Das bin ich

Jpeg

Jpeg

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Flugtiernecrophilie

Das Kutschern ist zum stehen gekommen. Die zweite Hälfte der Sommerferien ist, wie immer, geprägt von, beinahe, tödlicher Langeweile. Die sonst schon recht seichten Gespräche werden noch flacher. Der Plattensee ist dagegen der St. Andreas Graben. Inzwischen sind wir so weit, uns am Liebesspiel necrophiler Kleinstmotten zu erfreuen… Noch später in der Nacht, schließen wir Wetten ab. Welche der Bahnhohsratten es wohl zuerst auf die andere Straßenseite schafft. Wie spannend…

Pfadfinderdings

Die Schicht ist träge. Eher eine Beschäftigungsmaßnahme denn ein Broterwerb. Am Hauptbahnhof habe ich endlich die Einstiegsspitze am hinteren Platz. Wirklich eingenommen hab ich noch nichts.
Gegenüber debattiert ein alter Herr mit zwei jungen Burschen. Ich höre heraus, er sucht etwas. Wirkt ein wenig hilflos. „Pfeif drauf“ denk ich. Was er denn sucht. Die Haltestelle (wurde gestern verlegt). Er wolle zum Obdachlosenheim am alten Friedhof. Sieht er gar nicht nach aus, der gute Mann. Er habe sich einen Dorn in den Fuß getreten, könne nicht laufen. Geld habe er gerade auch nicht. Will mir morgen zwei goldene Manschetten Knöpfe schenken. Zweiundachtzig sei er.
„Ach komm“ denkt es in mir… Ich und mein weiches Herz. Ich fahr ihn die kurze Strecke. Er will für mich beten. Na gut. Hat noch niemandem geschadet.
Wieder was für’s Karma getan. Auch ganz ohne Knöpfe.

Metakuck

Aus der Meta Ebene betrachten, sprich dissoziiert, ist eine gute Methode, um relativ emotionslos mein bisheriges Verhalten zu analysieren. Und das, was dabei heraus gekommen ist.
Derzeit bin ich damit beschäftigt, der Silvia von früher hinterher zu räumen. Bei der Formulierung grinse ich. Meine Mutter hat das immer bemängelt, dass sie das tun müsse. Dabei zwang sie doch niemand (außer der Autoritäten und Gesellschaftskritiker in ihrem Kopf).
Nun räume ich meinem inneren Kind hinterher. Ich sehe die Verhaltensmuster, die zu all dem Chaos geführt haben. Inzwischen vergeht kaum eine Woche, da mir nicht etwas auffällt, wo ich mir selbst im Weg stehe beziehungsweise stand.
Tatsächlich empfinde ich Freude dabei, aufzuräumen, was klein Silvia durcheinander gebracht hat.
Strategien eines Kindes im Körper einer Erwachsenen. Vermutlich dauert es noch ein Weilchen, bis alles in Ordnung gebracht ist. Ich bin auf dem Weg 🌞

Wie tief denn noch?

Wie tief denn noch?
Geht es noch tiefer,
als bis zum Grund?
Graben und schürfen.
Noch einmal der Spaten sticht.
Verdammt noch eins,
wann find ich Dich?
Des Suchens müde.
Noch ein Stich.
Graben und schürfen.
Ich erahne Dich.
Wieviel tiefer bist
Du nur verborgen?
Noch einmal der Spaten sticht.
Verdammt noch eins,
wann find ich Dich?

„Guten Tag“ – Tag

In Anlehnung an eine an eine wahre Begebenheit starte ich eine Aktion. Den „Guten Tag“-Tag. Heißt, jedem, der mir begegnet, wünsche ich einen guten Tag, später einen schönen Abend.

Warum mache ich das?
Als ich heute in der Stadt unterwegs bin, fällt mir zum wiederholten Male auf, wie die Menschen durch die Welt gehen. Ihre verkniffenen Gesichter. Auch, dass viele schnell weg sehen, sobald sie Gefahr laufen, Blickkontakt zu bekommen. Andere laufen wie ferngesteuert mit ihrer Handgurke durch die Straßen. Keiner nimmt den anderen wahr. Und da wundern sich die Leute, dass sie sich einsam und unverbunden fühlen. Kein Wunder, wenn sich die Herde trotz Gedränge in den Straßen nicht mehr der Individuen gewahr ist.

