Die Einladung

Eine Freundin lädt zum Geburtstag.
Darüber freue ich mich. Und ich möchte mir die Entscheidung offen halten, spontan entscheiden, ob ich Lust habe, auf eine Party zu gehen.
Das teile ich ihr auch so mit.
Darauf bekomme ich die Antwort, dass sie über meine Spontanität enttäuscht sei, weil wir uns eh so gut wie nicht mehr sähen.
Das stimmt. Wir sehen uns eher selten. Mal zwischendurch, beim Einkauf.
Es ist so, dass wir Luftlinie 250 Meter auseinander wohnen, ein, inzwischen, gänzlich unterschiedlicher Freundeskreis und unterschiedliche Interessen, lassen nicht viel Spielraum.
Und, zugegeben, war ich auch in den letzten Jahren wenig bemüht, daran etwas zu ändern. In den letzten Monaten sind auch meine Anrufe bei ihr immer mehr eingeschlafen.
Das ist der Teil, der von meiner Seite aus nicht bedient wird.

Sie sieht aber nicht, dass sie ihrerseits nicht versucht, daran etwas zu ändern. Denn die Distanz zwischen unseren Behausungen ist auch von ihr aus nicht größer, als umgekehrt. Das ist eine reine Feststellung. Ich wiege nicht auf, wer sich bei wem wie oft gemeldet hat. Bei dem Spiel gewinnt nämlich keiner.

Für mich ist es ein wenig so, als würden wir auf verschiedenen Kontinenten leben. Ich fühle mich trotz der Distanz, durch die oben angeführten Punkte, freundschaftlich verbunden, wenn wir uns auch immer weiter entfernen.

Allerdings sehe ich nicht, weshalb ich mich zu der Annahme einer Einladung verpflichtet fühlen muss, weil wir uns sonst fast nie sehen. Sicher, sie ist enttäuscht, weil sie etwas anderes erwartet hat.
Und ich ja nicht abgesagt.
An dem Umstand des öfter sehen könnte man ja etwas ändern, wenn uns so sehr daran gelegen wäre.

Jedoch ist es für mich Ok, so, wie es ist.

Ist mir nach feiern zumute, werde ich hingehen und wenn nicht, lasse ich es bleiben. Ich denke nicht, dass der Beweis, dass mir jemand wichtig ist, von der Zusage zu einer Party abhängt.

Ich möchte nur noch machen, wozu ich wirklich Lust habe. Wenigstens, so weit das möglich ist.

4 Gedanken zu “Die Einladung

  1. Oh je, das kenne ich nur zu gut … Die Enttäuschung scheint auch daran zu liegen, das der andere irgendwie merkt, das es für einen selbst wirklich in Ordnung ist, wie es ist. Mir nimmt das auch nichts an meinen trotz vorhandenen Verbundenheitsgefühl. Ist aber für die meisten schwierig zu verstehen. Ich halte es mittlerweile genauso wie Du. Einen schönen Tag Dir.

    • Von einer anderen Silvia, aus einer anderen Zeit, weiß ich, dass das auch etwas mit dem Selbstwertgefühl zu tun hat.
      Ich war früher auch gekränkt, wenn Leute nicht zusagen, weil ich das immer auf mich bezog.
      Zu der Zeit bin ich auch noch auf Parties gegangen, auf die ich eigentlich keine Lust hatte und habe mich durch den Abend gequält, weil es ja hätte sein können, dass man mich nicht mehr „lieb hat“, wenn ich mich gegen die Party und damit für mich entscheide.

      Ich bin sehr froh, dass ich das weitestgehend abgelegt habe.

      Dir auch einen schönen Tag.

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