Schreibprojekt von Westendstories, Part II

Gehetzt betrat sie den Supermarkt.
Sie brauchte dringend ein Geschirrhandtuch, oder besser zehn davon. Außerdem einen Wäschekorb. Auf dem Weg zur Kasse, ergatterte sie noch Gummistiefel aus dem Sonderangebot. Die fielen bestimmt nicht durch.
Sie musste wirklich lernen, sich zu beherrschen. So ging es nicht weiter.

Als sie mit ihrem Einkauf die Wohnung betrat, schlug ihr der metallische Geruch von Blut in die Nase und der Zerberus in ihr begann gierig zu knurren. Sie betrat das Wohnzimmer und sah die Sauerei, die ihr wahres Ich hinterlassen hatte.
Das Blut stand bis zur Tapetenabschlusskante und mitten im Raum lag alles, was von ihrem Raubzug übrig war. Ein Zebrafell. Sie war also wieder nachts im Zoo gewesen, um den Zerberus in sich zu befriedigen. Nicht lange und sie musste wieder mal umziehen.

Zur Musik der Ramones begann sie, die Gummistiefel an den Füßen, die Spuren des Schlachtens zu beseitigen. Immer wieder warf sie die Geschirrtücher ins Blut, wusch sie in der Badewanne aus, um wieder und wieder das Blut damit aufzunehmen. Es war schon dabei zu gerinnen, so mochte der Zerberus es nicht mehr.

Als sie gegen Abend endlich fertig war, warf sie die Geschirrtücher und das Zebrafell in den Wäschekorb und wartete auf die Dunkelheit.

Auf dem Fensterbrett saß ein Eichhörnchen. Sie spürte, sie musste dem Zerberus nachgeben. Blitzschnell griff sie das putzige Tierchen, riss ihm den Kopf ab und ließ das warme Blut in eine Kaffeetasse laufen.
Das ganze garnierte sie mit etwas geraspelter Schokolade.

„Als Belohnung, für die erledigte Arbeit“, knurrte der Zerberus in ihr, und stürzte die seltsame Mischung hinunter.
Würde sie jemand beobachten, er sähe eine zarte Frau, die Abends ihren Tee trinkt.

Sie wusste, das musste irgendwann ein Ende haben, wollte sie ein echter Mensch werden.

Mit dem Wäschekorb, beladen mit den Geschirrtüchern und dem Zebrafell (nicht mal die Knochen waren übrig geblieben), schlich sie, immer noch die Gummistiefel tragend, in den Garten. Sie griff sich noch die Schaufel aus dem Keller und vergrub alles fein säuberlich unter der alten Buche.

Nur gut, dass sie alleine auf dem großen Anwesen wohnte…

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