Was ist das Resultat meines Tuns?
Menschen, deren Gesicht aufleuchtet, als sie überrascht in mein lächelndes Gesicht blicken.
Manche wünschen mir ebenfalls einen schönen Abend.
Eine junge Frau hüpft(!) danach sogar ihres Weges.
Und ja, es gibt tatsächlich eine Dame, die zurück kommt und mich, leicht misstrauisch, fragt, ob sie etwas komisches gemacht habe, dass ich sie so anspräche. Ich erkläre, heute sei einfach ein Tag, um „guten Tag“ zu sagen. Sie scheint beruhigt.
Was macht es mit mir?  Ich merke, mit jedem Gruß, einen kleinen Freudenhüpfer in den Eingeweiden.

Das macht Spaß. Und es kostet nichts.

Wusstet Ihr, dass in Thailand (das Land des Lächelns), in den Touristen Vierteln, den Angestellten der Restaurants gesagt wird, sie sollen nicht zu viel lächeln?
Das ist schlecht für’s Geschäft. Die Europäer, das heißt auch die Deutschen, fühlen sich dann veräppelt. Na dann… einen wunderschönen Abend zusammen 😊

Hast Du mein Warum gesehen?

Als ich am Morgen die Augen aufschlage, blinzelt ein grandioser Tag durch die Spalte der Vorhänge. Doch mir ist alles andere als grandios zumute. Ich will einfach nicht aufstehen. Mir ist alles zuviel. Vor allem habe ich keinen Bock mehr auf Input von außen. Nicht falsch verstehen bitte. Ich bin dankbar für all die Leute die sich meiner angenommen haben. Sei es entgelt- oder unentgeltlich. Doch meine Seele sagt: Zieh Dich zurück. Gehe in Dich. Die Antwort, warum es im Augenblick so ist, wie es ist, warum Dir der Antrieb fehlt, findest Du in Dir…
Einen einzigen Skype Call habe ich heute. Mit meinem Meditations-Buddy. Wir tauschen uns aus, darüber, wie sich die wieder angefangene Meditaionspraxis auf uns auswirkt.
Danach gehe ich ins Bett. Ja, ja… manch einer wird jetzt sagen, schlafen kannst Du wenn Du tot bist. Nein, ich gehe JETZT ins Bett. Weil meine Seele das so möchte. Mein Blick fällt auf’s Bücherregal. Ein Buch zieht meinen Blick auf sich. Ich weiß nicht mal mehr, wann ich es erstanden habe. Gelesen habe ich es noch nicht: >>Nicht warten – Starten<<
Zuerst denke ich "Ahh noch so ein Buch, mit Strukturplänen". Aber nein. Es geht um eine Methode zur Motivation. Ganz eindeutig DAS, was mir flöten gegangen ist.
Nach den ersten Seiten schlafe ich ein, mit der Frage: Warum sollte ich tun, was ich bisher tun wollte?
Na klar, hatte ich schon vorher ein WARUM. Doch das ist scheinbar nicht mehr aktuell.
Als ich wieder wach werde, habe ich eine Erkenntnis:
Während der Coachings habe ich ein Thema nach dem anderen aufgelöst. Unter anderem Vater und Mutterthemen, viel Selbstliebe, Selbstannahme. Der Witz ist, dass in diesen Themen mein altes Warum steckte. Ich war ständig bestrebt, tolle Dinge zu vollbringen, um sie dann anderen zu zeigen, damit diese mir sagen, wie toll ich bin. Um Bestätigung zu erlangen. Mit dem Auflösen der Thematiken ist dieses Warum aber futsch, weil ich diese Bestätigungen nicht mehr brauche. Ich muss niemandem etwas beweisen. Wer meinen Wert an Leistungen oder monetären Werten fest macht, darf sich verpfeifen.
Ein neues Warum muss her. Und zwar nicht eines, das von außen motiviert ist. Ein Warum, das aus meinem tiefsten Herzen kommt. Aus dem tiefsten Urgrund.
Na, dann geh ich jetzt wieder schlafen. Und geben meinem Unterbewusstsein eine Hausaufgabe. Bring mir beim Aufwachen ein hübsches, glitzerndes WARUM mit. 🙂

Fünf Minuten für Träume 

Die Uhr tickt. Fünf Minuten zum Thema Träume. Was fällt mir ein? 

Träume sind Schäume.
Treiben aus, wie Bäume.
Schaffen Räume.
Manchmal ganz nah.
Verschwinden im Nebel.
Erfüllend? Vielleicht.
Raketen Treibstoff.
Herzeleid.
Mit der Zeit,
vielleicht verlorene Träume
wieder find.

