen. Ganz normal ist das nicht, schätze ich.
Schon kurios. Scheint, ich tauge eher zum Perlentauchen. Als ich ungefähr zehn war, konnte ich mich auf fünf Meter absinken lassen und mich auf den Beckenboden setzen. Da hatte ich keine Probleme. Das ist aber auch zweiunddreißig Jahre her 😉

J W D

Ok, die „Villa“ ist recht weit weg vom Geschehen. Hier habe ich eins auf jeden Fall: Viel Ruhe.
In den Ort kommen wir entweder nur mit dem Auto oder per Taxi. Sei’s drum. Ein kleines Problem gibt’s mit dem Bezug. Die Pforte ist nicht unlocked, wie angekündigt. Egal, ich habe telefoniert, es will jemand kommen und öffnen. Die Rede ist von 15 Minuten. Wir warten.

Hotline

Wir haben einen Parkplatz mit Shuttle Service reserviert. Am Betriebsgelände der Schuttle Firma ist alles dunkel, das Tor geschlossen. Siegessicher zücke ich die Handgurke, wähle den angeblich vierundzwanzig Stunden heißen Draht, an dem auch beim zwanzigsten Anruf die Quatschbox mitteilt, dass ich niemanden erreiche. Ich spüre, wie die Zerberus Seele erwacht. Ich möchte kurz Amok laufen, bin kurz davor ein Taxi zu bestellen, als ein junger Typ in einem Beetle anrauscht. Er wirkt irritiert, ob des geschlossenen Tors und bedeutet uns zu folgen. Es geht einmal ums Gelände herum, zu einem anderen Tor. Endlich werden wir den Maschit los und werden pünktlich am Check in abgeliefert.
Die Koffer sind aufgegeben. Noch eineinhalb Stunden bis zum Take Off.
Die Zerberus Seele gibt Ruhe.
Der Urlaub darf beginnen.