15 Minuten – Schreibprojekt von Westendstories

Ich hab gerade Zeit, während ich auf eine Fahrt und das Treffen mit dem Steuerprüfer warte. Ich versuch’s mal, liebe Westendstories. Die Zeit läuft jetzt:

Vorsichtig bewegte sich der Zerberus. Versuchte, den Kopf zu heben, der bedeckt war mit filzig, langem Haar. Geifer troff von seinen Reißzähnen. Wer genauer hinsah, konnte wegen der Brüste unter dem Fell erahnen, es war ein Weibchen.

Wo war sie? Es war dunkel, feucht und kalt. Wie lange war sie schon hier? Wie kam sie hierher? Was, hielt sie aufrecht? Ach ja, die Ketten. Sie zog an ihren Fesseln. Spürte das kalte, rostige Eisen um die starken Handgelenke. Sie hatte geträumt, von Freiheit und Licht. Hatte kurz vergessen, dass sie gefangen war.
Jetzt kehrte das Bewusstsein zurück und mit ihm die Angst. Die Angst hier vergessen zu werden und sterben zu müssen.

Wut und Angst schossen in ihre Adern. Sie wollte frei sein! Sie schrie, heulte und knurrte; zerrte wie irre an ihren Ketten. Lies wieder locker, atmete schnaufend aus.
Wieder ein tiefes Einatmen, ganz tief in ihrem Inneren bündelte sie ihre Kraft. Noch ein mal würde sie es versuchen. Aus tiefster Seele formte sich ein Grollen, wie Donner rollte es in ihr nach oben. Jeder noch so kleine Muskel in ihrem muskulösen, behaarten Körper spannte sich, bevor sie sich explosionsartig in die Ketten warf, die muskelbepackten Beine gegen die Wand stemmte und endlich spürte, wie das Metall der Ketten sich aus der Wand löste und sie auf den feuchten, steinigen Boden schlug.

Schnaufend lag sie da und ein kehliges Lachen entrann ihrer Brust. Die Ketten war sie los. Sie hob den Kopf, blickte durch die Dunkelheit, erahnte einen sanften Lichtschein, direkt über dem Boden. Dort musste die Türe sein. Sie kroch dort hin, auf allen Vieren; befühlte mit krallenbewehrten Klauen die Tür.
Holz. Das war gut.

Langsam richtete sie sich zu voller Größe auf; fast zwei Meter maß sie nun. Sie bewegte sich zur gegenüber liegenden Wand, schloss die Augen. Noch einmal Kraft schöpfen, atmen.

Wieder spannte sie ihren Körper, nahm Anlauf und warf sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Tür. Die hielt dieser geballten Energie nicht stand, zerbarst in tausend Splitter. Sie stürzte durch die Öffnung, strauchelte, fiel, spürte kühles Gras unter sich.
Und die Sonne auf ihrem nun verwandelten Körper.

Nichts erinnerte mehr an den Zerberus. Im Gras lag eine schlanke Frauengestalt, mit einer Haut, wie Alabaster und langem, rotgoldenem Haar.

Sie schluchzte, wusste sie doch, sie war frei. Mit tränenverhangenem Blick sah sie auf, den Weg entlang, der sich einen Hügel hinauf wand. Sie stand auf, begann dem Weg zu folgen. Sie wusste nicht, wohin er sie führen würde.
Für sie war nur wichtig: Fort von hier (, in eine Zukunft, in der niemand jemals erfahren würde, wer und was sie wirklich war).

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