Die fünf Minuten sind um.
Danke für die Übung. Sie steht hier

So viele Ballons

Es ist mal wieder Zeit. Zeit zu schreiben. Kennt Ihr das: Du beginnst ein Projekt. Du machst und tust. Du warst auch völlig überzeugt, dass es das richtige ist. Und dann, bist Du gerannt und gerannt und trotzdem nirgendwo angekommen. Schöner Mist. Irgendwie bist Du wund. Mental. Körperlich und Deine finanziellen Ressourcen haben auch einen Stand erreicht, der, sagen wir, beunruhigend ist. 

Wie ist es denn eigentlich dazu gekommen? 

Ich habe die Angewohnheit immer noch nicht ablegen können, jedem bunten, glitzernden Ballon hinterher zu laufen. Guck mal Silvia! Der ist doch toll! Und ich, in kindlichem Gebaren, mit großen, blauen, staunenden Kulleraugen, renne hinterher. Bis ich feststelle: Scheiße. Schon wieder verlaufen. Und, wo wollte ich eigentlich ursprünglich hin? Und – wieso steht mir die Scheiße jetzt bus zum Hals? Gestern ging sie nur bis zum Knie! 

Im Moment ist es wieder so, dass ich mir wünsche, ich träume nur. Morgen werde ich wach, in meinem Prinzessinnen Bett und alles ist chic. Aber – Pustekuchen. Das Universum hat anderes mit mir vor. Ich soll wohl etwas lernen. Nur was, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht ist es eine gute Idee, die letzten Moneten zusammen zu kratzen und mich zu verpfeifen. Warum ich das nicht mache? Weil ich den Plunder, mit dem ich mir selbst im Weg steh, in einem unsichtbaren Rucksack mit mir nehme. Allmählich weiß ich nicht mehr wer ich bin, geschweige denn, was ich will.

Ich bin müde. Ich habe einfach keinen Bock mehr auf schwer. 

Leicht und lustig. Leben. Und den lieben Gott, nen guten Mann sein lassen. Das ist mein Begehr.  

Doofe Ballons. 

Weiter auf’s Ziel zu

Lange habe ich nichts geschrieben. Es war so viel zu tun. Und ich unsortiert wie immer, musste mich erst einmal zurecht finden, in dem Programm, in das ich mich eingeschrieben habe, um mich endlich mit meiner Selbstständigkeit auf Kurs zu bringen.
Erst einmal musste ich mich von der Idee verabschieden, die ganze Welt retten zu wollen. Denn versuchst Du allen zu helfen, ist keinem geholfen. Ich durfte also wieder mal los lassen. Und dann sehen, welcher Schuh passt denn am besten. Und immer wenn ein Schuh aussortiert wurde, musste der nächste probiert und angepasst werden, nur um festzustellen, dass auch der, trotz allen Anpassens noch drückte und Blasen produzierte. Vorgestern, der Leiter der Gruppe wähnte sich in Sicherheit, schmiss ich die Vorarbeit von acht Wochen komplett über den Haufen. Trat alles in die Tonne und begann bei Null. Der Gruppenleiter, sonst die Ruhe in Person, riss sich merklich zusammen. Das sei eigentlich ein totales NO GO. Ich hätte nicht mehr viel Zeit.

Und ich?
Die ganzen acht Wochen, war ich ultra nervös. Wusste nicht, ob es funktionieren würde, zweifelte an mir, an allem. Und nun?
„Ganz ruhig.“sag ich zum Gruppenleiter. „Alles wird gut. Wenn ich eines kann, mein Lieber, dann ist es „weg von“. Auf dem Gebiet bin ich die Meisterin, da funktioniere ich richtig gut.“

Und genau so ist es.
Was ich vorher in acht Wochen erarbeitet habe, habe ich in drei Tagen hergezaubert. Und es fühlt sich richtig an. Passend. Wie Schuhe aus weichem Ziegenleder, die sich, wie eine zweite Haut, an den Fuß schmiegen.
Eben habe ich die Unterlagen per Mail weg geschickt. Ich bin derartig stolz auf mich, dass mir fast der BH platzt, so stolzgeschwellt ist meine Brust.

Ich freu mich!
Und wenn es so weit ist, erfahrt Ihr auch endlich, um was genau es geht 😉

Bis dahin, haut rein und lebt das Leben, denn zum leben ist das Leben da!

