Altmann Lesung

Das Gloria Theater in Köln: Klein, dunkel, mit rotem Samt an den Wänden; schön ausgeleuchtet. So mag ich es. Ich fühle mich gleich wohl und zu Hause.
Auf der Bühne: Ein Stuhl; ein quadratischer Holztisch, mit zwei Flaschen Wasser; ein Mikro; unspektakulär.
Es erinnert gleich an Textstellen, aus Altmann-Büchern, in denen er sich über genau das freut: Ein Tisch, ein Stuhl, vor einem Fenster, mit schöner Aussicht und Ruhe zum Schreiben.
Altmann ist bescheiden.

Die Lesung ist toll. Erstaunlich, um wieviel intensiver der Inhalt eines Buches rüber kommt, wenn man die Emotionalität des Autors erleben darf. Altmann selber wirkt kein bisschen, als sei er über sechzig. Er hat etwas ganz und gar rebellisches und trotz seiner scheinbaren(!) Zurückhaltung eine wahnsinnige Präsenz.
Das Buch: Verdammtes Land  eine Reise durch Palästina.
Bevor Altmann liest:
Er erklärt viel und gut, wie es zu dem Zustand kam, wie er jetzt ist. Meiner Meinung nach, so gut, dass selbst völlig unwissende begreifen, woher dieser Konflikt rührt, der schon so lange lodert.
Dann geht es los.
Ich frage mich, ob ich mich so wenig mit den Medien beschäftige, dass die Grausamkeiten, die dort stattfinden (neben den Selbstmordanschlägen), so an mir vorbei gegangen sind. Oder, ich höre und lese schon so lange mit, dass es nicht mehr durchdringt; wie wohnen neben der Autobahn; irgendwann hört man sie nicht mehr.
Das Buch rüttelt mich auf. Garantiert sind meine Sinne jetzt wieder geschärft.

Doch neben den Grausamkeiten erzählt er auch von Warmherzigkeit, Freude, Mut, Liebe, Helden und Heldinnen.

Hielt man wegen der ungeheuerlichen Verletzungen der Menschenrechte eben noch den Atem an, lacht man bei der nächsten Geschichte herzlich aus sich heraus.

Nach eineinhalb, sehr kurzweiligen, Stunden ist die Lesung vorüber.

Im Café nebenan erstehe ich einen weiteren Altmann.
Einen Tisch weiter steht der Autor, signiert mir zwei Bücher, versichert sich meiner ewigen Leserinnen Treue und nimmt gerne die mitgebrachte Ritter Sport entgegen.

Ich setze mich in mein Auto. Das Radio lasse ich aus; will den Abend noch auf mich wirken lassen.

Altmann berührt.

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