Noch eine Geschichte – Silvia strikes back

Da sind wir. Meine Eltern sind, wie immer, nicht zu Hause. Es ist schon dunkel und wir haben in Nachbar’s Garten Obst geklaut. Wir sitzen in der Küche, unserer Hausmeisterwohnung, im Bürokomplex, in dem wir seit drei Jahren wohnen. Die Wohnung liegt im Souterrain; deshalb bekommt man immer mit, wer draußen vorbei läuft.
Dann hören wir Ihre Stimmen. Sie sind auf dem Weg zu ihrem Treffpunkt, an der Schule, die gegenüber dem letzten Bürogebäude liegt. Sie, das ist die Clique, die mich bewertet und abgekanzelt hat, ohne auch nur jemals ein Wort mit mir gewechselt zu haben . Die mir Abscheulichkeiten hinterher rufen, wenn ich vorbei gehe. Weil ich ja die aus der Stadt bin. Keine Einheimische. Und sie, die Dorf Elite.
Wir sehen uns an. Ein Grinsen auf dem Gesicht. Wir denken das Gleiche. Im nächsten Moment sind wir unterwegs, durch das menschenleere Treppenhaus, des nachts verlassenen Bürogebäudes nach oben. In der letzten Etage angekommen, öffnen wir das Fenster im Flur. Es geht auf einen Balkon.
Praktisch, sind die Häuser doch alle baugleich und durch die Balkone miteinander verbunden. Auf dem letzten Balkon angekommen, bringen wir uns in Position.
Die Schule liegt gegenüber, auf einem Hügel. Dort steht auch die Tischtennis Platte, an der sie sich immer treffen.
Als unsere Augen sich an die Lichtverhältnisse angepasst haben, sehen wir sie.
Wir packen die geraubten Erdbeeren aus; als hätten wir es gewusst, haben wir die fauligen nicht gleich dem Müll überantwortet.
Ich greife mir eine, werfe (ich bin eine echt gute Werferin), höre es klatschen und dann, juhuu(!) einen Fluch. Treffer! Den nächsten triffst Du. Erstaunlich, wie oft wir treffen, während unten die Aufregung groß ist. Sie fragen, wo die „Scheiße“ herkommt. Und, wo die „Arschlöcher“ denn sitzen würden.
Herrlich!
Bei der letzten Erdbeere dreht sich jemand in meine Richtung, so, dass ich schnell abtauchen muss. Dabei hau ich mir den Kopf an einem Waschbeton Kübel. Das tut verdammt weh. Aber, ich bin so erfüllt von Genugtuung, dass mir das ziemlich wurscht ist.
Leise in uns hinein kichernd liegen wir auf dem Balkon und warten, bis sie fluchend von dannen ziehen.
Als wir schließlich zurück, in der Küche sind, brechen wir vor Gelächter fast zusammen.
Meine Stirn ziert eine dicke Beule. Das ist mein Orden.
Bei der nächsten Begegnung, gespickt mit Gehässigkeiten in meine Richtung, denke ich nur „Erdbeeren“ und alles ist gut.
Und, auch heute, 27 Jahre später, zaubert mir diese Geschichte ein wahrlich wölfisches Grinsen ins Gesicht, denn wer’s war, wissen die bis heute nicht. 😉

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