Woohoooo!!!!!!!!!!

Brainstorming in FFM

Donnerstag. Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Eine liebe Freundin macht Zwischenstation in Frankfurt. Die freie Journalistin, die ich bei Altmann in der Schreibwerkstatt kennen lernte, kommt mit dem Fernbus aus Franken, bevor sie ihre Reise in ihre Wahlheimat England antritt.
Pünktlich treffen wir uns am Fernbusbahnhof unweit des Hauptbahnhofs. Herzliche Umarmung. Wir freuen uns wie kleine Kinder, als wir uns nach einem Jahr wiedersehen.
Wir schleppen ihre Rucksäcke in meinen Maschit (Wahnsinn! Sie hat tatsächlich ein Ikea Regal im Rucksack…)nehmen die Plätze vorne ein – und bleiben wo wir sind. Zu groß ist der Drang uns unsere Erlebnisse zu berichten. Gleichzeitig wird ein Brainstorming für mein Business draus. Wir lachen viel. So viel, wie ich seit Monaten nicht gelacht habe.
Wir werden jäh unterbrochen, von einem bärtigen Menschen, der ziemlich unfreundlich skandiert, wir hätten gefälligst wegzufahren, schließlich sei das ein Gehweg, bla bla bla… Ich frage , wer er den sei, was ihn noch mehr in Wallung bringt. Er rufe nun die Polizei. Soll er doch. Petra teilt ihre Brote mit mir. Nach einer Weile kommt ihr die Idee, sie könne mich ja auf einen Kaffee einladen, wenn wir eine Bleibe für den Maschit fänden. Wir drehen eine dreiviertel Runde um den Bauzaun und finden ein Plätzchen im Parkverbot. Die Lücke passt, der Maschit steht gut.
Um die Ecke haben wir eine Teestube entdeckt. Die erachten wir als genau richtig für uns.
Wir betreten die Räumlichkeiten. Es riecht ein wenig muffig und wir stehen vor einer Küchenzeile. Ein wenig irritiert stehen wir da, bis uns ein junger Mann anspricht. Was wir wollen, fragt er. Wir bestellen zwei Tee und sehen die Preisliste. 0,30€ kostet das Heißgetränk. Dann entdecken wir sein Namenschild. „Sozialarbeiter“
Die Teestube Yona ist eine geimeinnützige Eichrichtung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Ein Schild im Innern verkündet, hier sei jeder willkommen.
Wir setzen uns an einen freien Tisch. Am Nebentisch spielen einige Männer Karten.
Ein Mann in grünem Lodenmantel und teurem Schuhwerk betritt die Teestube, lässt sich nieder. Bestellt.
An den Wänden hängen Bilder. Fotos von Obdachlosen. Wie es aussieht, professionelle Fotografien, aber auch Skizzen und Bilder mit Acrylfarben.
Der ganze Laden hat was von einem Studentencafe. Nur die Protagonisten sind halt anders.
An einem anderen Nebentisch sitzt ein junger Mann, mit Junkie-Blick.
Da sitzen wir, ich lese aus meinem Notizbuch Geschichten aus dem letzen Jahr vor, wir lachen, der Tee ist lecker.
Mir wird klar, wie gut es mir, trotz aller Herausforderungen, geht. Dankbarkeit erfüllt mich.
Für tolle Menschen, wie Petra, in meinem Leben, meine Wohnung, den Maschit… Vieles als selbstverständlich genommen.
Um zweiundzwanzig Uhr schließt das Cafe Yona. Wir kehren zurück zum Maschit. Zeit sich zu verabschieden.
Während Petra hinten ihre Sachen sortiert, empfinde ich derart großes Glück, dass ich beginne zu weinen. Einfach so. Es bricht aus mir heraus. Und mir wird klar, dass ich lange nicht mehr so entspannt, so fröhlich gewesen bin.
Wir verabschieden uns, wie wir uns bergrüßten. Liegen uns in den Armen. Küsschen rechts, Küsschen links. Lassen voneinander ab, um uns gleich darauf nochmals feste in die Arme zu schließen. So viel Wärme! So viel Herzlichkeit!
Freundschaft, die überdauert, auch, wenn man sich ein Jahr nicht sieht, kaum schreibt. Unkompliziertheit. Lachen. Verbundenheit. Welch wertvolles Gut!
Ich bin ein wahrhaft reicher Mensch.
Danke!